BIBEL AM SONNTAG (29. SONNTAG/C)

Schwester Hiltrud Vacker: Beten, auch wenn Gott fern scheint?

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Manchmal scheint es so, als ob Gott uns nicht zuhört. Warum wir trotzdem an seine Treue glauben dürfen, erklärt Schwester Hiltrud Vacker.

Gott ist immer da! Er ist stets mit uns. Es liegt an uns, dies in unserem Leben zu glauben und zu erfahren. Die Botschaft des heutigen Evangeliums ist: Beharrlich bleiben, Ausdauer haben und nicht gleich aufgeben. Jesus macht dies am Gleichnis mit der armen Witwe deutlich, die immer wieder zum Richter geht, um ihr Recht einzufordern. Witwen hatten in der damaligen Gesellschaft einen schweren Stand. Sie mussten sehen, wie sie ihren Lebensunterhalt verdienen, so musste die Witwe um ihr Recht kämpfen. Der Richter ist weder gottesfürchtig noch rücksichtsvoll, dennoch verschafft er der Witwe Recht, allerdings nur, um seine Ruhe zu haben.

Jesus sagt, dass Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, ebenfalls ihr Recht verschaffen wird. Vergleicht Jesus Gott also mit dem ungerechten Richter? Nein, das ist nicht die Botschaft. Jesus möchte den Jüngern und auch uns heute sagen: Bleibt beharrlich, seid treu und unermüdlich im Gebet. Gott ist treu – du kannst dich auf ihn verlassen. Wenn schon der ungerechte Richter seine Hilfe in der Not nicht verweigert, wie viel mehr wird Gott für dich da sein, wenn du ihn brauchst. 

Gott ist treu

Die Lesungen vom 29. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Manchmal haben wir das Gefühl, dass Gott in unserer Not nicht da ist, unsere Gebete nicht erhört oder wir die erwartete Antwort nicht bekommen; dass Gott sehr weit weg ist. Jesus gibt uns eine andere Antwort: Zweifelt nicht an Gottes Treue! Gott ist treu – auf ihn könnt ihr euch hundertprozentig verlassen. In der Lesung aus dem Buch Exodus hören wir vom Kampf zwischen Amalek und Israel. Mose unterstützt diesen Kampf mit seinem Gebet auf dem Berg. Solange Mose die Hände zum Gebet hebt, ist Israel stärker. Als ihm nach langem Beten die Kraft in den Armen ausgeht, holen Aaron und Hur einen großen Stein, auf den er sich setzen kann, und stützen zudem seine Arme. Durch das inständige Gebet des Moses erlangt Israel den Sieg. 

Hier begegnet mir ein Gottesbild, dem ich so nicht gut folgen kann. Für mich ist in dieser Erzählung aber entscheidend, dass das Volk unerschütterlich vertraut, dass Gott mit ihm ist. Ein Beispiel für die Kraft des Gebetes.

Erinnerung an die Wurzeln

Wir sollen treu sein, allezeit beten und nicht darin nachlassen. Wie ist das möglich? Was bedeutet das für mein Leben? Hierzu lesen wir in der zweiten Lesung aus dem Zweiten Brief an Timotheus: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast“ (2 Tim 3,14).

Diese Ermahnung des Apostels an seinen Schüler Timotheus erinnert mich an meine Wurzeln: an die Menschen, die mich das Beten gelehrt haben und die mir mit ihrem Leben ein Vorbild waren. Es ist mein Glaubensweg und meine Entscheidung, Ja zu einem Leben mit Gott zu sagen. Dieses Leben hat Höhen und Tiefen, ich glaube und weiß jedoch, dass Gott treu ist. 

Mutter Teresa als Vorbild

Manchmal erfahre ich das nicht und es ist dunkel in meinem Leben. Ich fühle mich in solchen Situationen allein und verlassen. Doch ich glaube daran, dass Gott alle Wege mit mir geht. Es sind Menschen mit mir auf dem Weg, die bei mir sind und mich ermutigen. So war ich sehr berührt, als ich im geistlichen Tagebuch von Mutter Teresa von Kalkutta las, dass sie durch geistliche Höhen und Tiefen gegangen ist, dass Gott in ihren Gebeten fern war und sie seine Liebe oft nicht spürte. Dennoch betonte sie die Bedeutung des Gebets als Quelle ihrer Kraft und ihres Dienstes an den Armen und Kranken. 

Eine weitere Ermutigung ist unsere Glaubensgemeinschaft. Als Christ lebe ich nicht allein, sondern in einer Kirche, in einer Pfarrgemeinde – und persönlich in einer Ordensgemeinschaft. Wir alle beten und vertrauen darauf, dass, wenn ich nicht beten kann, andere Menschen es tun, und zwar in einem Gebet, das uns alle einschließt. Ordensleute, Priester und viele andere Menschen beten das Stundengebet über den Tag verteilt: am Morgen, zur Mittagszeit und am Abend. Aufgrund der unterschiedlichen Zeitzonen wird auf dieser Welt immer gebetet. 

Eine bildliche Vorstellung einer meiner Mitschwestern hat mich sehr berührt. Sie sagte, die Gebete in unserer internationalen Gemeinschaft seien wie leuchtende Punkte, die ein liebendes Netz über die Welt spannen. Bleiben wir in Treue mit Gott in Verbindung. Er lädt uns ein, es ist die Einladung, im Gebet nicht aufzugeben und so miteinander ein Netz der Liebe über unsere Welt zu spannen.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 29. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

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