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Es gibt sie, die Sehnsucht nach Gebet. Wie Beten gelingen kann, erklärt Jonas Mieves und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Neulich in der Messdienerstunde. Wir haben Pizza bestellt. Nach dem Spiel draußen haben alle Hunger und freuen sich auf das dampfende, leckere Essen. Ich wünsche einen „Guten Appetit“ und will mir gleich ein Stück nehmen. „Halt“, sagt da ein Mädchen, „du musst noch ein Tischgebet sprechen!“ Der Augenblick ist mir kurz unangenehm, denn darauf hätte ich – zumal als Priester – selbst kommen können.
Das Leben vor Gott bringen
Diese Szene aus meinem Alltag nenne ich stellvertretend für die Momente, in denen mir bewusst wird: So viele Menschen warten darauf, dass jemand mit ihnen betet. Da ist eine Sehnsucht nach Gebet, danach, die kleinen und großen Momente des Lebens vor Gott zu bringen. Manche verbinden mit diesem Wunsch aber auch das Gefühl, nicht beten zu können, nicht zu wissen, „wie das geht“ – oder sie trauen sich schlichtweg nicht. Als Seelsorger sehe ich meine Aufgabe darin, hier zu unterstützen: Wege ins Gebet zu zeigen, vorzubeten, mitzubeten, andere bei ihren Bet-Erfahrungen zu begleiten.
Die Schrifttexte dieses Sonntags kann ich als eine kleine Schule des Gebets lesen. Hier gibt es Erstaunliches zu lernen: Beten geht ohne viele Worte! Betrachten wir im Evangelium die vielleicht aufregendste Stelle: Die Jünger hocken im Boot auf stürmischer See. Der Wind pfeift ihnen scharf entgegen. Da erspäht Petrus auf einmal Jesus, wie er mitten im Sturm auf das Boot zuläuft – über das Wasser. In gewohnter Direktheit fordert Petrus: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!“ Auf das Wort Jesu – „Komm!“ – steigt Petrus tatsächlich aus dem Boot und geht wie Jesus übers Wasser, ihm entgegen.
Ein Fundament, das trägt
Die Lesungen vom 19. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Als ich diese Stelle meditiert habe, kam mir die Frage: Wie wird Jesus den Petrus dabei wohl angeblickt haben? War das ein entschlossener oder ein ermutigender Blick? Mir scheint, dass der Blickkontakt zwischen Jesus und Petrus das Entscheidende beim Gang über das Wasser ist. Vielleicht ist das eine erste Klärung dessen, was Beten meint: Mich ganz einfach von Christus anschauen zu lassen. Das heißt: Ich mache mir bewusst, dass er mich sieht. Ich lasse seinen Blick auf mir ruhen.
Wer so beten kann, der läuft vielleicht nicht übers Wasser, der merkt aber: Es gibt in meinem Leben ein Fundament, das mich trägt. Gerade dann, wenn die Wellen hochschlagen, ist da etwas, das mich hält – vielleicht beim Verlust eines lieben Angehörigen, vielleicht beim Zweifel an meinen Fähigkeiten.