BIBEL AM SONNTAG (7. SO/C)

Josef Wichmann: Dieser Weg wird kein leichter sein

Anzeige

Wenn Jesus Liebe lehrt, ist es in einer Welt voller Hass und Gewalt schwer zu begreifen. Dennoch sollten wir es versuchen, sagt Josef Wichmann.

Jesus hatte mit den Jüngern und Jüngerinnen auf einem Berg gebetet und aus ihrem Kreis zwölf zu seinen Aposteln erwählt. Er steigt in die Ebene herab. Von vielen Menschen erwartet, wendet er sich ihnen zu.

Sein Programm steht im Hauptteil der Feldrede, dem lukanischen Gegenstück zur Bergpredigt bei Matthäus (5,1-12). Jesus lehrt darin die Liebe zu jeder und jedem. In seiner Rede spricht er von dem, was er selbst lebt. Jesus ist der vom Vater Gesandte, der zeigt, wie Barmherzigkeit im Leben aussieht: in der Feindesliebe, im Segnen, im Gutes-Tun, im Verzeihen der Schuld, indem man andere so behandelt, wie man selbst gern behandelt werden möchte; kurz: Er stellt das Liebesgebot in die Mitte.

Der Weg Jesu

Lukas nimmt Bezug auf eine Welt, die von dieser Lebenseinstellung Jesu damals weit entfernt ist: Hass, Verfolgung, Krieg, Brutalität und Grausamkeiten, Sklaverei, Bestechung und Korruption sind gang und gäbe. Von Menschenwürde keine Spur.

Das Evangelium wird immer noch in eine unheilvolle Welt hinein verkündet. Auch bei uns gibt es: Mobbing am Arbeitsplatz, Konkurrenzhaltungen, die am anderen kein gutes Haar lassen, Herumrühren in den Schwächen des/der anderen und ihn/sie dadurch bloßstellen, Gerüchte verbreiten, die Atmosphäre vergiften, Bestechung, Fake News, aggressive Sprache, Antisemitismus, etwa in sozialen Medien.

Der Weg, von dem Jesus spricht, ist der schwierigere Weg. Es ist der Weg, der nicht verstanden wird, der gegenüber dem Weg der Gewalt keine Aussicht hat, rasch zum Ziel zu kommen. Der Weg ist nicht leicht. Wer ihn dennoch geht, macht sichtbar, worum es Gott geht: um eine Änderung von Grund auf. Die Liebesforderung Jesu hat mit unseren üblichen Freundlichkeiten nichts zu tun. Er spricht von der maßlosen Liebe Gottes, die immer ein „Mehr“ ist.

Neues Leben aus dem Tod

Die Lesungen vom 7. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

An Jesus wird sichtbar, was die 2. Lesung das Bild des „himmlischen Menschen“ nennt. Paulus stellt dem „irdischen“ Menschen den „himmlischen“ Menschen gegenüber und betont dabei: Wir irdische Menschen werden einst endgültig nach dem Bild des himmlischen Menschen gestaltet. Der Urmensch Adam ist aus Erde geformt (Gen 2,7) und ist deshalb der Vergänglichkeit unterworfen. Die Menschheit, so wie sie ist, ist daher dem Adam zuzuordnen.

Der Idealmensch wurde – nach damaligem Bibelverständnis – als Abbild Gottes geschaffen (Gen 1,26) und scheiterte. Dieser Idealmensch ist für Paulus Jesus Christus, der durch seinen Tod, seine Auferstehung und sein Eingehen in die Herrlichkeit Gottes die irdische Vergänglichkeit überwunden hat. Von ihm geht nicht Tod, sondern Leben aus; er schafft sogar neues Leben aus dem Tod.

Auferstehung übersteigt unser Vorstellungsvermögen

Diese Neuwerdung des Menschen („Auferstehung“) ist ein Ereignis, das in der Person Christi greifbar ist. Die Taufe macht uns zum neuen Menschen. Wenn wir diesen Keim des neuen Lebens in uns erhalten, wird es bei der Wiederkunft Christi volle Wirklichkeit. Es fällt Paulus nicht leicht, Worte zu finden, mit denen er „Auferstehung“ beschreiben kann. Auferstehung ist eine Neuwerdung, die über unser Vorstellungsvermögen hinausgeht. Es durchzuckt mich immer wieder, wenn ich bei einem Begräbnis zum Erdwurf spreche: „Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück, aber der Herr wird dich auferwecken.“ An dieser Stelle wird deutlich: Wir sind irdische und zugleich himmlische Menschen.

In der 1. Lesung wird dies veranschaulicht: Ohne es zu ahnen, handelte David nach dem Wort und Beispiel Jesu und tötete den König Saul nicht. Für David war Saul nicht sein Feind, sondern sein König. Er ist der „Gesalbte des Herrn“.

David durchbricht die Gewaltspirale

David lässt sich nicht dazu verleiten, Saul zu töten. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern sein Leben. David tut Saul nichts an, obwohl er weiß, dass er im umgekehrten Fall von Saul keine Gnade zu erwarten hätte. David durchbricht hier die Spirale von Hass und Gewalt, indem er sich als der Großmütigere zeigt. Dadurch bringt er Saul zu Einsicht und Reue.

Wer aus dem Denkmuster „wie du mir, so ich dir“ ausbrechen kann, dem gelingt ein Schritt in die richtige Richtung. Er handelt am Mitmenschen so wie Gott an uns allen. Er fordert nicht ein „Mehr“, wo keines möglich ist, sondern akzeptiert, was der andere kann. Er verurteilt nicht, sondern vergibt. Er liebt ohne Vorbedingungen. Wer das kann, ist unbewusst ein himmlischer Mensch.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 7. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

Anzeige

Komplet - der Abend-Newsletter von Kirche+Leben

JETZT KOSTENLOS ANMELDEN



Mit Ihrer Anmeldung nehmen Sie die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis.