BIBEL AM SONNTAG (3.ADVENT/A)

Michael Hürter: In der Spur der Sehnsucht Gottes

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Habt Vertrauen in aller Not. Diese Hoffnung auf Gottes Wirken hat Michael Hürter und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“, so ist dieser Sonntag mit seinem Eingangsvers überschrieben. Die biblischen Lesungen laden genau zu dieser Freude ein. Sie sind ein bewusster Kontrapunkt zu den Nachrichten, die wir tagein, tagaus ertragen müssen. Freut euch, denn Gott kommt. Die Vorfreude, die wahrscheinlich mit etwas Ungeduld gepaart ist, lässt sich schon in den Lesungen spüren.

Der Prophet Jesaja spricht von einer blühenden Wüste. Es ist ein mutmachendes Wortbild, das den Verzagten Zuspruch und Ermutigung sein soll. Er kündet die Rückkehr der Erlösten zum Zion an, obwohl zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes das Volk Israel noch in der Trostlosigkeit der Fremde, im babylonischen Exil, war. Die hoffnungsvollen Worte sind dem Propheten als zukünftiges Geschehen in den Mund gelegt. Was einst sein wird, wird jetzt schon mit Kraft verkündet.

„Gott wird wenden Not und Leid“

Die Lesungen vom 3. Adventssonntag / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Wie kann das sein? Wie kann ich wider alle Wirklichkeit, die mich umgibt, so stark und trotzend hoffen? Die Antwort gibt der Prophet im Kommen Gottes selbst: „Seht, hier ist euer Gott … er selbst wird kommen und euch retten“ (35,4).

Das Gottesloblied Nummer 221 fasst mit Worten von Friedrich Dörr diese tiefe Überzeugung zusammen. Es ist mein Lieblingslied der Adventszeit: „Kündet allen in der Not, fasset Mut und habt Vertrauen“, denn „Gott wird wenden Not und Leid“. Dass menschliche Geduld gewaltig auf die Probe gestellt werden kann, weiß auch der Verfasser des Jakobusbriefes. Mit Bildern aus der Landwirtschaft versucht er, für eine geduldige Einstellung zu werben. Er weitet den Blick bewusst auf positive Bilder und Haltungen und ermahnt, sich nicht der negativen Kritik hinzugeben.

Glaube an die Revolution Gottes

Eine Persönlichkeit des Neuen Testamentes, die sowohl den Ausdruck eines hoffnungsvollen Propheten widerspiegelt als auch geduldig den Menschen Rede und Antwort steht, ist Johannes der Täufer. Er gehört zu den großen, aber auch zu den tragischen Gestalten der Bibel. Er, der mutige Rufer in der Wüste, sitzt jetzt hilflos im Gefängnis und wartet auf Befreiung. Diese erfährt er nicht so, wie er es erwartet. Daher rütteln seine zweifelnden Fragen existenziell an der Überzeugung der Glaubenden: „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten“?

Johannes glaubt an die große Revolution Gottes, an eine totale Veränderung der Welt. Da ist er auf der Linie mancher alttestamentlichen Gerichtspropheten. Gott lässt nicht mit sich spaßen – so könnte seine Botschaft lauten. Damit verbindet er die Einladung zur Umkehr und zur persönlichen Änderung, die gute Frucht hervorbringt. Johannes provoziert, löst die Provokation aber auf, in dem er wie ein Pädagoge den Weg der persönlichen Veränderung anbietet. 

Lasst euch auf mich ein!

Der Weggang der Johannesjünger ist für Jesus der Anlass, sich direkt über die Wichtigkeit des Täufers zu äußern. In der breiten Öffentlichkeit soll die heilsgeschichtliche Bedeutung von Johannes als Prophet klargestellt werden. Damit sind manche Fragen und Unsicherheiten der Zuhörer genommen. Johannes wird klar als der Wegbereiter par excellence definiert. Hiermit schenkt Jesus den Menschen einen neuen Blick für ihre Situation. Sowohl Johannes im Gefängnis, seinen Jüngern als auch seinen eigenen Anhängern vermittelt er: Lasst euch auf mich ein! Überzeugt euch selbst und bringt euch aktiv ein.

Hier geht es nicht nur darum, eine Botschaft zu hören und sie vielleicht fromm anzunehmen, sondern es geht darum, in die Fußstapfen des Wegbereiters zu treten. Gott beugt sich selbst zu den Menschen am Rande, zu denen, die sich nach Heil und Heilung sehnen. Gott kümmert sich und mischt sich ein. Da, wo Menschen durch ihre Ängste eingeengt sind, versucht er ihre Blicke zu weiten und sie mobil zu machen. Sie hören anders und brechen aus den todbringenden Fesseln eines bisherigen Lebens aus.

Wir dürfen auch anecken

Gott übernimmt hier nicht radikal die Schalthebel der Macht, sondern er geht behutsam und geduldig auf die Ränder der Menschheit zu, um positive Veränderungen zu bewirken. Er erwartet und traut uns zu, Wegbereiterinnen und Wegbereiter für seine Hoffnung bringende Botschaft zu sein. Damit ist deutlich gemeint: „Den Armen das Evangelium verkünden“. Solange wir dies tun, bleiben wir in der Spur der Sehnsucht Gottes. Dass wir damit auch anecken dürfen, steht nicht nur in der Schrift, sondern ist bereits im Leben des Täufers vorgezeichnet.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 3. Adventssonntag / Lesejahr A finden Sie hier.

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