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Pfingsten ist ein Anfang, der nie endet. Davon ist Thomas Söding überzeugt und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Ein „Brausen“, „ein heftiger Sturm“, „Zungen wie von Feuer“ – das sind die turbulenten Phänomene, die das Pfingstfest prägen. Es ist wie ein neuer Schöpfungstag – Gottes Geist wirkt: Chaos wird Kosmos, Schweigen wird Wort, Menschen leben auf.
Fünfzig Tage nach Ostern, so erzählt Lukas in der Apostelgeschichte, erfüllt sich die Prophezeiung Jesu: „Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8). Nach der Sammlung kommt die Sendung, nach dem Schweigen das Reden, nach dem Rückzug der Aufbruch über alle Grenzen hinaus.
Feiern vor der Ernte
Die Lesungen vom Pfingstsonntag / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Fünfzig Tage nach Pessach ist im jüdischen Kalender das Wochenfest (Schawuot). Ursprünglich ist es Erntedank – gefeiert, bevor die Ernte beginnt, weil von Anfang an alles, was Frucht bringt, Gott verdankt wird (Lev 23,15-16). Zur Zeit Jesu und der Urgemeinde geht das Judentum einen Schritt weiter zurück und feiert das Wochenfest zum Gedenken der Bundeserneuerung.
Es stellt das Leben im Land der Verheißung unter Gottes Segen. Dass es an Pfingsten zischt und knallt, ruft Gottes Erscheinung auf dem Sinai ins Gedächtnis, die den Bund stiftet (Ex 19,16-19): Dieser Bund ist für ewig; das Gesetz ist seine Magna Charta für das Leben im Land der Verheißung; der Segen liegt auf Israel für alle Völker.
Ein Anfang, der nicht endet
Das christliche Pfingstfest verbindet beides, durch den Bezug auf Jesus, sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung. Bevor die Ernte der Verkündigung eingebracht wird, richtet sich der Dank an Gott. Das Evangelium bejaht und öffnet das Gesetz für alle Völker. Der neue ist der erneuerte Bund. Die Mission ist Exodus: Sie führt heraus aus dem Sklavenhaus des Todes, aus der Fixierung auf das Unrecht des Kreuzes, aus der Gefangenschaft der eigenen Verstrickung; sie führt hinein in das Reich der Freiheit, in den Frieden mit Israel, in den neuen Morgen der Auferstehung. Pfingsten ist ein Anfang, der nicht endet.
Diesen Anfang macht Gott in seinem Geist mit allen, die sich nach der Auferstehung wiedergefunden haben. Lukas schreibt von hundertzwanzig Menschen (Apg 1,15), also zehn mal zwölf: ein Symbol der Fülle im Kleinen, ein Anfang mit Folgen, ein Versprechen auf Mehr, weil der eine Gott der Gott für alle ist. Die Apostel gehören dazu, Maria, die Mutter Jesu, und die Frauen, die ihm nachgefolgt sind. Alle empfangen ein und denselben Geist, alle bezeugen Gottes Wort, alle brechen in die Zukunft auf, weil sie Jesus verbunden bleiben.