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Ulrike Göken-Huismann über das Marienfest als Zeichen der Hoffnung

Auslegung der Lesungen vom Hochfest Mariä Himmelfahrt / Lesejahr B

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Die Lesungen zum Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“ berichten von Maria und ihrem Besuch bei Elisabeth. Die beiden Frauen singen und beten zusammen. Doch braucht unser Marienbild nicht mal ein Update? Mit dieser Frage beschäftigt sich Ulrike Göken-Huismann, Geistliche Begleiterin im Bundesvorstand der Katholischen Frauengemeinschaft (KFD).

An diesem Sonntag feiert die Kirche das Hochfest „Mariä Aufnahme in den Himmel“, im Volksmund Mariä Himmelfahrt, in Bayern auch „großer Frauentag“ genannt. Vielerlei Traditionen sind mit diesem Fest verbunden, unter anderem die Segnung von Kräutern. Chris­tinnen und Christen fragen sich aktuell eher kritisch, welche Bedeutung Maria und Marienfeste für sie und ihren Glauben haben. Katholische Frauen forderten in den vergangenen Jahren ein Update für Maria.

In diesem Frühjahr sorgte im sauerländischen Drolshagen ein neues Altarbild, das der Künstler Thomas Jessen für die dortige St. Clemens-Kirche gestaltet hat, für Aufregung in der Gemeinde und in den Medien (Foto oben). Maria ist auf diesem Bild nicht wie vielfach üblich mit wallendem Gewand und mildem Lächeln zu sehen, sondern sie trägt Jeans und Rollkragenpullover und steht engagiert und tatkräftig auf einer Trittleiter.

Der örtliche Pfarrer verteidigt das Bild mit den Worten „Maria ist doch nicht in Nazareth mit 'nem Krönchen auf dem Kopf herumgerannt. Sie war immer eine normale Frau aus dem Volk.”

Besondere Schwangerschaften

Die Lesungen vom Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Im Fest-Evangelium wird uns berichtet, dass Maria sich auf den Weg macht, Elisabeth besucht und bei ihr das Magnifikat singt. Zwei werdende Mütter begegnen sich. Die eine ist jung, die andere alt. Sie erwarten besondere Kinder, verheißene Söhne. Elisabeth und Maria sind verwandt, vielleicht Cousinen, aber nicht nur im normalen Sinn verwandt, sondern auch geistlich, heilsgeschichtlich. Beide erleben eine normale und gleichzeitig besondere Schwangerschaft.

Wir erahnen, dass Maria und Elisabeth sich viele Gedanken machen. Wir stellen uns vor, wie sie ihre Sorgen teilen, sich gegenseitig stärken und einander stützen, gemeinsam beten und singen. Sie hoffen, dass alles gut wird. Sie warten und erwarten. Die besondere Begegnung zwischen diesen beiden Frauen ist oft dargestellt worden, bei beiden ist die Schwangerschaft sichtbar, die ältere legt der jüngeren die Hand auf den Bauch. Ganz normal halt! Oder doch nicht?

Die alte Macht gilt nicht mehr

Die Autorin
Ulrike Göken-Huismann
Ulrike Göken-Huismann ist Geistliche Begleiterin im KFD-Bundesverband. | Foto: privat

Maria stimmt ihr prophetisches, revolutionäres Lied an, das Magnifikat. Sie verbindet sich mit anderen Frauen aus der Heilsgeschichte, viele Anklänge an den Lobgesang der Hanna können wir hören. Marias Freude darüber, wie Gott an ihr gehandelt hat, wird deutlich, sie preist die Größe Gottes, sie jubelt über Gott. Ihr Lied nimmt Jesu Botschaft vom Reich Gottes in klaren Worten vorweg. Gott erhöht die Niedrigen, die Hungernden beschenkt Gott mit Gaben. Marias Lied besingt eine Ordnung der Welt, in der die alte Macht nicht mehr gilt und die Machthaber nichts mehr zu sagen haben. Welche Sprengkraft steckt in diesem Lied! Würde es doch endlich wahr werden, denke ich, auch angesichts der Situation in unserer Kirche.

„Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr,“ heißt lapidar der letzte Satz des Evangeliums. Drei Monate, in denen die Frauen gemeinsam gelebt, gebetet, gesungen, auf eine gute Entbindung gehofft haben. Vielleicht ist Maria auch bis zur Geburt des Johannes geblieben, um Elisabeth beizustehen. Frauengemeinschaft, gelebte Frauensolidarität, nichts Abgehobenes!

Maria ist in ihrem Leben mit ihrem Sohn keinen leichten Weg gegangen, sicher ist sie an ihre Grenzen gekommen. Immer aber hat sie zu ihm gehalten, bis zum Tod am Kreuz. In der nachösterlichen Gemeinde in Jerusalem war sie mitten dabei.

Gewand oder Rollkragenpulli?

Das Fest Mariä Himmelfahrt ist für mich ein Zeichen der Hoffnung. Maria ist mit ihrer Lebens- und Glaubensgeschichte ganz bei Gott. Das symbolisiert die Leiter auf dem modernen Altarbild in Drolshagen. Es ist nicht entscheidend, was Maria anhat, wallendes Gewand oder Rollkragenpullover; es ist eher zweitrangig, ob sie auf der Leiter steht oder, wie es in der ersten Lesung anklingt, auf der Mondsichel und mit einem Sternenkranz um ihr Haupt.

Maria ist eine von uns, unsere Schwester, aber gleichzeitig uns voraus. Die Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, die Paulus in der Lesung aus dem Brief an die Gemeinde in Korinth thematisiert, ist an Maria ablesbar. Maria ist schon jetzt endgültig bei Gott zu Hause.

Maria, ich nenne dich Schwester, ich sehe in deinem Gesicht die Würde und Hoffnung der Frauen, wir trauen gemeinsam dem Licht, singen gemeinsam das Lied der Befreiung, wir tragen es in die Welt (Gotteslob 10,2).

Sämtliche Texte der Lesungen vom Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel (Lesejahr B) finden Sie hier.

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