BIBEL AM SONNTAG (13. SONNTAG/A)

Florian Bundesmann: Elternliebe gegen Gottesliebe?

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Jesus Christus will von den Aposteln keine halben Sachen. Was das bedeuten kann, erklärt Florian Bundesmann in der Auslegung.

Meine Tochter ist zwei Jahre alt. Wenn sie morgens aus dem Bett klettert, kommt sie meist zu mir und hat direkt etwas zu erzählen. Kürzlich begann der Tag mit einem neuen Satz: „Papa, ich liebe dich!“ Kann ein Tag schöner beginnen? Ein Satz des Sonntags-Evangeliums hingegen lässt mich zusammenzucken: „Wer Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Die Fortsetzung gefällt mir auch nicht viel besser: „Wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.“ Uff. So unterschiedlich können Anfänge sein.

Seit ich selbst zum ersten Mal Vater geworden bin, habe ich zu derartigen Texten eine zwiegespaltene Beziehung. Was forderst du da von mir, Jesus? Ich bin Vater meiner Kinder. Wie soll eine Liebe stärker sein als die zwischen Kindern und Eltern? Schließlich ist das Vater-Sein das Größte, das ich bisher erlebt habe.

Eine gottgewollte Aufgabe

Die Lesungen vom 13. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Da gibt es kleine Menschen, die auf mich und meine Frau angewiesen sind. Ohne uns Erwachsene, die die Kinder mit allem Lebensnotwendigen versorgen, stünde es schlecht um diese schutzbedürftigen Geschöpfe. Zu einem gelingenden Leben gehört weit mehr als Nahrung und frische Windeln. Ziemlich viel Liebe dürfen wir verteilen, damit die Kinder zu gesunden und starken Persönlichkeiten werden können. Das ist mit Sicherheit eine gottgewollte Aufgabe von Eltern.

Natürlich ist mir bewusst, dass es auch Eltern-Kind-Beziehungen gibt, die schwierig sind. Manchmal ist es sogar besser, wenn diese Beziehungen gekappt werden. Ich habe auch schon Menschen dazu gratuliert, dass sie sich aus toxischen Eltern-Kind-Beziehungen befreit haben. Da kann Distanz die bessere Form von Liebe sein. Trotzdem höre ich den Text mit den Ohren eines jungen Familienvaters.

Klare Worte an die Apostel

Das, was Jesus hier zu den Aposteln sagt, wirkt auf mich radikal, fast schon fundamentalistisch. Ich möchte protestieren. Meine Liebe zu meinen Kindern lässt sich doch nicht eins zu eins meiner Liebe zu Christus gegenüberstellen!

Ein Blick in das Umfeld des Textes zeigt, dass sich die Worte Jesu nicht direkt an mich richten, sondern an die soeben auserwählten Apostel. Frisch mit Vollmachten ausgestattet, bekommen sie eindringliche Anweisungen durch Jesus. Es geht um nichts Geringeres, als unreine Geister auszutreiben, Krankheiten zu heilen und zu verkünden, dass das Himmelreich nahe ist. Da braucht es klare Worte, die die Apostel von der Brisanz ihrer Aufgabe überzeugen.

Der Lohn eines Propheten

In der Bewegung des Jesus von Nazareth machen wir keine halben Sachen. Es scheint hier um das Große und Ganze zu gehen. Ich akzeptiere, dass Jesus zu plakativen Worten greift. Ich möchte mich von diesen Worten ansprechen lassen, die zur Liebe zu Gott aufrufen. Aber wie geht das mit der Liebe zu Gott eigentlich? Jesus nennt im Evangelium einige Beispiele. Spitzensätze der Bibel sind darunter. Einer davon ist: „Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten.“ Das ist die Brücke zur Lesung aus dem Zweiten Buch der Könige.

Dort nimmt eine vornehme Frau regelmäßig den Propheten Elischa bei sich im Ort Schunem auf und beherbergt ihn gastfreundlich. Sie hat einen alten Mann und keinen Sohn. Elischa zeigt sich dankbar und versichert der Frau, dass sich dies ändern wird. Was ihr versprochen wird, grenzt schon fast an Ironie: Ihr Lohn für die Liebe zu Gott, den Respekt zu seinem Propheten, besteht in einem Sohn! „Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen“, kündigt Elischa an. Mit einem Blumenstrauß oder etwas Schokolade hat dieses Dankeschön-Präsent nichts zu tun. Elischa greift zu etwas, das das Leben komplett umkrempelt.

Es geht um das Ganze

Das Leben umkrempeln? Das kann, wenn es nach dem Apostel Paulus geht, auch die Taufe. Laut Paulus hängt die Taufe eng mit dem Tod zusammen. Die auf Christus Getauften werden auf seinen Tod getauft. Auch da geht es ums Ganze. Das sind keine halben Sachen, zugleich ist die Taufe an die Auferstehung Jesu gebunden. Paulus spricht hier von einem neuen Leben. 

Was das neue Leben dann so bereithält, darauf gibt es sehr unterschiedliche Antworten: Der Sohn der gastfreundlichen Dame aus Schunem, die vielen getauften Christ:innen und auch die ausgesandten Apostel, sie alle erleben Unterschiedliches auf ihren Wegen mit Gott. Für alle galt und gilt bis heute der eine, kraftspendende Satz, den Gott zu allen sagt: „Kind, ich liebe dich!“

Sämtliche Texte der Lesungen vom 13. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A finden Sie hier.

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