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Ist es einfacher, den Glauben zu verstehen, wenn man in die Geschichten eintaucht? Es kommt drauf an, sagt Schwester Katharina Kluitmann.
Brauchen wir diesmal echt eine Schriftauslegung? Ist doch alles klar!? Es geht halt um den Papst: Petrus, Fels, Kirche drauf bauen, Schlüssel des Himmels, binden und lösen. Alles klar! Die Jesaja-Lesung hat ähnliche Bilder. Von Leuten, die uns nicht oft begegnen: dem Jerusalemer Palastvorsteher Schebna und Eljakim, der dessen Posten bekommen wird. Volle Schlüsselgewalt, Vater für die Einwohner Jerusalems, ein fester Pflock. So weit, so – verkürzt.
Beginnen wir vorn: Schebna, der ein wichtiges Amt in Jerusalem schlecht ausführt, erfährt vom Propheten Jesaja, dass ein anderer sein Amt bekommt. Eljakim, der es besser verwaltet. Zum Wohl für die Menschen. Dass auch das später schiefging, erzählt unsere Lesung leider nicht mehr.
Bitte mit Instabilität
Die Lesungen vom 21. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Das Bild vom Schlüssel kennen wir, immer wieder gern gebraucht bei Amtsübergaben. Bild für Macht. Und der Pflock, Bild für Festigkeit. Macht und Stabilität sind Grundkonstanten menschlichen Zusammenlebens. Im Ersten und im Zweiten Testament, bis heute. Mit der Möglichkeit – und Realität! – des Versagens. Das gilt für Schebna, Eljakim, Petrus und all uns andere. Gemeinschaft braucht Macht. Aber bitte mit der Instabilität, dass niemand solche Ämter ewig innehat, weder die „Guten“ noch die „Schlechten“. Weil Leben, auch das der Mächtigen, endlich ist. „Gott sei Dank!“, mag man denken. Auch Ämter verändern sich. Wer nur ein bisschen historisch denkt, sieht überdeutlich: Zwischen Petrus, den Renaissancepäpsten und Papst Leo XIV. liegen Welten. So weit, so klar. Aber mir ist das zu wenig. Zu weit weg. Schließlich bin ich nicht der Papst.
Mein zweiter Anlauf geht daher vom ersten Teil des Evangeliums aus, von der Frage Jesu, für wen die Leute und die Jünger ihn halten. Gern steige ich in biblische Texte so ein, als wäre ich selbst dabei. Mit Geschichten geht das gut. Bei Reden und Briefen ist es mühsamer. Heute kann das Einsteigen klappen. Immerhin ist da ein Rahmen, den ich mir vorstellen kann, auch wenn mehr geredet als gehandelt wird.
Aber ich bin drin: Ich sehe mich in den Jüngern, die erst berichten, was andere über Jesus sagen. Da hätte ich viel beizutragen. Aus meiner pluralistischen Welt. Die eine sagt so, der andere anders, unzählige Perspektiven. Jesus aber fordert heraus zu einer eigenen Antwort. Bin ich wie Petrus, der den Mund aufmacht? Oder eher wie die Jünger, die – genauso gefragt – nicht antworten? Zumindest wird es nicht erzählt. Aber ich kann mir ihre innere Auseinandersetzung vorstellen: „Ja, wer ist dieser Jesus? Soll ich sagen, was ich denke? Was, wenn es falsch ist?“ Eine mögliche Identifikation.