BIBEL AM SONNTAG (18. SONNTAG/A)

Irmgard Alkemeier: Wirklich alle wurden satt

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Nach einem Todesfall zweifelt Jesus. Warum er zuversichtlich bleibt, erklärt Irmgard Alkemeier und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Ein irritierender Beginn! Wer verbindet mit dem Brotwunder die Enthauptung von Johannes dem Täufer? Der erste Vers dieser Perikope stellt die bedrohliche Ouvertüre für das folgende Geschehen dar. Herodes Antipas hatte Johannes enthaupten lassen. Was hier knapp erzählt wird, bedeutet ein emotionales Erdbeben: Das Volk sah in Johannes einen Propheten, viele folgten ihm, Jesus stand ihm nahe, war von seiner Botschaft geprägt. Die Menschen waren zutiefst verunsichert.

Jesus ist tief erschüttert

Die Lesungen vom 18. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Jesu Reaktion: Er fährt auf den See Gennesaret hinaus. Er hat symbolisch keinen ‚festen Boden‘ unter den Füßen. Wie sympathisch! Jesus steht nicht über den Ereignissen. Er ist Mensch und selbst tief erschüttert. Er sucht erst die Stille, das Gebet, die Gottesnähe. Innerlich ‚neu orientiert‘ und wieder mit festem Boden unter den Füßen begegnet er dem Volk, das Stärkung und Trost von ihm erhofft.

Jesus erweist sich im wahrsten Sinn als ein Sym-pathischer, ein Mit-leidender: Zuerst heilt er die Kranken. Diese Wunderheilungen sind kein Spektakel, sondern Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes, Zeichen der Nähe Gottes, die in Jesus lebendig ist. Hier wird deutlich, wer im Weiteren handelt und spricht.

Hinweis auf das letzte Abendmahl

„Als es Abend wurde.“ Diese Zeitangabe, in Verbindung mit dem Wunsch nach Nahrung, verweist auf das letzte Abendmahl Jesu: „Als es aber Abend geworden war, setzte er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch“ (Mt 26,20).

Es erstaunt nicht, dass im weiteren Handeln Jesu die Parallele zum Abendmahl unmittelbar deutlich ist: „Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern.“

Eine Ermutigung für die Menschen

Die Jünger, die vorher aufgefordert worden waren „Gebt ihr ihnen zu essen“ (Vers 13), verteilen die Nahrung. Die Menschen erhalten nicht nur „etwas“ zu essen, sondern sie werden wirklich satt – alle (!) zwölf (!) Körbe Brot bleiben übrig. Durch das gebrochene und solidarisch geteilte Brot werden die anfangs verzweifelten Menschen gestärkt an Leib und Seele. Was für eine „Wandlung“! Eine gelebte und erfahrene „Communio“! Diese Wundererzählung ist für die frühen Christen von herausragender Bedeutung. Es ist das einzige Wunder, das von allen vier Evangelisten überliefert wird.

Die Jesusanhänger erkennen ihre Lebenssituation im Spiegel von Vers 13: Verunsicherung und Angst vor Verfolgung prägen ihre Erfahrungen. Paulus beschreibt die Situation mit drastischen Worten: „Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert“ (Röm 8,35). Jesus ist hingerichtet, seine Wiederkehr ist (bisher) nicht erfolgt. Die Menschen schwanken zwischen Zweifel und Hoffnung. Für sie soll der Text eine Ermutigung sein, er ist wirklich ‚not-wendig‘.

Aus dem Judentum erwachsen, hören sie die Bezüge zum Ersten Testament. So soll sich das Volk ins Gras setzen (Vers 19). Hier klingt Psalm 23 an: „Gott ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen (…) Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.“ Auch war ihnen die Erzählung bekannt vom Speisungswunder des Propheten Elischa (2 Kön 4,42-44), der durch 20 Gerstenbrote 100 Menschen sättigte. Bei Jesus werden mehrere Tausend satt – eine deutliche Überbietung! Beiden Textstellen gemeinsam ist die Skepsis der Jünger, ihre Fokussierung auf den Mangel, ihr Zweifel daran, dass alle satt werden können. Elischa und Jesus dagegen sind erfüllt von einer inneren Zuversicht und von der Hoffnung auf Fülle.

Jesus gibt Verantwortung ab

Jesus fordert von seinen Jüngern: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Er legt die Verantwortung in ihre Hände. Die Jünger stehen bei Matthäus exemplarisch für die frühchristlichen Gemeinden. Die Jesusanhänger haben einen Auftrag. Sie sollen sich durch die gemeinsame Feier der Eucharistie im Glauben stärken und in der anschließenden Agapefeier solidarisch das teilen, was sie haben, damit alle an Leib und Seele satt werden. Durch die gelebte und erfahrene „Communio“, soll Wandlung erfolgen, aus Zweifel und Angst können Hoffnung und Zuversicht erwachsen.

Und heute? Was gewinnt die Oberhand angesichts von Verunsicherungen und Katastrophen? „Zweifel und Zuversicht“ nennt Bodo Wartke sein beeindruckendes Lied, in dem beide inneren Stimmen miteinander ringen. Sie finden es bei Youtube. Wie entscheiden Sie: Mangel oder Fülle, Zweifel oder Zuversicht? Eine lebenslange Frage.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 18. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A finden Sie hier.

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