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Pater Elmar Salmann: Wie wir erwachsen werden

Auslegung der Lesungen vom Fest Taufe des Herrn / Lesejahr A

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Für die Entwicklung der Kirche braucht es Vorbilder. Eine solch prägende Gestalt war der Gottesknecht Jesaja. Ihm widerfährt eine einmalige Berufung, sagt Pater Elmar Salmann und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Wie findet ein Mensch zu seiner Bestimmung, seiner Lebensaufgabe, gar seiner Berufung, seinem nur ihm eigenen und gerade darin für die Gesellschaft fruchtbaren Stil, zu seiner Präsenz als Erwachsener? Und wie die Kirche zu ihrer Gestalt, zu ihrer Gegenwart unter den Menschen und in der Geschichte, dabei zugleich ihre Identität von Gott her und die Relevanz für die andere Welten wahrend und bewährend? Davon erzählen die Texte zum Fest der (Erwachsenen-)Taufe Jesu, darin mögen sie auch für die Betrachtenden anregend sein.

Es geht nicht ohne einprägsame Gestalten, Vor- und Inbilder, an denen etwas von Gelingen, Schmerz und Kraft des Lebens deutlich wird. Eine solche ist der Gottesknecht aus dem Propheten Jesaja. Ihm widerfährt eine einmalige Berufung, weil das Wort Gottes an ihn und über ihn ergeht, so ist er, wie jeder Mensch, ein Original, unvergleichbar, bis in den Daumenabdruck und den Tonfall der Stimme hinein, den Augenaufschlag und die Handbewegungen, in seiner Weise der Stimmigkeit und Bestimmung, der Wirkung auf andere und der Übereinstimmung oder Dissonanz mit ihnen.

Einfühlend und souverän

Die Lesungen vom Fest Taufe des Herrn (Lesejahr A) zum Hören finden Sie hier.

Der Prophet zeichnet sich durch ein solches Herausgerufen- und Gezeichnet-Sein aus; er ist ungemein mächtig und doch zurückgenommen, kein Held, kein Protagonist oder Propagandist. Er geht vielmehr einfühlend und doch souverän, ansprechend und mahnend mit Dingen und Menschen um, ist stark und verwundbar, weil er sich selbst, auch inmitten des Leidens, behütet und begleitet weiß von seinem Gott.

Er jammert nicht, beklagt sich nicht, triumphiert nicht, ist darin den Dingen auf sanft widerständige Art gegenwärtig, weist sie ein in den ihnen eigenen Gottbezug, in die stets ambivalente Wirklichkeit, dass ihre Stärke sich der hellsichtig-demütigen Einwilligung in die eigene Schwäche verdankt. Dieser Gottesknecht ist der Prägestock, die Blaupause der Eigenart Jesu, wie er sie von Gott her auf die Menschen zu lebt, von Gott in der Deklamation vor den Menschen und dem Zuspruch für seinen Knecht ermächtigt und bestätigt.

In Konkurrenz zu Johannes dem Täufer

Pater Elmar Salmann
Pater Elmar Salmann war lange Jahre Theologieprofessor in Rom. Er lebt als Mönch in der Benediktinerabtei Gerleve. | Foto: P. Bartholomäus Denz

In der Taufszene des Evangeliums verdichten sich alle diese Züge. Sie werden angereichert durch drei Perspektiven und Elemente: zum Erwachsenwerden gehören die feind-freundlichen Konkurrenten. Hier ist es Johannes der Täufer. Da treffen zwei religiöse Genies aufeinander, sprach- und zeichenmächtig, in stets neuer Über-, Zu- und Unterordnung, in hochgemuter Demut beide, umeinander wissend, ohne doch je wirklich zueinander zu finden.

Bis in die Apostelgeschichte und das Johannes-Evangelium finden sich Spuren von dieser Fremdheit zweier füreinander bestimmter Menschen und Gottgesandten. Noch deutlicher sind auch die einmalige Berufung Jesu als Sohn Gottes und die Sendung des Geistes, die Jesus als Christus, als vom Geist beseelten und gesalbten kennzeichnet. Diese Präsenz des Geistes wird ihn sein Leben hindurch geleiten und treiben.

Dann ist da die weitreichende Geist-Wirkung, die von der Apostelgeschichte eindrücklich erzählt wird. Es eröffnen sich völlig neue Horizonte und künftige Zeiten. Die Predigt des Petrus steht in einem besonderen Kontext, den Kapiteln 9 bis 15 der Apostelgeschichte, wo es um die unter großen Kämpfen erwachsende Einsicht geht, dass die Heiden in das Neue Bundesvolk gehören und nicht mehr den alten Riten unterworfen seien. Ein ungeheurer Lernprozess für Petrus und die Apostel, unter dem vermittelnden Geleit von Paulus und des Barnabas.

Schwere Geburt der Kirche

Angesichts der Tatsache, dass Heiden wie der Hauptmann Kornelius den Geist empfangen und sich zu Jesus bekennen können, verschieben sich alle Kriterien und Koordinaten der Zugehörigkeit zum Christentum. Die offene Weltkirche ist aus einem schmerzhaften synodalen Weg geboren, an dessen vorläufigem Ende das Apostelkonzil (Apg 15) steht.

Eine schwere Geburt, deren mystagogische Deutung sich in den Texten des Festes findet. Die Bestimmung Jesu, Gott unter den Menschen und für sie alle zu vergegenwärtigen, findet damit den Weg in die Geschichte.

Wie wir heute wissen und bitter erfahren, sind wir damit noch keineswegs am Ende. Die damals errungene Offenheit ist auf jeder Stufe der Kirchengeschichte neu zu erobern, durchzusetzen und als Weg der Freiheit des Evangeliums zu lesen und zu leben.

Sämtliche Texte der Lesungen vom Fest Taufe des Herrn (Lesejahr A) finden Sie hier.

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