Kaplan Christian Olding und ein Sechs-Tage-Plan für den Himmel

Auslegung der Lesungen vom Hochfest Christkönig (A)

Mit dem Christkönigsfest an diesem Sonntag endet nicht nur das Kirchenjahr. Heute geht es in den Lesungen auch um die endgültigen Fragen am „jüngsten Tag“. Christian Olding, Kaplan in St. Maria Magdalena Geldern, erklärt, was es mit dem letzten Gericht auf sich hat.

Ratgeber sind etwas Feines. Sie suggerieren, dass es einfach und unproblematisch ist, an das gewünschte Ziel zu gelangen. „Für immer aufgeräumt“, „in drei Wochen zu einem gesünderen Leben“, „in zehn Schritten zum persönlichen Erfolg“, wie auch immer der genau aussehen mag. Wer würde da nicht zugreifen? Schaden kann es ja nicht. Die Titel verlocken, weil sie Sicherheit versprechen. Auch wenn Höllenangst heute nicht mehr die Top Ten der Phobien anführt, wäre es doch gut, sich auf der sicheren Seite zu wissen.

Der sichere Weg in den Himmel

Deswegen bietet Jesus seinen Sechs-Tages-Plan für den sicheren Weg in den Himmel. Am Montag bedenken Sie einen Hungrigen mit etwas zu essen. Am Dienstag suchen Sie sich einen Durstigen. Am Mittwoch wird das Schlafsofa für einen Fremden ausgefahren. Donnerstag sortieren Sie Ihren Kleiderschrank aus, schaffen Platz für Neues und tun mithilfe der Altkleidersammlung noch etwas Gutes.

Das Evangelium vom Christkönigssonntag (A) zum Hören und Sehen auf unserem Youtube-Kanal.

Am Freitag streifen Sie auf Stippvisite durchs Krankenhaus, Altenheim oder die Nachbarschaft. Da wird sich schon jemand Kränkliches finden lassen, der auf einen Besuch wartet. Der Samstag gestaltet sich ein wenig komplizierter. Hier gilt es Gefangene zu besuchen. Nun, vielleicht reicht da die emotionale Anteilnahme durch eine gute Doku oder eine Serie. Am Sonntag endlich können Sie aufatmen. Da haben Sie frei. Das ist schließlich der Tag des Herrn. Heute dürfen Sie ausruhen und Gott voller Stolz sagen: „Ich habe alles getan, was du wolltest, und mein Platz im Himmel dürfte sicher sein.“

Unzertrennliche Liebe

Mit diesen sechs sozialen Kleinigkeiten haben Sie endgültig die Frage von Himmel und Hölle ein für alle Mal geklärt und können vor Gott mit gutem Gewissen auftreten. Da fragt man sich doch wirklich, warum sich Generationen so angestellt haben bei dieser Frage.

Vielleicht, weil es so einfach dann doch nicht ist.

Die Gruppen werden nicht aufgrund allgemeinen sozialen Tuns oder Unterlassens getrennt. Es gibt eben einen Unterschied zwischen Humanismus und Christentum. Beides ist gut, aber das Christentum verfolgt eine andere Zielsetzung. „Mir habt ihr zu essen gegeben, mich habt ihr besucht.“ Nicht irgendwem, sondern Jesus selbst kam dieses Verhalten zugute.

Meine Liebe zu Jesus und meine Liebe zum Nächsten, mein Verhalten Jesus und mein Verhalten anderen gegenüber sind unzertrennlich: Mein Handeln offenbart meine Haltung. Wo Glaube an Jesus drinsteckt, kommt Nächstenliebe bei herum. Das qualifiziert meine Tat. Ich handle nicht einfach gut, weil es sich gehört, sondern weil es mir um Jesus geht; weil mich sein Leben, sein Leiden, sein Tod für mich dazu animieren.

Richter über unser Leben

Das Evangelium vom Weltgericht hat etwas Ernstes und Bedrängendes: Jeder wird antanzen müssen, um sich für sein Leben zu verantworten. Jesus spricht ausdrücklich von „allen Völkern“. Niemand kann sich drücken. Sein Anspruch ist ein umfassender. Es gibt einen Richter, und Jesus lässt keinen Zweifel daran, dass er es selber sein wird.

Hier müssen zwei Bilder zusammengehalten werden, die gern getrennt wurden. Derselbe Jesus, der als guter Hirt das Lamm auf den Schultern durch die Gegend trägt, die 99 Gerechten zugunsten des einen Irrläufers zurücklässt, ist ebenso derjenige, der irgendwann als Richter die Wahrheit unseres Lebens aufdecken und urteilen wird. Das sind zwei Seiten derselben Medaille. Keine kann gegen die andere ausgespielt werden.

Christian OldingChristian Olding ist Kaplan in St. Maria Magdalena, Geldern. | Foto: Andrea Faure

Der Richter ist kein willkürlicher und gnadenloser Henker, sondern einer, der die Menschen liebt und mehr als alles andere ihre Rettung will. Der Hirt ist aber zugleich niemand, der nur Streicheleinheiten verteilt, mir die Verantwortung und alle Probleme abnimmt. Jesus, der Richter, richtet als jemand, der meine Existenz mit allen Höhen und Tiefen geteilt hat.

Mehr als viele andere Evangeliumstexte stößt mich dieses auf mein eigenes Verhalten, gerade vor dem Hintergrund meines Glaubens. Wird mein Glaube angemessen sichtbar in dem, was ich tue und lasse? Ist er für andere spürbar?

Keine bessere Zeit als jetzt

Da es nie eine bessere Zeit zu glauben gibt als jetzt, hält diese Welt ausreichend Potenzial bereit. Wie sieht es aus mit den Fremden? Bin ich noch offen und bereit genug, mich Menschen zu öffnen, die aus anderen Ländern kommen, eine andere Sprache sprechen und andere Lebenseinstellungen mitbringen? Genüge ich mir selbst schon so sehr, dass für sie wirklich kein Raum mehr da ist? Was ist mit denen, die in Gesprächen geradezu ausgezogen werden und mit heruntergelassenen Hosen dastehen? Schaue ich mir das schweigend an, oder habe ich den Mut, dort einzuschreiten?

Jesu Wunsch ist es, alle an sich zu ziehen (Joh 12,32). Daher muss auch dieses Evangelium verkündet werden, gelegen oder ungelegen. Am Ende geht es um alles. 

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums vom Christkönigssonntag (A) finden Sie hier.