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Was macht uns Christen eigentlich zu dem, was wir sind? Dieser Frage widmet sich Jessica Tomkin und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Immer wieder frage ich mich: Warum werden unsere Kirchen leerer? Wieso fehlt uns scheinbar die Anziehungskraft? Diese Frage treibt mich um, wenn ich in die Welt hinausgehe und sehe, wie Ereignisse Menschen in Massen anziehen, sei es im Fußballstadion oder bei anderen Großveranstaltungen. Ich beobachte, wie Menschen durch Licht, Musik, Farben, Inszenierung, durch gut organisierte Abläufe mitgenommen werden.
Es ist beeindruckend, wie sorgfältig und professionell manche Angebote gestaltet sind. Ich weiß das zu schätzen, Qualität ist wichtig, und sie hat ihren Wert. Oft ertappe ich mich dabei, abzuschauen und zu überlegen, was ich übernehmen kann, um die Menschen zu begeistern.
Vom Halten der Gebote
Die Lesungen vom 6. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Aber es wird mir immer klarer, dass die äußere Form unserer Gottesdienste und das umwerfende kleinteilige Setting in unseren Katechesen Menschen zwar kurzfristig anziehen können, aber sie machen niemanden zu einem Nachfolger Jesu. Was ist es also? Was macht uns Christen eigentlich zu dem, was wir sind? Was ist unser wesentlicher Kern?
Im Sonntagsevangelium gibt uns Johannes, im Rückblick auf das Leben Jesu und die Erfahrung der Auferstehung, eine Antwort. Dabei lässt er Jesus selbst sprechen: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ Es geht darum, Jesus zu lieben durch das Halten seiner Gebote. Es geht nicht um eine freundliche, aber unverbindliche Anerkennung seiner Botschaft, sondern um eine Übernahme seiner Lebensweise in meine Lebensweise. Was damit gemeint ist, hat Jesus in der Fußwaschung am Gründonnerstag mehr als deutlich gemacht. Hingabe, Vertrauen, Liebe, das sind nicht nur Prinzipien, sondern sein Wesen, das wir in unserem Alltag umsetzen sollen.
Jesus verspricht uns seinen Beistand
Um nicht spätestens an diesem Punkt die Hände sich ergebend zu heben und zu sagen: „Schaff ich nicht!“, verspricht Jesus uns einen Beistand. In der deutschen Sprache wirkt der Ausdruck „Beistand“ tröstend, beinah passiv. Im Griechischen bedeutet „parakletos” wörtlich „der Herbeigerufene, der an die Seite tritt“. Es bezeichnet jemanden, der zu Hilfe kommt, jemand, der aktiv eingreift. Der Beistand zeigt mir den Weg, erinnert mich, befähigt mich, das, was Jesus vorgelebt hat, in meinem Alltag umzusetzen.
Indem dieser Beistand, der Geist Gottes, uns in die Art und Weise führt, wie Jesus gelebt hat, wird Jesus von neuem lebendig. Auferstehung heißt: Seine Art zu leben ist nicht vorbei. Seine Liebe ist nicht Vergangenheit. Sie ist gegenwärtig, wenn ich sie lebendig werden lasse, und sie hat Kraft, unser Leben heute zu verändern – und das konkret und spürbar.