Anzeige
Der Advent ist gekommen. Eine verheißungsvolle Zeit, trotz aller Krisen, sagt Pater Daniel Hörnemann (OSB) und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Ausgerechnet der Vorläufer des kriegstreibenden Russland, die UdSSR, die „Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken“, stiftete nach dem Zweiten Weltkrieg eine Plastik mit dem Titel „Schwerter zu Pflugscharen“. Sie wurde vor dem UNO-Hauptgebäude in New York aufgestellt.
Die bronzene Skulptur aus dem Jahr 1959 „Let us beat our swords into plowshares“ von Jewgeni Wutschetitsch zeigt einen Mann, der mit Hammer und Meißel ein Schwert zu einer Pflugschar umschmiedet. Das Werk bezieht sich auf einen biblischen Vers des Propheten Micha und symbolisiert die Hoffnung auf Frieden.
Verzicht auf Aufrüstung als Wunschtraum
Die Lesungen vom 1. Adventssonntag / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Der Satz vom Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen wurde im Jahrzehnt vor der Wende 1989 zum Schlüsselsatz der DDR-Friedensbewegung. Wer aber diesen Satz sichtbar trug, verlor Schul- oder Arbeitsplatz. Dabei hatte doch der russische „große Bruder“ 30 Jahre zuvor genau diesem Wort ein Denkmal gesetzt.
Der Verzicht auf Aufrüstung ist jedoch bis heute ein Wunschtraum geblieben, mehr denn je. Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärte 1956: „Einziges Ziel der deutschen Wiederbewaffnung ist es, zur Erhaltung des Friedens beizutragen. Wir werden dieses Ziel erreicht haben, wenn die gemeinsame potenzielle Abwehrkraft der Verbündeten zu jedem Zeitpunkt ein zu großes Risiko für jeden möglichen Angreifer bedeutet.“
Zur Lage heute
Gut 70 Jahre später sieht die Lage so aus: Der russische Präsident Putin bedroht europäische Nato-Verbündete mit Krieg. China erhebt seinen Weltmachtanspruch. US-Präsident Trump greift in seinen militärischen Fantasien nach Panama, Grönland und Kanada, zugleich droht er mit der Aufkündigung des transatlantischen Schutzversprechens. Forderungen werden unmissverständlich laut, Europa und Deutschland müssten schnell wieder wehrhaft werden. Außenminister Johann Wadephul (CDU) warnt: „Die internationale Lage ist brandgefährlich!“ Also müssen rasch wieder Waffen her.
Das ist die genaue Umkehrung des Satzes „Schwerter zu Pflugscharen“. Denn ausgerechnet dort, wo die Jesaja-Lesung spielt, im heutigen Israel und Palästina, herrschte alles andere als Friede und Harmonie, vielmehr schrecklicher, auswegloser Konflikt.