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Das Leben ist voller Wandlungen und Proben. Lassen wir uns darauf ein, sagt Elmar Salmann und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Es gibt viele Weisen der Taufen, religiöse und weltliche: Übergangsrituale, Mutproben, bei der Einführung in Lebens- und Berufsformen, in Stände, in der Religion, bei Soldaten, im Handwerk, in Cliquen und Clans, bei pubertären Gesellungsformen, in Heimen und Schulen, in Orden, Familien, bei Prüfungen und Bewerbungen. Immer muss man eine Schwelle überschreiten, sich ins Ungesicherte begeben, wird man unter Druck gesetzt, gequält, Anpassungsritualen unterzogen, auf Eignung hin abgeklopft, muss man einen kleinen Tod sterben, um endlich zugelassen zu werden.
Das allzu Subjektive und Selbstzentrierte soll aufgesprengt und der Kandidat ins Objektive verfügt, ins Dienstbereite, den Beruf, die Sendung, die Gruppe hinein eingeweiht werden. In Ferienlagern und Schullandheimen hieß das ‚döppen‘, ‚den Heiligen Geist bringen‘, ‚eine Lektion erteilen‘. Auch in der Regel Benedikts ist von den ‚opprobria‘, dem Widrigen, die Rede, das den Novizen aufzuerlegen sei, damit sie sich prüfen können, ob sie für ein derartiges Leben geeignet sind. Man solle also gerade nicht werben und anziehen, sondern den Eintritt eher erschweren.
Mühevolle Geburt
Die Lesungen vom Fest der Taufe des Herrn / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Bereits die Geburt ist umstellt von Wehen, Pressungen, Mühen, Gefährdungen bei Mutter und Kind, bis dieses in einem Schrei den Durchbruch besiegelt. Wie sieht die Aufnahme in Krankenhäusern aus und was uns erwartet im Sterben, dem letzten Tunnel und Hinübergang – ob wir da ins Lichte und Weite finden? Die Riten der Kirche bilden diesen Übergang in ritualisierter Form nach: Die Taufe war ursprünglich ein herbes Ritual des Untertauchens und ein gewaltiger Sprung in der Lebensführung, sodass sich, wie wir aus den Predigten des Ambrosius wissen, oft nur wenige Taufbewerber zum Osterfest meldeten, meist gottgeweihte Jungfrauen.
Man musste sich reinhalten von vielem, durfte etliche Berufe nicht ausüben, die mit Gewalt, Blut, Machtausübung, Geldwirtschaft zu schaffen hatten. Eine rigide Bußpraxis ließ den Sünder den Weg der Verirrung gewendet sühnend durchlaufen. Deshalb die Gewohnheit zur Zeit der frühen Kirche, sich erst auf dem Totenbett taufen zu lassen, also den doppelten Übergang vom Leben in den Tod und vom Tod ins neue Leben zu kombinieren, zu erleiden und auf sich zu nehmen. Da fanden Geschick und Gnade, Leid, Tod und Erstehung zueinander.