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Pater Daniel Hörnemann aus der Abtei Gerleve: Aus der Dunkelheit zum Licht

Auslegung der Lesungen vom Ostersonntag (Lesejahr B)

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Frühmorgens, als es noch dunkel war: In diese Situation hinein verlegt das Evangelium vom Ostersonntag die Erfahrung des Auferstandenen. Pater Daniel Hörnemann aus der Abtei Gerleve, sieht in seiner Schriftauslegung auch die Dunkelheiten unserer Zeit und in uns selbst angesprochen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs saß ein U-Boot der Navy auf dem Grund des Hafens von New York City fest. Kein Strom, kaum noch Sauerstoff, das Ende schien nahe. In einem letzten Versuch, die Matrosen aus dem Stahlsarg zu retten, schickte die Marine ein Schiff an die Stelle direkt über dem havarierten U-Boot. Ein Taucher stieg in einem letzten Rettungsversuch in die gefährliche Tiefe.

Die eingeschlossenen Matrosen hörten die Metallstiefel des Tauchers auf der Außenfläche landen, sie bewegten sich dorthin, wo sie den Retter vermuteten. In der Dunkelheit tippten sie im Morsecode: „Gibt es noch Hoffnung?“ Der Taucher verstand die Botschaft und signalisierte durch Klopfen auf die Außenseite des U-Bootes ins Dunkel: „Ja, es gibt noch Hoffnung.“

Leben mit der Pandemie

Die Lesungen vom Ostersonntag (Lesejahr B) zum Hören finden Sie hier.

Ostern beginnt nicht mit hellstrahlendem Licht, sondern im Dunklen: „Als es noch dunkel war“, betont der Evangelist. Es scheint, als sei dies Dunkel immer noch da oder habe uns inzwischen wieder eingeholt. Wir leben anscheinend immer noch in einer Zeit, von der Johannes gleich zu Beginn seines Evangeliums schreibt: „Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Fins­ternis hat es nicht erfasst.“

Wir müssen leben mit der Dunkelheit in Pandemie und Lockdown, die Fremdwörter sind längst alltägliche Standardvokabeln geworden. Mit überaus dunklen Verschwörungstheorien, dunklen Machenschaften von Politikern und Regierungschefs. Mit sehr dunklen, schrecklichen Ideologien, die Kindern wie Erwachsenen beibringen, andere zu töten, ganze Kulturen zu zerstören und Grausamkeit als höchs­ten Wert anzusehen. Mit dunklem Profitstreben, das die Schöpfung gefährdet. Mit der Dunkelheit zerbrochener Beziehungen. Mit der Dunkelheit, dass immer noch Menschen auf der Flucht sein müssen vor Krieg und Terror. Das Dunkel hat viele Erscheinungsformen. Würde ihm ein Jesus, käme er heute zu uns, nicht erneut zum Opfer fallen?

Zweimal „Aber”

Dann kommt das göttliche „Aber“ (erste Lesung): „Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet. Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt.“

Das irdische „Aber“ wird gleich zu Beginn der Schöpfung von Himmel und Erde genannt: „Die Erde aber war wüst und wirr.“ Doch das sollte sich gewaltig ändern. Gott schuf das Licht und schied es von der Finsternis. Wir feiern an Ostern, dass die Dunkelheit weichen wird. Gerade in einer Welt des Todes und der Dunkelheit erweisen sich Leben und Licht als mächtiger, gibt es Auferstehung und Neuschöpfung. Lässt sich das glauben?

In der Dunkelheit zum Grab: Maria Magdalena

Der Autor
Pater Daniel Hörnemann
Pater Daniel Hörnemann OSB ist Mönch der Benediktinerabtei Gerleve bei Billerbeck und Theologischer Berater von "Kirche+Leben". | Foto: Markus Nolte

„Der Glaube ist etwas, was mein Herz, meine Seele braucht“, sagt Ludwig Wittgenstein. Kaum einer der großen modernen Philosophen hat Fragen nach Gott und Glauben so nachdrücklich gestellt wie er. „Verhalte dich zur Nachricht des Glaubens NICHT wie zu einer historischen Nachricht. Lass diese Nachricht eine ganz andere Stelle in deinem Leben einnehmen.“ Eine zentrale Annahme des umstrittenen Philosophien lautet: „Nur die Liebe kann die Auferstehung glauben.“

So war es wohl bei der Apostelin der Apostel. Maria von Magdala geht in der Dunkelheit zum Grab. In ihr selbst herrscht tiefe Finsternis. Der tragische Verlust, der grausame Tod ihres geliebten Freundes hat sie in tiefstes Dunkel gestürzt. Das Geschehen bleibt unfassbar und unerklärlich. Da sind zunächst begreiflicherweise nur noch Leere und Verzweiflung, Einsamkeit und Hilflosigkeit, Weinen und Klagen. Wie viele Menschen müssen das durchleben und durchleiden! Die Grufthöhle, in der sie seine sterblichen Überreste wähnt, bringt schmerzliche Klarheit: Es ist aus und vorbei. Die Geschichte mit Jesus hat hier ihr Ende gefunden. Sie muss sich damit abfinden und irgendwie darüber hinwegkommen.

Überwiegende Hilflosigkeit

In ihrer Trauer kreist sie um den Verlust und die Aussichtslosigkeit. Dreimal wiederholt sie hilflos: „Man hat ihn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin sie ihn verbracht haben.“ Die tödliche Leere hält sie zunächst so gefangen, dass sie nur die Spuren des Todes wahrnimmt, das finstere Grab und die Leichentücher. Selbst Engel mit ihrer Frage: „Frau, warum weinst du?“ reichen nicht aus, um ihr eine neue Perspektive zu geben.

Der Auferstandene erweitert die Frage:  „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Noch immer kann sie nicht erkennen. Erst das Nennen ihres Namens bringt die Erleuchtung, sie erlebt ihre eigene Auferweckung ins Leben zurück. „Nur die Liebe kann die Auferstehung glauben.“

Sämtliche Texte der Lesungen vom Ostersonntag (Lesejahr B) finden Sie hier.

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