Daniel Gewand über Gipfel-Erfahrungen

Auslegung der Lesungen vom Fest Verklärung des Herrn

Wer auf einen Berg steigt, wird oben mit einer schönen Aussicht auf die Umgebung und einem guten Überblick belohnt. Diese ermöglichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die einem unten im Tal verwehrt bleiben, sagt Daniel Gewand. Die Bibel berichtet von solchen Gipfel-Erfahrungen.

„Nach jedem Oben wurde ich ein anderer unten“, so beschrieb der deutsche Alpinist Reinhard Karl einmal seine Berg-Erfahrungen. Im Evangelium steigen die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesus nach oben auf einen hohen Berg. Der hohe Berg, wie der Evangelist Matthäus extra betont, weist auf die besondere Bedeutung des kommenden Ereignisses hin: die Verklärung Jesu.

Wer auf einen Berg steigt, wird oben mit einer schönen Aussicht auf die Umgebung und einem guten Überblick belohnt. Diese ermöglichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die einem unten im Tal verwehrt bleiben. Den drei Jüngern ermöglicht die visionäre Erfahrung auf dem hohen Berg im Evangelium eine besondere Erkenntnis: Jesus ist Menschensohn und Gottessohn. Er wird leiden, sterben und auferstehen.

Die drei Jünger werden verpflichtet

Auf dem Berg findet zwar die Verklärung Jesu statt, aber nicht Jesus wird oben auf dem Berg ein anderer, sondern die drei Jünger. Durch die Stimme aus einer leuchtenden Wolke erfahren die drei Jünger: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“

Die göttliche Stimme bestätigt öffentlich die am Jordan bei Jesu Taufe zugesagte Gottessohnschaft und verpflichtet die drei Jünger, auf Jesus zu hören. Das gilt auch für das Schweigegebot, das Jesus ihnen später auferlegt: „Erzählt niemandem von dem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“

Auf jeden Gipfelsturm folgt der Abstieg


Das Evangelium vom Fest Verklärung des Herrn zum Sehen und Hören auf unserem Youtube-Kanal.

Die drei Jünger sind durch ihre Berg-Erfahrung – oben – nach dem Abstieg – unten – andere geworden. Petrus ist beeindruckt und will diesen Moment festhalten – für immer. „Es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“

Petrus will Mose, Elija und Jesus an diesen Ort binden, indem er ihnen eine Hütte baut. Verständlich, aber aussichtslos, denn auf jeden Gipfelsturm folgt der Abstieg – auch für Jesus und seine Begleiter, wie der letzte Vers des Evangeliums erwähnt. Nach der besonderen Erfahrung oben auf dem hohen Berg, geht es wieder zurück nach unten ins Tal, in den Alltag – allerdings verändert: „Nach jedem Oben wurde ich ein anderer unten.“

Erfahren, wer Jesus wirklich ist

Diese Berg-Erfahrung hat Petrus, Jakobus und Johannes verändert und geprägt. Sie haben erfahren, wer Jesus wirklich ist und was ihm bevorsteht.

Besonders nach dem Tod und der Auferstehung Jesu gewinnt ihre Erfahrung auf dem hohen Berg an Bedeutung, wie der Lesungstext aus dem zweiten Petrusbrief zeigt. Dort verweist der Verfasser als Augenzeuge auf die Verklärung Jesu: „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, als wir euch die machtvolle Ankunft Jesu Christi, unseres Herrn, verkündeten, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“

Die baldige Wiederkunft Jesu

Der Autor
Daniel Gewand ist Pastoralreferent und Projektleiter von „frei.raum.coesfeld“.


Daniel Gewand ist Pastoralreferent und Projektleiter von „frei.raum.coesfeld“.

In den frühen Gemeinden herrscht Unsicherheit über die Wiederkunft Jesu Christi. Ein Problem, das die gesamte Zukunftshoffnung der frühen Christen in Frage stellt. Der Petrusbrief-Verfasser, der sich konsequent auf die Autorität Petri beruft, begründet die Wiederkunft Jesu logisch mit der Verklärungs-Erfahrung. Da diese durch Zeugen abgesichert sei, ist auch das künftige Geschehen sicher. Darum ermahnt er die frühen Christen, an dem Glauben an eine baldige Wiederkunft Jesu festzuhalten.

Unser Glaube an eine baldige Wiederkunft Jesu hat sich zeitlich zwar etwas verändert, Kern unseres Glaubens ist sie dennoch. In jeder Messe antwortet die Gemeinde auf das Geheimnis des Glaubens mit dem Ruf: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

„Nach jedem Oben wurde ich ein anderer unten“

Eine Herrlichkeit, die Petrus, Jakobus und Johannes schon auf dem hohen Berg erfahren haben. Eine Herrlichkeit, auf die wir hoffen dürfen, am Ende aller Tage, bei Jesu Wiederkunft.

Die drei Jünger hatten eine besondere Berg-Erfahrung, die sie nicht festhalten konnten, die sie aber verändert und geprägt hat. Diese haben die drei Jünger mit nach unten genommen, ins Tal, in ihren Alltag. Sie wussten nun, wer Jesus ist und was mit ihm geschehen wird. Darum glauben und vertrauen sie auf die Wiederkunft Jesu. „Nach jedem Oben wurde ich ein anderer unten.“

Wir brauchen persönliche Berg-Erfahrungen

Die Texte dieses Sonntags laden ein, sich an die eigene Berg-Erfahrungen zu erinnern: Wo bist du auf einen Berg gestiegen und hast eine besondere Erfahrung mit deinem Gott gemacht? Welches Oben hat dein Unten verwandelt? Und: Wo sind deine Berge, für die du dir Zeit nimmst?

Wir werden keine Verklärung wie Petrus, Jakobus und Johannes erleben, aber wir brauchen persönliche Berg-Erfahrungen für unseren Glauben, die uns verändern, die uns prägen, denn „durch jedes Oben werden wir andere unten.“

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums vom Fest Verklärung des Herrn finden Sie hier.