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Es geht immer noch besser, aber muss das auch sein? Das fragt Jonas Mieves und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Leben Sie Ihr „bestes Leben“? – Das „beste Leben“, das ist so ein Begriff, der einem derzeit des Öfteren begegnet. Gern auch als Aufforderung und gern auf Englisch: „Live your best life!“ Damit ist gemeint, dass man die beste Version seiner selbst werden soll, es irgendwie so richtig weit bringen muss: im Beruf, mit dem eigenen Körper, mit seiner Beziehung, mit seinen Finanzen, wie auch immer. Werde gesünder, werde schlagfertiger, werde der Mittelpunkt jeder Party, werde anziehender für andere, werde besser im Studium oder disziplinierter auf der Arbeit.
Beim Scrollen durch die sozialen Medien begegnet man allerlei schönen, erfolgreichen Menschen. Eben Menschen, die ihr „bestes Leben“ leben. Das „beste Leben“, das andere leben und mit dem ich Tag für Tag auf Instagram und dergleichen konfrontiert bin, erzeugt Fragen: Könnte mein Leben nicht auch so sein? Sollte ich mein Leben nicht besser nutzen, müsste ich nicht härter versuchen, jede Sekunde optimal zu füllen?
Sehnsucht nach Glück
Die Lesungen vom 3. Sonntag der Fastenzeit / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Die Sehnsucht nach einem wahrhaft geglückten Leben ist alt. Die samaritanische Frau, der wir im Evangelium begegnen, mag einen an die Suche nach dem „besten Leben“ erinnern. Zumindest könnte man ihr Leben so lesen wie ein permanentes Streben danach. Fünf Männer hatte sie. Vielleicht stehen die für eine verzweifelte Suche nach der perfekten Beziehung? Viel ausprobiert, aber nie „das Glück“ gefunden?
Ob der sechste Partner nun wohl der Richtige ist? Außerdem trottet die Samariterin Tag für Tag zu einem Brunnen, um Wasser zu schöpfen. Der Durst nach Wasser als Bild für die Sehnsucht nach erfülltem Leben findet sich auch in der Exodus-Lesung.
Auf der Suche nach Leben
Das gibt es noch immer: Menschen, die irgendwie auf der Suche nach einem guten Leben sind, denen dabei aber Vertrauen und Kreativität abhandengekommen sind. Statt sich auf das Leben in all seiner Vielfalt einzulassen und sich überraschen zu lassen, haben sie sich eine Routine von Tätigkeiten und Aktivitäten geschaffen, die sie am Ende doch nie ganz erfüllt. Den täglichen Gang zum Brunnen kann man als Ausdruck eines resignierten Lebens deuten, in ständiger Wiederholung des Gleichen.
Immerhin: Die Suche der Frau nach einem erfüllten Leben bleibt nicht mehr rein äußerlich – wie bei den ständig wechselnden Liebesbeziehungen –, sondern ihre Suche geht ein wenig mehr in die Tiefe, denn sie schöpft aus einem Brunnen. Die Samariterin ahnt bereits, dass es etwas geben muss, das ihr Leben zu einem wirklich guten Leben macht und das zugleich mehr als reine Äußerlichkeit ist.