BIBEL AM SONNTAG (DREIFALTIGKEITSSONNTAG)

Weihbischof Christoph Hegge: Lebt eine Kultur der Liebe!

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Wie kann ein „dreifaltiger Lebensstil“ im Sinne Gottes gelingen? Dieser Frage nähert sich Weihbischof Christoph Hegge in seiner Auslegung.

„Der Gott der Liebe und des Friedens“ (2 Kor 13,11) offenbart sich allen Menschen in der Lebenshingabe Jesu am Kreuz, in seiner Auferstehung und Geistsendung. Die Liebe, die Jesus Christus als Mensch durch Zeichen und Wunder, die Versöhnung der Sünder und das Geschenk seines Lebens beim Letzten Abendmahl und in seinem Kreuzestod geschenkt hat, zeugt von der dreifaltigen Liebe Gottes.

Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ist Liebe und liebt diese Welt und die Menschen so sehr, dass er machtlos als Mensch unter Menschen die Liebe als die einzige Lebenshaltung offenbart, die auf ewig bleibt und ewiges Leben ist, während alle anderen Vorstellungen von irdischer Macht, Ehre und Reichtum vergehen werden.

Jesu wahre Herkunft

Die Lesungen vom Dreifaltigkeitssonntag / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Denn darin besteht das Geheimnis der Person Jesu: Seine wahre Herkunft liegt jenseits der Menschenwelt, in ihm offenbart sich etwas vom tiefsten Wesen Gottes: Eine geradezu „familiäre“ Gemeinschaft unvorstellbarer Intensität: Der Vater verschenkt sich ganz an den Sohn; der Sohn empfängt sich ganz vom Vater her: „Ich bin im Vater, und der Vater ist in mir“ (Joh 14,10-11), sagt Jesus. Zwischen ihnen flutet eine Liebe, die selbst Person ist: der Heilige Geist, „das ‚Wir‘ in Person“. Nicht aus sich selbst, sondern ganz vom anderen her zu leben: das ist das innere Lebensgeheimnis Gottes.

Denn die drei göttlichen Personen sind ganz eins, weil sie sich unentwegt aneinander verschenken und einander verdanken. Ewig kreist das Leben, die Liebe zwischen ihnen. Jede Person gewinnt ihr Selbstsein aus der Beziehung zu den anderen.

Die unendliche Liebe Gottes

Der Evangelist Johannes erblickt das Ziel der Sendung Jesu vom Vater darin, dass „die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,17). Rettung aber geht nur, wenn die Menschen bereit sind, sich auf das Leben und die Liebe Jesu Christi einzulassen, wenn sie beginnen, an Christus und seine Liebe zu glauben.

Im Angesicht der unendlichen Liebe Gottes eine Entscheidung für das Leben treffen, das ist der Beginn unserer Rettung, das ist die Lebenshaltung als Christ, die wir tagtäglich erneuern müssen. Darum ermahnt Paulus in der Lesung die Gemeinde in Korinth: „Seid eines Sinnes und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.“ (2 Kor 13,11)

Gegen den Trend der Zeit

Es ist der Geist Gottes, der diese Liebesbeziehung des dreifaltigen Gottes durch Taufe und Firmung in unsere Herzen eingestiftet hat. Denn: „Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Hl. Geist, der uns gegeben ist“ (Röm 5,5). Als erlöste, neue Menschen in Christus sind wir eingeladen, eine Gemeinschaft zu bilden, in der die „Kultur seiner Liebe“ prägend ist und kirchliches und gesellschaftliches Zusammenleben mitgestaltet. Gemeint ist die „neue Gemeinschaft“ gegenseitiger Liebe und Hingabe nach dem Urbild des dreifaltigen Gottes.

Allerdings bedeutet das ein Leben gegen den Trend der Zeit: Sich selbst vergessen, sich verschenken, füreinander leben – das steht nicht hoch im Kurs. Viele haben Angst, sich selber dabei zu verlieren: „Wo bleibe dann ich? Was habe ich dann noch vom Leben?“ Immer besteht die Versuchung, um sich selber zu kreisen und dabei in sich gefangen zu bleiben. Aus diesem Kreislauf müssen wir ausbrechen, wenn wir das dreifaltige Leben der Liebesbeziehung Gottes finden und bezeugen wollen.

Dreifaltiger Lebensstil

Es fordert unsere Entscheidung heraus: gegen bloßen Individualismus und Hedonismus, für ein Leben in echten, ernsthaften Beziehungen. Beziehungen aus der Liebe Gottes heraus, Beziehungen untereinander, die nicht in bloßer Sympathie ihr Ziel haben, sondern auf die Gegenwart Gottes in und unter uns verweisen. Dann verwirklicht sich unter uns Gottes dreifaltiges Leben, wie Jesus selbst es seinen Jüngern und uns verheißen hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich – die dreifaltige Liebe Gottes – mitten unter ihnen“ (Mt 18,20).

Ein solcher „dreifaltiger Lebensstil“ erfordert allerdings auch von uns allen, dass wir christliche Beziehungs- und Netzwerke bilden mit jenen, die wirklich gemeinsam beten wollen, sich im Austausch das Leben aus dem Geist Jesu Christi deuten, den Glauben miteinander vertiefen und neue Wege der Verkündigung der Botschaft Jesu suchen und finden. Aber wo ereignet sich das in unserem täglichen Leben jenseits eingeübter Routinen?

Sämtliche Texte der Lesungen vom Dreifaltigkeitssonntag / Lesejahr A finden Sie hier.

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