Julia Hielscher fragt: Könnten Sie widerstehen?

Auslegung der Lesungen zum 1. Fastensonntag (A)

Goldbarren.
Jesus hat uns vorgelebt, dass Besitz, Ruhm und Macht nicht die Dinge sind, welche man im Leben braucht.Foto: Rike, pixelio.de

Wie viel Gottvertrauen braucht man, um in der Wüste den Versuchungen des Teufels zu widerstehen? Diese Frage stellt sich Theologie-Studentin Julia Hielscher. Wünschen wir uns nicht alle insgeheim den Ruhm oder das große Geld?

Wie viel Gottvertrauen braucht man, um in der Wüste den Versuchungen des Teufels zu widerstehen? An diesem ersten Sonntag in der österlichen Bußzeit betrachten wir im Evangelium eine der bekannteren Geschichte aus der Bibel: Jesus begegnet nach 40 Tagen in der Wüste dem Teufel, der ihn in dreifacher Weise in Versuchung führt und auf die Probe stellt. Da liegt es nahe, dass wir uns fragen: Auf welche Proben stellt uns das Leben? Wo werden wir in Versuchung geführt? Und können wir widerstehen? Welches Vorbild ist uns Jesus und wie viel Gottvertrauen braucht er, um dem Teufel zu widerstehen?


Das Evangelium zum Hören.

Jesus war einige Wochen in der Wüste unterwegs. Nach einem 40-tägigen Fasten begegnet er dem Teufel, der ihn mit verlockenden Angeboten – Besitz, Ruhm und Macht – in Versuchung führt. Doch Jesus beruft sich auf die Heilige Schrift und Gottes Wort, um dem Teufel Einhalt zu gebieten. Er besteht die dreifache Prüfung und besiegt den Versucher. Daraufhin wird er von Engeln begleitet, die ihm dienen.

Seien wir mal ehrlich!

Befragen wir uns doch einmal selbst: Hätte ich dem Werben des Teufels widerstanden? Hätte ich trotz meines unendlich großen Hungers das Essen verweigert? Hätte ich nicht den mutigen Sprung vom Dach des Tempels gewagt, um den Ruhm und den Applaus der Menschenmenge zu bekommen? Hätte ich die Macht über alle Länder dieser Erde abgelehnt?

Seien wir mal ehrlich, es gibt diese Situationen im Leben, wo man der Versuchung nicht widerstehen kann. Man nascht von der Schokoladentafel, obwohl man gerade Diät hält, man spickt in der Klausur, weil man das Lernen vernachlässigt hat, man spricht hinter dem Rücken von jemanden über ihn, obwohl man weiß, dass die Person dies hören kann, man »beschönigt die Wahrheit«, wie es so schön heißt, und belügt damit Menschen, die einem wichtig sind.

Was ist mit Besitz, Ruhm und Macht?

Und wie häufig schafft man es, so etwas nicht zu tun? Schafft man es, die Schokolade liegen zu lassen, bis man sein Wunschgewicht erreicht hat und die Diät beendet? Versucht man frühzeitig, mit dem Lernen anzufangen, wie man es sich jedes Semester wieder vornimmt, und nicht mit Freunden auszugehen, Fernseh-Serien zu gucken oder das Zimmer aufzuräumen, damit man in der Prüfung nicht betrügen muss? Wird man sich bewusst, wie schmerzhaft es ist, wenn jemand hinter dem Rücken über einen spricht? Oder wie es ist, wenn man belogen wird, und lästert nicht oder belügt jemanden?

Das sind die kleinen Dinge im Leben, aber wie ist es mit den großen? Was ist mit Besitz, Ruhm und Macht? Hat nicht jeder den Traum: Wie schön wäre es, beim Lottospielen eine Million Euro zu gewinnen? Die wenigsten würden das gewonnene Geld spenden oder für ihre Mitmenschen ausgeben. Meist malt man sich doch aus, welches Haus man dann besäße, welches teure Auto man fahren würde, welche Reise man unternehmen könnte ...

Träumen vom Ruhm

Wären solche Fernseh-Formate wie »Deutschland sucht den Superstar« oder »Germany's Next Topmodel« so beliebt, wenn die Teilnehmer nicht berühmt werden wollten und die Zuschauer nicht selbst von einem solchen Ruhm träumen würden?

Julia Hielscher ist Masterstudentin der Theologie an der WWU und der Kunst an der Kunstakademie in Münster. | Foto: privat
Julia Hielscher ist Masterstudentin der Theologie an der WWU und der Kunst an der Kunstakademie in Münster. | Foto: privat

 

 

Wie wären wohl die Ergebnisse solcher Umfragen: Wie viele Menschen wollen Starfußballer werden, wie viele Menschen wollen ein berühmter Sänger oder eine Sängerin werden, wie viele streben Berufe an, die besonders viel Geld einzubringen scheinen? Muss man nicht heute Abitur haben, anschließend studieren, um dann einen guten Beruf mit möglichst viel Ansehen und Geld zu bekommen?

Bei dem Stichwort Macht und machthungrige Menschen fallen mir zur Zeit einige Politiker und Staatsoberhäupter ein, die ihre Macht missbrauchen oder soweit ausbauen wollen, dass man sie nicht mehr angreifen kann.

Menschen sind nicht perfekt

Der Mensch ist nicht perfekt, der Mensch ist fehlbar. Und doch konnte der Mensch Jesus Christus den Versuchungen des Teufels widerstehen. So hat uns Jesus vorgelebt, dass Besitz, Ruhm und Macht nicht die Dinge sind, die man im Leben braucht und dass diese schon gar nicht zu jedem Preis erlangt werden sollten. Jesu Vertrauen in Gott war größer als alle Versuchungen des Teufels. Sein Gottvertrauen ließ ihn widerstehen und macht uns Menschen frei. Gottes Wort ist für ihn das wahre Hunger stillende Wort.

Und so frage ich mich: Wie viel Gottvertrauen brauche ich, um auf Gottes Wort zu vertrauen?