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Gebote setzen Regeln. Aber wie gehen Menschen damit um? Können sie sich gegen Gottes Weisungen stellen? Auslegung von Pfarrer Josef Wichmann.
Nach dem Hören dieses Evangeliums muss man wohl erst mal tief Luft holen und in Ruhe fragen: Worum geht es denn in diesem Abschnitt? Er ist ein Teil der Bergpredigt, ein Kernstück der Botschaft Jesu im Neuen Testament. Matthäus schrieb sein Evangelium für vorwiegend judenchristlich geprägte Gemeinden. Sie wollten am jüdischen Gesetz festhalten.
In der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach hieß es: „Gott gab den Menschen seine Gebote und Vorschriften(...). Vor dem Menschen liegen Tod und Leben. Was er begehrt, wird ihm zuteil.“
Keine Abstriche bei der Haltung
Es geht also um Grundsätzliches. Jesus geht es vor allem um die von den Propheten eingeforderte Haltung der Liebe zu Gott und den Mitmenschen. Davon macht er keine Abstriche.
Es geht ihm nicht um das wortwörtliche Halten des Gesetzes. Er schaut auf die tiefere Haltung dazu, die Einsicht, die aus dem Herzen kommt.
Alles hat Konsequenzen
Gewiss kann der Mensch Nein sagen zu Gesetzen, aber das hat Konsequenzen. Als Autofahrer kann ich die Regeln des Straßenverkehrs ablehnen und sagen: „Für mich gelten diese Regeln nicht. Ich hab's eilig, ich fahre schneller als erlaubt.“
Peinlich wird es dann, wenn er geblitzt wird und eine saftige Strafe bekommt. Der Staat zwingt so die Autofahrer, die geltenden Gesetze einzuhalten – durch Sanktionen.
Unsere Verantwortung
Das bedeutet nicht, dass Gott uns zwingt, seine Gebote einzuhalten. Ich bin fest davon überzeugt: Wir können uns frei für oder gegen Gott – samt seinen Geboten – entscheiden. Er legt die Verantwortung für unser Leben in unsere Hände.
„Vor den Menschen liegen Tod und Leben,“ hieß es in der Lesung. Wir müssen uns entscheiden für Gott oder gegen Gott. In der freien Zuwendung zu Gott liegt die Möglichkeit eines erfüllten Lebens.
Der Sinn der Gebote
Die Lesungen vom 6. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Damit Leben gelingt, kommt Jesus uns zu Hilfe. Die Gebote Gottes schließen das ganze Umfeld des Lebens mit ein. Es geht darum, den tieferen Sinn eines Gebotes verstehen. Welche innere Haltung ist beim Einhalten der Gebote vorausgesetzt?
Jesus bringt Beispiele: „Du sollst nicht töten, wer aber jemanden tötet, soll dem Gericht verfallen sein.“ Er nennt in diesem Zusammenhang den Zorn, die Beschimpfung und die Verleumdung, Mobbing und Rufmord als versteckte Form des Tötens. Wenn das gegenseitige Verständnis, die Achtung und der Respekt fehlen, endet das Ganze oft in tiefer Feindschaft. Jesus will uns hellhörig und sensibel machen für solch schlimme Entwicklungen, damit wir es erst gar nicht so weit kommen lassen.
Weiter nennt Jesus das Verbot, die Ehe zu brechen. Rein äußerlich betrachtet kann eine Ehe intakt sein. „Aber,“ so sagt Jesus, „im Inneren kann sich ein Mann von seiner Frau abwenden und eine andere Frau für sich begehren.“ Da beginnt bereits der Ehebruch lange vor der Scheidung.