Pater Daniel Hörnemann über Gott in guter Gesellschaft

Auslegung der Lesungen vom Dreifaltigkeitssonntag (Lesejahr A)

Am Sonntag nach Pfingsten wird in der Kirche der Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" - so beginnt fast jedes Gebet. Was das bedeutet, erläutert Pater Daniel Hörnemann in seiner Schriftauslegung.

Wer hat dich denn auf diese Schnapsidee gebracht?!“ Dieser Ausruf kommt dann, wenn andere meinen, nur nach genügend Alkoholgenuss könne jemand auf einen so dummen, verrückten oder seltsamen Gedanken verfallen sein. Wenn hingegen ausgerufen wird: „Wahnsinnsidee!“, bekräftigt das eine geniale Eingebung. „Super, eine tolle Idee!“ lässt sich ganz nach Tonfall als degradierende Ironie oder erhebende Zustimmung werten. Die Kirche feiert sogar sogenannte Ideen-Feste.

Die meisten Christen werden bei den theologischen „Ideen“ allerdings in große Erklärungsnöte geraten wie bei dem heutigen Thema der Dreifaltigkeit. Dabei sprechen sie wie selbstverständlich „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, wenn sie das Kreuzzeichen machen, ob zu Beginn eines Gottesdienstes oder zum Schlusssegen, bei der Taufe eines Kindes und anderen liturgischen Gelegenheiten.

Entscheidender Unterschied

Die Lesungen vom Dreifaltigkeitssonntag (A) zum Hören finden Sie hier.

Katholische, anglikanische, evangelische und orthodoxe Christen verwenden diese typisch christliche Dreifaltigkeitsformulierung, was Muslimen und Juden nie in den Sinn käme. Hier wird ein entscheidender Unterschied zwischen den großen Religionen deutlich. Wir sagen, vielleicht ohne großes Nachdenken darüber, die althergebrachten Formeln auf, wie in der zweiten Lesung: „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Paulus schuf hier ein komprimiertes christliches Credo, eine Kurzformel unseres Glaubens daran, dass wir es mit der Zuneigung Jesu Christi, der liebenden Zuwendung Gottes und dem gemeinschaftsstiftenden Wirken des göttlichen Gottes zu tun haben.

Die Heiligen Schriften erzählen von unterschiedlichen Erfahrungen der Menschen mit Gott. Bereits dem Mann Mose offenbarte er seinen Namen mit dessen ganzer Tragweite: „erbarmend, gönnend, langmütig, reich an Huld und Treue“. Dieser Gott kann den Menschen aushalten und austragen; Barmherzigkeit hat vom Hebräischen her mit Mutterschoß und Tragfähigkeit zu tun. Ebenso ist er großzügig, wohlwollend, gnädig, entgegenkommend und nur schwer reizbar, seine Langmut ist Seelenstärke, die sehr viel erträgt und auf sich nimmt, bevor die Geduld reißt. Sein Wohlwollen lässt ihn seinen Zorn in Geduld und Zuwarten lange aufschieben.

Gott gibt uns nie auf

Pater Daniel Hörnemann OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von "Kirche+Leben".

Der Herr ist reich an Verbundenheit, Güte, Gnade, Solidarität, Hochherzigkeit, Huld, unermüdlicher Offenheit und Hingabe ohne Vorbehalt. Ebenso groß ist seine Treue, seine Beständigkeit in der von ihm eingehaltenen Beziehung. Denn er ist reich an Güte-Solidarität und Treue-Festigkeit. Seine Treue besteht auch extreme Belastungsproben.

Trotz allem, was geschehen ist und was geschieht, Gott gibt den Menschen und die Beziehung zu ihm nicht auf. Dafür hat er aus Liebe sogar seinen einzigen Sohn hingegeben. Jesus hat den Gottesnamen, der dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart wurde, ein für allemal bewahrheitet: Ich war, ich bin, ich werde für euch dasein, rettend und befreiend, in Treue und Nähe.

Unsere Antwort darauf ist der Glaube an ihn, ihn als unseren Herrn und Heiland anzuerkennen. Gott ist keine abstrakte Größe jenseits unserer Welt, er hat sie erschaffen und erhält sie im Dasein. Für uns Menschen zeigte er uns in Jesus sein menschliches Antlitz. Sein Geist hält in uns sein Wort lebendig, das aufrichtet, tröstet, befreit, uns in Beziehung zu Gott erhält.

„Gesellige Gottheit“

Der 2017 verstorbene Dichterpfarrer Kurt Marti nennt den dreifaltig-dreieinen Gott die „Gesellige Gottheit“. Schon am Anfang der Weltschöpfung wollte Gott nicht allein bleiben, sich nicht selbst genügen als höchste Idee oder abstraktes Kausalprinzip. Vielmehr erschuf er einen ganzen Kosmos und darin den Menschen als sein Ebenbild und Gegenüber.

Dieser Mensch ist nicht für das Alleinsein geschaffen, sondern ein Sozialwesen, das es nach Beziehung, Liebe, Kommunikation und Geselligkeit verlangt. Der Schöpfer ist ebenso auf Beziehung aus, er gesellt sich zu seinem Geschöpf. Gott kennt laut Kurt Marti dabei „weder Berührungsängste noch hierarchische Attitüden“. Der gesellige Gott hat die Fähigkeit und Neigung, sich leicht anderen anzuschließen und mit ihnen Gemeinschaft zu pflegen. Was für eine tolle „Idee“ dank Kurt Marti, Gott als „gesellige Gottheit“ und „Gott der Vielfalt“ zu sehen!