BIBEL AM SONNTAG (5. Fastensonntag/C)

Anne-Merle Kohlschreiber: Fehler gehören zum Menschen

Anzeige

Fehler gehören zur menschlichen Existenz dazu. Darüber zu urteilen, erscheint einfach. Doch das ist nicht der Weg Jesu, der Orientierung geben will.

„Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“ Viele kennen dieses Sprichwort. Grob übersetzt heißt es: Wir sollten nicht auf den Fehlern anderer herumreiten, wenn wir dieselben gemacht haben. Zum Beispiel, wenn einer ständig zu spät kommt, aber man selbst Probleme hat, pünktlich zu sein, dann diesen genau dafür immer wieder zu kritisieren. Doch wie schnell vergessen wir das? Vielleicht auch, weil es uns selbst nervt, dass wir immer wieder zu spät kommen und gerne pünktlicher wären.

Wir machen nicht gerne Fehler, geben sie nicht gerne zu, aber sie sind nun mal menschlich. „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Das ist nicht nur ein Sprichwort. Es ist mehr.

Spannung zwischen Gesetz und Jesu Botschaft

Was ist im Evangelium eigentlich passiert? Es war an einem Tag, an dem die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau beim Ehebruch ertappt haben und nun eine Verurteilung verlangen. Zur Zeit Jesu war Ehebruch eine große Sünde, denn man brach nicht nur das Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“, sondern man brach damit auch den Bund mit Gott. Eine Sünde, für die laut dem Gesetz die Todesstrafe, meist durch Steinigung, üblich war.

Als die Schriftgelehrten die Frau zu Jesus brachten und ihn fragten, was sie jetzt tun sollten, stellten sie ihn damit auf die Probe. Es ging nicht mehr nur um die Tat der Frau, sondern sie wollten wissen, was Jesus dazu sagte. Sie wollten ihn überprüfen. Kurz sieht es aus, als hätten die Schriftgelehrten es geschafft, Jesus vor ein Dilemma zu stellen. Denn hier tut sich eine Spannung zwischen zwei Feldern auf: Gesetz und Jesu Botschaft. Falls Jesus sich zu seiner Botschaft bekennt, geht er in großen Widerspruch zum Gesetz. Bleibt er jedoch beim Gesetz, verrät er seine Botschaft.

Jesus geht einen Schritt weiter

Die Lesungen vom 5. Fastensonntag / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Doch es ist kein Dilemma. Es ist nicht unüberbrückbar, zumindest nicht für Jesus und für Gott. Jesus spricht: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Und niemand verurteilt die Frau. Keiner wirft einen Stein, auch Jesus nicht. Er sagt: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Jesus bleibt beim Gesetz, denn er verharmlost die Tat nicht. Jesus verurteilt die Frau nicht, aber er spricht sie eben auch nicht frei. Die Frau hat gesündigt und trotzdem bleibt er bei seiner Botschaft. Er geht damit noch einen Schritt weiter. Denn dadurch, dass auch kein anderer einen Stein geworfen hat, sagt er: „Niemand von uns Menschen ist ohne Sünde, ohne Fehler.“ Es wird dabei betont: Das Unrecht nimmt Jesus ernst, aber er steht wie Gott für Einsicht, Umkehr und Vergebung.

Menschen machen Fehler

Jesus überführt die Zeugen, ohne sie direkt anzusprechen, ohne auch sie zu verurteilen. Denn es wäre jetzt zu einfach, sie für ihr Handeln zu verurteilen. Er zeigt uns andere und neue Wege. Dass wir, wenn wir uns Mühe geben und Reue zeigen, neue Wege einschlagen können. Denn den Blick nach vorne zu richten und immer wieder auf Gott zu vertrauen, heißt, mit Mut und Zuversicht in die neue Zukunft zu blicken. Zudem heißt das, dass wir mitgestalten an unseren neuen Wegen, dass wir Verantwortung tragen. Wir müssen selbst aktiv werden und einsehen, dass wir etwas falsch gemacht haben, und dann die Chance ergreifen.

Menschen machen Fehler, auch gut Gemeintes kann umschlagen. Es ist ein Spagat zwischen ethischem Ideal und menschlichen Schwächen und Fehlern. Wie schnell sind wir dabei, Menschen, die Fehler machen, öffentlich an den Pranger zu stellen? Dass wir selbst schnell darüber urteilen, ohne darüber nachzudenken?

Tägliches Bemühen

Christsein in der Nachfolge bedeutet auch tägliches neues Bemühen. Für mich heißt es zu versuchen, mich immer wieder zu besinnen, dass ich nicht mit Steinen werfe – egal, ob ich in dem Glashaus sitze oder nicht. Dass ich eben nicht zu schnell urteile, weder über die Menschen, die Fehler machen, noch über die Menschen, die vorschnell urteilen, denn beides kann mir selbst passieren. Auch ich habe und mache Fehler.

Doch für meinen Umgang damit versuche ich mir vor Augen zu führen: Gehe mit dir selbst und mit deinen Mitmenschen so um, wie Gott es tun würde. Das ist kein einfacher Ansatz und keiner, den man immer voll leben kann, aber jeder Versuch ist es wert. Und mit jedem Versuch lebe ich die Liebe Gottes zu uns Menschen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 5. Fastensonntag / Lesejahr C finden Sie hier.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.