Benedikt Feldhaus über neue Hoffnung am Pfingstfest

Auslegung der Lesungen von Pfingsten (A)

Nach dem Tiefpunkt an Ostern, dem Tod Jesu, geschieht an Pfingsten etwas unglaubliches, beschreibt Benedikt Feldhaus. Der Heilige Geist lässt die Jüngerinnen und Jünger erkennen, dass sie doch auf den richtigen Typen gesetzt haben.

Welch ein Ereignis! Verrückt, Wahnsinn! Unfassbar, eigentlich unglaublich! So oder so ähnlich müssen die Jüngerinnen und Jünger, von denen wir am Pfingstfest in der Erzählung aus der Apostelgeschichte hören, gedacht und empfunden haben. Hatten sie sich vorher wochenlang versteckt und zurückgezogen, spüren sie plötzlich eine solche Begeisterung, dass sie förmlich ausrasten und es wieder wagen: den Sprung nach draußen, das Zugehen auf die Menschen, das Erzählen von dem, was sie erfahren durften.

Die Kreuzigung und der Tod dessen, in den sie alle ihre Hoffnung gesetzt hatten, hatten zuvor massiv nachgewirkt. Wie passte das zu den Gleichnissen vom Reich Gottes, zu der Vorstellung von Jesus als Sohn Gottes? Es passte eigentlich überhaupt nicht. Gottes Sohn wird nicht hingerichtet – zumal als Verbrecher! Genau das passiert jedoch. Der vermeintliche Erlöser, der, der triumphieren sollte, erweist sich als schwach, sterblich und offensichtlich wenig göttlich, sondern schlicht menschlich.

Geschockt und verstört


Die Lesung von Pfingsten zum Hören und Lesen auf unserem Youtube-Kanal.

Hinzu kommen vermeintliche Begegnungen mit dem Verstorbenen als Auferstandener, als jemand, der irgendwie anders doch noch da ist. Das lässt die meisten der Jüngerinnen und Jünger zunächst nicht hoffen, sondern verstört sie nur noch mehr. Wie soll das möglich sein, dass das Grab leer und der Gekreuzigte lebendig ist? Wer das glaubt, wer darauf nun setzt – droht dieser nicht bloß erneut enttäuscht zu werden?

Es bleibt zunächst nur der stumme Rückzug, die dumpfe Trauer, die gemeinsame Gewissheit: Er ist tot, und das, worauf wir alles gesetzt haben, es trägt nicht. Und dann wie im Rausch der radikale Umschwung, der stürmisch und leidenschaftlich auf alle Versammelten einwirkt und der sie hinaustreibt auf die Straßen.

Auf den richtigen Typen gesetzt

Der Geist Gottes wirkt, und er wirkt gewaltig. Er lässt die Jüngerinnen und Jünger erkennen, dass sie doch auf den richtigen Typen gesetzt haben, dass sein Sterben und seine Auferstehung letztlich eben die Einlösung aller seiner Verheißungen an sie gewesen sind.

Und der Geist wirkt weiter. Die Jüngerinnen und Jünger behalten ihre Erkenntnis nicht für sich, sondern begreifen, dass das Heilsgeschehen, dessen Zeugen sie werden durften, für alle Menschen gilt. So strömen sie hinaus, gehen unter die Leute und erzählen ihnen glaubhaft und begeistert von all dem. Sie machen sich dabei nicht lächerlich, wirken nicht wie Verrückte, denen nicht zu trauen ist, sondern sie ernten durch die Bank weg Neugierde an und Verständnis von ihrer Botschaft des Lebens.

Vollkommen egal, wem sie davon erzählen, die Menschen staunen und lassen sich anstecken. Ein solcher Effekt, der radikal kulturelle, nationale und sprachliche Grenzen überwindet, ist nur möglich durch das leidenschaftliche Wirken des Geistes, der Einheit stiftet und Menschen zusammenführt.

Das Wirken des Geistes hat gesellschaftliche Relevanz

Der Autor
Benedikt Feldhaus ist Referent für junge Erwachsene im Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. | Foto: Privat
Benedikt Feldhaus ist Referent für junge Erwachsene im Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. | Foto: Privat

Dass das Pfingstereignis kein reines „Event“ mit kurzfristiger Wirkung ist, zeigen die beiden weiteren Lesungen des Tages eindrucksvoll. Der Apostel Paulus macht deutlich, dass die vom Geist Getauften einander gleich im Sinne von gleichwertig sind. Es gibt keine Unterteilung in Freie und Sklaven, keine Grenzen zwischen Kulturen und Religionen. Das Wirken des Geistes ist nicht nur leidenschaftlich, sondern hat auch gesellschaftliche Relevanz, weil es nachhaltig verändert und nicht nur kurzfristig. Gott will mit uns gemeinsam Grenzen und Spaltungen überwinden und wirklich alles neu machen.

Und zu guter Letzt macht das Evangelium des Pfingsttages, das von einer weiteren Begegnung mit dem Auferstandenen erzählt, deutlich, dass diese Zusage nicht nur für kurzfristige Momente der Begeisterung und nicht nur für die Veränderung der Gesellschaft im Hier und Jetzt, sondern auf Dauer und ewig gültig bleibt.

Berufen zu neuem Leben

Die Jüngerinnen und Jünger, alle Menschen, wir sind berufen zu neuem Leben im Geist der Auferstehung, und dies ist begeisternd und leidenschaftlich, prägend und nachhaltig, verheißungsvoll und ewig. Die verschiedenen und beeindruckenden Botschaften der pfingstlichen Texte dürfen auch für uns und unser Leben Relevanz haben. Sie wollen uns sensibel machen für diese rauschenden Momente voller Mut, Lebensfreude und purer Begeisterung. Sie wollen uns motivieren, nachhaltig an einer Gesellschaft mitzuwirken, die Ungerechtigkeiten, Grenzen und Spaltungen stets aufs Neue überwindet. Sie wollen uns Hoffnung schenken auf ein Leben, das ein ewig begeisternder Moment der Gottesbegegnung ist und das alle Menschen zusammenführt, das alle Grenzen überwindet, das keinen Tod mehr kennt. Welch Ereignis! Welche Auswirkung! Welche Hoffnung!

Sämtliche Texte der Lesungen und des Evangeliums von Pfingsten finden Sie hier.