BIBEL AM SONNTAG (5. FASTENSONNTAG/A)

Annette Höing: Wunder brauchen den Glauben

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Glauben Sie? Diese Frage ist existenziell und stellt sich immer wieder, weiß Annette Höing und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Der Evangelist Johannes erzählt von der wunderbaren Totenerweckung des Lazarus. Doch wie er es tut, irritiert. Warum um alles in der Welt reagiert Jesus so merkwürdig auf den dringenden Hilferuf der Schwestern Marta und Maria?

Er vertrödelt die Zeit und provoziert damit den Tod des Freundes. Instrumentalisiert er gar den Tod des Lazarus und die Trauer der Schwestern, um seine Rettungstat umso heller scheinen zu lassen? Sympathisch wirkt das nicht. Johannes geht es um etwas anderes.

Staunende Leserschaft

Die Lesungen vom 5. Sonntag der Fastenzeit / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Der Leser soll nicht nur über das Spektakel am Ende staunen, sondern mit den Augen des Glaubens darauf schauen und im Glauben wachsen. Marta ist die Identitätsfigur für den Leser. Im Gespräch mit Jesus wächst sie vor unseren Augen und Ohren im Glauben und im Vertrauen. Sie ist gewiss, dass Jesus helfen kann.

Sie glaubt an die Auferweckung der Toten am Ende aller Zeiten. Was sie jetzt noch „lernt“, ist, dass die Hilfe, auf die sie hofft, nicht etwas ist, sondern jemand. Sie hat ein Gesicht und einen Namen und steht vor ihr: Jesus. Er ist die Rettung in Person. „Glaubst du das?“, fragt Jesus sie. Gemeint ist mit dieser Frage auch der Leser des Evangeliums und damit jeder von uns.

Bekenntnis zu Jesus

Dass Marta die Frage bejaht und ein Bekenntnis zu Jesus ablegt, dem Sohn Gottes und Messias, dem Herrn über Tod und Leben, ist nicht selbstverständlich. Der Evangelist erzählt, dass es viele Augenzeugen bei der wunderbaren Totenerweckung des Lazarus gibt. Aber nur ein Teil von ihnen glaubt daraufhin, dass Jesus der von Gott Gesandte ist. Wunder sind nicht eindeutig. Sie brauchen den Glauben, der unter der Oberfläche des Geschehens das Wirken Gottes wahrnimmt.

Warum hören wir dieses Evangelium an diesem Sonntag? Die Fastenzeit steuert auf ihr dramatisches Ende zu: die Leidensgeschichte Jesu. Sie beginnt mit dem Jubelgesang beim Einzug Jesu in Jerusalem und kippt alsbald in den Kreuzigungsruf der Menge am Karfreitag. Jesus wird verraten und verkauft, im Stich gelassen und verleugnet, verhöhnt und vorgeführt, verspottet und gefoltert und zum Schluss am Kreuz hingerichtet.

Zuversicht für die Karwoche

Als Christen sind wir eingeladen, uns mit Jesus zu verbinden und seine letzten Tage mitzugehen. Wer mit Marta darauf vertraut und glaubt, dass Jesus die Auferstehung und das Leben ist, kann zuversichtlich auf die Karwoche und die Leidensgeschichte Jesu zugehen. 

Und er kann Leid und Unmenschlichkeit unserer Zeit etwas entgegensetzen – die Hoffnung, dass alles erst zu Ende ist, wenn es gut ist: jedes einzelne Menschenleben, politische und gesellschaftliche Verhältnisse, das Klima auf unserer Erde, Teilhabe und Gerechtigkeit für Kinder, Frauen und Männer aller Hautfarben, das Sterben-Müssen und noch so vieles mehr.

Uralte Hoffnungen

Von dieser uralten Hoffnung erzählt auch der Prophet Ezechiel. Was durch die Verschleppung des Volkes Israel ins babylonische Exil an Unrecht geschehen ist, macht Gott wieder gut: Er schenkt denen, die in der Fremde als Ausgebeutete und Versklavte wie tot waren, neues Leben und seinen Geist. Die Exilanten kehren in ihre Heimat zurück und bauen das Land wieder auf. Wenn sie sich von Gott dabei inspirieren lassen, besteht Hoffnung, dass alle zu ihrem Recht kommen werden.

Dass Gottes Geist lebenspendend ist, davon ist auch Paulus überzeugt. Er ist Realist und weiß: Der Mensch ist und bleibt ein Mängelwesen. Er ist „vom Fleisch bestimmt“. Das ist Paulus‘ Wort dafür. Damit ist keine Leibfeindlichkeit gemeint, sondern etwas, das wir alle gut kennen und manchmal augenzwinkernd als menschlich-allzumenschlich bezeichnen: Der Mensch ist begrenzt, er ist fehlerhaft, er ist bequem, er ist auf seinen Vorteil bedacht und er ist nie so gut, wie er sein könnte. Aber gerade deshalb findet Gottes Geist ein Einfallstor bei ihm. Wären wir fehlerfrei, wobei könnte Gottes Geist uns helfen?

Vielfache Möglichkeiten

Im Glauben an Jesus und mit ihm im Bund können wir daran mitwirken, dass Gottes unbedingt für den Menschen entschiedene Liebe Hand und Fuß bekommt. Möglichkeiten dazu gibt es täglich: Nachbarschaftshilfe, freiwilliges Engagement, einen Beruf mit Hingabe tun, hoffen über den Tod hinaus für andere und für uns selbst. 

Jesu Leben und seine Auferstehung sind das Fundament dafür.
Glauben Sie das? Bevor Sie antworten, bedenken Sie: Unser Glaube darf noch wachsen bis Ostern und bis zum nächsten Jahr und zum Glück unser Leben lang.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 5. Sonntag der Fastenzeit / Lesejahr A finden Sie hier.

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