BIBEL AM SONNTAG (HOCHFEST OSTERN/A)

Daniel Hörnemann: Der Osterglaube braucht seine Zeit

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Am Grab Jesu setzt sich die Glaubenserkenntnis nur zögerlich durch. Daniel Hörnemann OSB legt die Lesungen zu Ostern aus.

Der Hohepriester Kaiphas fährt Josef von Arimathäa an, der sein Grab für den Leichnam Jesu zur Verfügung gestellt hat: „Was, du hast diesem Galiläer Platz in deinem Grab eingeräumt?!“ Josef, ganz eingeschüchtert: „Ja, hab' ich… aber nur übers Wochenende…“

Dass Jesus dort nicht seine ewige Ruhe gefunden hatte, sondern das Grab am dritten Tage leer zurückließ, war überhaupt nicht abzusehen. Maria von Magdala ging nach dem grausamen Tod ihres Freundes nicht voll Auferstehungshoffnung zur Grabhöhle, sondern zu einem letzten Ehrendienst. Es war noch finster – um sie herum und in ihr selbst. Es wurde auch nicht heller, als sie sah, dass der schwere Grabstein zur Seite gerollt war. Das leere Grab ist kein Glaubensbeweis. Vielmehr vermutet sie Störung der Totenruhe und Leichenraub. Über den Verlust ihres Herrn und Meisters durch die schreckliche Hinrichtung hinaus droht noch der mögliche Verlust seines Leichnams. Dreimal äußert sie diese Befürchtung.

Erstaunliches Wettrennen

Die Lesungen vom Hochfest Ostern / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Ein seltsamer Wettlauf spielt sich nun ab. Maria von Magdalas atemlose Botschaft setzt sie in Bewegung: Der Jünger, den Jesus liebte und den wir gewöhnlich mit Johannes identifizieren, sowie der ältere Petrus laufen eilig zum Grab. Johannes, der „Adler“, gewinnt das Wettrennen, lässt aber Petrus, dem „Felsen“, den Vortritt.

Doch auch er kommt nicht aufgrund der leeren Höhle zum Glauben. Er registriert lediglich die Leinenbinden, die den Toten nun nicht mehr fesseln, und das sorgfältig gefaltete und separat hinterlegte Schweißtuch – weil es den Abdruck des Antlitzes Jesu trägt? Er sieht sie als Indizien, dass der Leichnam nicht gestohlen wurde.

Zweifel und Skepsis am Ostermorgen

Erst der Lieblingsjünger kommt zur Glaubenserkenntnis: „Er sah und glaubte.“ Nur die Liebe findet zum Glauben. Auf dieses Ja setzt der Evangelist aber gleich wieder ein Aber: Beide hatten den Sinn der Schriften immer noch nicht verstanden. Nirgends erzählt die Bibel von der Auferstehung selbst, nur vom leeren Grab und den Erscheinungen des Auferstandenen. Das Grab ist jedoch nur die vermeintliche Endstation, die Geschichte Jesu beginnt gerade hier ganz neu.

Das Evangelium vom leeren Grab erzählt von unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Wahrnehmungsweisen. Die Erzählung beginnt mit Maria von Magdala und endet mit ihr. Die beiden Jünger und Maria kommen auf je eigene Weise und mit eigenem Tempo zur Glaubenserkenntnis. Die Erzählung vom Ostermorgen ist merkwürdig verhalten. Hier erklingt keinerlei Osterjubel, kein Halleluja, kein mächtiges „Er ist auferstanden!“ Zweifel und Skepsis herrschen vor, kein Wunder, denn eine Auferstehung von den Toten konnte sich niemand recht vorstellen. Der Osterglaube braucht seine Zeit. Erst durch vertiefte Auseinandersetzung kommt es zu einem langsam wachsenden Verständnis. In der Kirche gab es von Anfang an verschiedene Strömungen.

Tatendrang und Bedacht

Symbolfiguren sind dafür Petrus als Vertreter des Amtes und Johannes als Vertreter der Liebe. Beide sind notwendig. Petrus wird geschildert als der langsamere, der behäbigere, abwägende, untersuchende, Johannes als der schnellere, der aus seiner Liebe rasch zur Glaubenserkenntnis kommt.

Das Evangelium ist wie ein Lehrstück über die Schwerfälligkeit von Amt und Struktur sowie die ungeduldige Sehnsucht der Liebesbeziehung. In der Glaubensgemeinschaft findet sich beides, der rasche Tatendrang aus Liebe und das langsame, bedächtige Ordnen und Ausrichten. Den einen geht es nicht schnell genug, die anderen kommen nur langsam nach, wenn überhaupt. Eines gilt für die Kirche auf jeden Fall: Wer stehenbleibt, wird nie ankommen.

Apostelin der Apostel

Petrus verkündet später mit Macht (Apg 10): „Gott hat ihn auferweckt!“ Höchst bemerkenswert ist, dass alle Evangelien daran festhalten, dass eine Frau als Erste die Auferstehung verkündet. Die Apostelin der Apostel ist die erste Osterzeugin. Sie wurde durch die Ostererscheinung Jesu zur wahrhaft Glaubenden. Die Schädelstätte wurde zum Ostergarten.

Wie diese Frau am Grab Jesu können wir mit Geduld und Durchhaltevermögen bei der angeschlagenen, zerbeulten Kirche Christi bleiben und versuchen, sie weiterzubringen. Diese Kirche steht immer in der Spannung zwischen Zögern und Fortschreiten, zwischen Stabilität und Dynamik. Ihr Initiator jedenfalls ruht nicht im Gestern, sondern lebt im Heute – auf Morgen hin. Mit ihm sind wir auferweckt und können „nach dem streben, was oben ist“ (Kol 3).

Sämtliche Texte der Lesungen vom Hochfest Ostern / Lesejahr A finden Sie hier.

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