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Warum soll die Saat Jesu reiche Frucht hervorbringen? Michael Ehlert hat eine Idee und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Da sitze ich nun, um mit 4.300 Schriftzeichen meinen geistlichen Impuls aufzuschreiben, und werfe meinen Blick auf die biblischen Lesungen für diesen Sonntag. Vieles dazu schwirrt mir durch den Kopf. Doch wie geht es mir selbst, wenn ich Impulse von anderen lese oder höre? Was bleibt hängen und was klingt weiter, was dringt bis in mein Herz und bewegt mich zu etwas Neuem?
Das Ergebnis ist ernüchternd. Vieles, was ich täglich höre oder lese, habe ich gar nicht richtig gehört oder behalten. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Manches gerät auf „ausgetretene Denkpfade“: Was sagt „der“ schon wieder? Oder das „Gezwitscher“ anderer kommt dazwischen – und weg ist das gerade Gehörte. Manchen Gedanken nehme ich begeistert auf, doch gebe ich ihm keine Möglichkeit, sich in meinem Leben zu verwurzeln, denn schon greife ich zum nächsten „Impulsgeber“ – meinem Handy. Manchmal sind es auch Sorgen im Alltag, echtes Sich-Sorgen um andere oder ängstliches Besorgt-Sein über alles Mögliche, was einen hoffnungsvollen Neubeginn schnell erstickt.
Wie sieht meine Bodenbeschaffenheit aus?
Es ist so, wie der Evangelist Matthäus zu Beginn seiner dritten von fünf großen Reden die Impulse Jesu aufgeschrieben hat. Wenn ich den Beginn dieser Gleichnisrede weiterlese, stoße ich auf das zuversichtliche Wort Jesu von einem Saatanteil, der auf guten Boden fällt und reiche, ja überreiche Frucht bringt. Skeptisch denke ich: Na, da wird aber übertrieben – hundertfach?
Eine Information über „Bestockung“, das heißt Entwicklung von Seitenhalmen, beseitigt diese Skepsis. Ein ausgesäter Getreidesame kann bei entsprechender Bodenbeschaffenheit mit zwei bis drei Seitenhalmen nicht nur 30-fache, sondern drei- bis viermal so viel Frucht hervorbringen. Okay. Doch wie ist das in meinem eigenen Leben? Wie sieht meine Bodenbeschaffenheit aus? Was dringt bis in mein Herz hinein, was kann sich dort verwurzeln und mein Leben prägen? Je nach eigener Lebenseinstellung bin ich mehr oder weniger empfänglich für bestimmte Impulse.
Der gute Samen
Die Lesungen vom 15. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Wenn der Boden meines Lebens „sauer“ geworden ist, dann bringt auch ein guter Same, der hineingesät wird, dort keine Frucht. Ein Beispiel: Entgegen dem westfälischen Spruch: „Nichts gesagt ist genug gelobt“ sage ich zu einer Person: „Das haben Sie heute gut gemacht!“ – und erhalte die abwehrende Antwort: „Ist es sonst etwa nicht gut?“… So verstehe ich Jesu Wort, wenn er sagt, dass ein Mensch, dessen Herz verhärtet ist, das gehörte Wort nicht gut verstehen kann, solange sich nicht seine Lebenseinstellung ändert.
Wer im eigenen Leben eine Sehnsucht nach Veränderung spürt oder unter bestimmten Beschwerden leidet, ist offener für Hilfsangebote, die Glück versprechen oder Beschwerden lindern oder beseitigen. Das gilt auch im gesellschaftlichen Bereich. Verbreitete Ängste und Belastungen machen es Verführern einfach, dort mit ihren Parolen und Heilsversprechen anzukommen. Hier gilt es, gut zu schauen, welchem Wort ich gestatte, bis tief in mein Herz zu dringen und dort wirksam zu werden.