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Kann ich Jesus wirklich kennenlernen? Allein für den Versuch brauchen wir Räume, sagt Barbara Kockmann und legt die Lesungen aus.
Die Worte Jesu im heutigen Evangelium wirken fast kühn: „Ihr kennt mich – und damit kennt ihr den Vater.“ Das klingt nach Gewissheit, zugleich nach Überforderung. Wir wissen aus unserem eigenen Leben, wie anspruchsvoll echtes Kennenlernen ist.
Es geht um weit mehr als um einen Eintrag im Freundesbuch oder ein sorgfältig gestaltetes Dating-App-Profil. Wirkliches Kennenlernen braucht Zeit, Nähe und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen.
Selbsterkenntnis ist mühsamer Prozess
Die Lesungen vom 5. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Schon der ehrliche Blick auf mich selbst zeigt mir das. In unterschiedlichen Kontexten meines Lebens – in Stresssituationen, in Trauer, im Verliebtsein und in Zeiten des Neuanfangs – entdecke ich immer wieder neue Seiten an mir. Selbsterkenntnis ist ein lebenslanger, manchmal mühsamer Prozess. Wie sollen wir da Gott „kennen“?
Vor diesem Hintergrund erscheint mir die Reaktion der Jünger verständlich. Sie reagieren zurückhaltend, stellen Fragen und widersprechen sogar. Anders als wir blicken sie nicht mit 2000 Jahren Abstand auf die Person Jesu, Tod und Auferstehung liegen noch vor ihnen, einschneidende Erfahrungen stehen noch aus. Und so fragen sie ehrlich: „Wie sollen wir den Weg kennen?“
Drei Lebens-Grundfragen
Jesus antwortet auf diese Frage nicht mit einer Erklärung oder einem Lehrsatz, sondern mit sich selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Damit greift er drei Grundfragen unseres Lebens auf: Wohin gehe ich? Worauf kann ich mich verlassen? Was trägt mein Leben wirklich? Jesus bietet keinen fertigen Plan an. Er lädt ein, ihm zu vertrauen und den Weg mit ihm zu gehen.
Diese existenzielle Suche spiegelt sich in der Lesung aus der Apostelgeschichte. Die junge Kirche wächst – und stößt dort an ihre Grenzen, wo Menschen sich übersehen fühlen. Die griechischsprachigen Witwen kommen zu kurz. Es wäre leicht, den Konflikt kleinzureden oder zu verdrängen. Doch die Gemeinde entscheidet sich für einen anderen Weg. Sie hört hin, erkennt das Problem an und ordnet sich neu. Sie entdeckt Gaben, teilt Verantwortung und betraut sieben Männer mit einer wichtigen Aufgabe.