BIBEL AM SONNTAG (5. SONNTAG/A)

Marcus Hoffmann: Strahlt aus, was ihr seid!

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Gott geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern um gelebte Glaubenspraxis, sagt Marcus Hoffmann und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

„Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ – an diesem Sonntag begegnet uns das bekannte Doppelbildwort von Salz und Licht, eine der sicherlich berühmtesten Wendungen aus der Bergpredigt, die nicht ohne Grund unzählige Male aufgegriffen und interpretiert wurde. Was für eine Energie in diesen wenigen Worten steckt: Ihr seid das Salz, ihr seid das Licht, kurzum: Ihr seid diejenigen, die dem Leben Geschmack verleihen, die der Welt etwas zu geben haben und sie hell machen. Wen würde das nicht ermutigen?

Während der Corona-Pandemie konnte man anschaulich erleben, wie stark das Bild des Lichts tief in uns verwurzelt zu sein scheint. Viele Menschen stellten brennende Kerzen als Zeichen der Hoffnung und gegenseitigen Vergewisserung in die Fenster. Licht haben, Licht sein, hinausstrahlen – das findet Resonanz in uns und berührt uns, obwohl wir inzwischen bestimmt ein anderes Verhältnis zum Licht haben als die Menschen zur Zeit Jesu, die auf Öllämpchen angewiesen waren.

Von vielem zu viel

Die Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Zu beiden Elementen, Licht und Salz, dürften wir inzwischen ein deutlich anderes Verhältnis haben. Von beidem haben wir heute womöglich eher zu viel als zu wenig. Das kann man einerseits im wörtlichen Sinne verstehen, wenn man etwa bedenkt, dass Ärzte schon lange eine natriumärmere Ernährung fordern oder dass Licht mittlerweile in allen Formen und Stärken für uns verfügbar ist. 

Auch im übertragenen Sinne lässt sich der Gedanke weiterspinnen, etwa indem man das Licht auf die bunte Medienwelt und die sozialen Netzwerke überträgt: Wie viele Menschen inszenieren sich hier tagtäglich im besten Licht und posten mit großem Eifer ihre Weisheiten, Ratschläge, politische Orientierung. Hinzu kommt: Auch „verbales Salz“ wird reichlich gestreut, etwa in Form von Beiträgen, die oft genug Grenzen verletzen. Zwar entlarvt sich mancher mit der Zeit von selbst als eher verstrahlt, doch zeigt sich gerade auf Facebook, Instagram und Co., dass mehr Menschen denn je heute meinen, der Welt etwas mitzuteilen zu haben.

Euch gehört das Reich Gottes

Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, genauer auf das Evangelium zu schauen: Sieht man sich die Passage bei Matthäus näher und im Kontext an, zeigt sich, dass sich Jesus hier bewusst nicht an diejenigen wendet, die ohnehin schon lautstark oder mit geschwollener Brust unterwegs sind und der Welt ihre Weisheit verkünden. Auch formuliert er keinen universalen Aufruf, dass eine Jede oder ein Jeder nun losziehen möge, um mit größtmöglicher Strahlkraft Weltgeschichte zu schreiben. Um einen solchen Ego-Booster geht es ihm nicht.

Deutlich wird dies vor allem an zwei Elementen: Erstens spricht Jesus hier nicht im Imperativ („Ihr sollt“), sondern formuliert im beschreibenden und feststellenden Modus („Ihr seid“). Zweitens spricht er gerade solche Menschen an, die damit wohl kaum gerechnet hätten. Denn wie bei den Seligpreisungen sind seine Adressaten diejenigen, die nicht zum oberen Teil der Gesellschaft zählen, deren Leben sich eher in der zweiten Reihe abspielt. Vielleicht durch Krankheit, mühsame Arbeit oder andere Dinge geprägt, ist ihre Welt begrenzt und ihre Macht ebenso. Ausgerechnet ihnen sagt Jesus zu: Euer Leben hat Sinn! Ihr sorgt für das Licht in der Welt! Euch gehört das Reich Gottes. Das entscheidende Kriterium dafür nennt er auch: Es sind eure Taten, die euch strahlend machen. Sie lassen euch leuchten und bleiben nicht verborgen. An ihnen werden euch die Leute erkennen und euer himmlischer Vater ebenso.

Gelebte Praxis im Blick

Damit spricht Jesus nicht nur Anerkennung und Mut zu, sondern macht deutlich, was sich als elementar für den biblischen Gottesglauben erweist: die gelebte Praxis. So wie der Prophet Jesaja oder der Apostel Paulus uns in den Lesungen vor Augen führen, dass ein wahrhaft gottgefälliges Verhalten kaum im bloßen Zurschaustellen der eigenen Frömmigkeit oder in wortgewandter Rede bestehen kann, so konkretisiert Jesus hier, was in Wirklichkeit Licht in die Welt bringt und zum Ausweis der Nachfolge wird: die richtige Tat mit der richtigen Einstellung – scheint sie auch noch so unbedeutend.

Vielleicht liegt darin gerade in diesen Tagen eine hoffnungsstiftende Botschaft, wenn man sich fragt, was man angesichts der großen Herausforderungen in der Welt eigentlich tun kann: Ohne Wertschätzung für das vermeintlich Kleine wird es erst recht nicht hell.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 5. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A finden Sie hier.

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