Anzeige
Jesus Christus unterstützt gerade die Menschen, bei denen es nicht glatt läuft, sagt Laurentius Schlieker OSB und legt die Lesungen aus.
Armut und Demut erscheinen nicht gerade erstrebenswert, aber sie führen an die Wurzeln unseres Glaubens. Sie sind die stärkste Ausprägung christlicher Grundhaltung, nämlich das Beispiel des Herrn nachzuahmen.
Die Demütigen nennt die Bibel „die Armen“; es sind die Unterdrückten, jene Menschen am Rande, denen nichts anderes bleibt, als auf Gottes Hilfe zu hoffen, ihr ganzes Vertrauen auf ihn zu setzen und sich von seinen Verheißungen leiten zu lassen. Diese Menschen glauben, dass sich für sie der gute Wille des liebenden, gerechten und rettenden Gottes durchsetzen wird. Deshalb verzichten sie auf Gewalt, Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit und verlassen sich stattdessen darauf, dass Gott für sie alles zum Guten wenden wird.
Befreiung von Überforderung
Die Lesungen vom 4. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Jesus selbst hat ein Beispiel für unser Leben gegeben. Indem er sich ganz dem Willen seines Vaters überlassen hat, bewirkte er durch die Hingabe seines Lebens die ewige Erlösung und führt uns in die Auferstehung hinein. Demut bringt im Tiefsten unsere Beziehung zu Gott zum Ausdruck, zugleich befreit sie von der Überforderung, alles aus eigener Kraft machen zu müssen.
Der Prophet Zefanja verheißt dem bedrängten Gottesvolk, dass es im Frieden Gottes leben wird und von niemandem aufgeschreckt werden kann. Der Apostel Paulus empfiehlt der Gemeinde in Korinth, im Vertrauen auf Gott das Schwache und Verachtete anzunehmen und im Licht der Weisheit Gottes zu betrachten. Die Demut führt in die Einsicht und in das große Glück, geliebt zu sein. Jesus schaut liebevoll auf die Armen, wenn er sie am Beginn der Bergpredigt mit den Seligpreisungen beglückwünscht. Den Weg in das Himmelreich, in den Lebensraum mit Gott und damit zur wahren Erfüllung des Lebens stellt Jesus unter die Überschrift „Armsein vor Gott“.
Wir brauchen Barmherzigkeit
Armut und Demut werden zum Signal für Gott, der unsere Leere füllt und wahren Reichtum schenkt. Jesus gratuliert Leuten, bei denen es nicht glatt läuft. Im Gegenteil. Jesus macht klar, wer ganz nah bei Gott ist, ohne es zu ahnen: Menschen in den vielfältigen Notlagen ihres Lebens, Menschen, die an ihren Kalamitäten nicht vorbeikommen können, sondern diese durchleben und bewältigen müssen. Menschen, arm an Besitz und Einfluss, arm durch Einsamkeit oder Krankheit, oder die sich abgehängt und isoliert fühlen. Es sind Trauernde, die Verluste ertragen, Menschen wie du und ich, die an ihrem Mangel, an ihren Enttäuschungen festhängen und nicht so richtig weiterkommen.
Die Seligpreisungen konfrontieren mit der eigenen Wahrheit und auch mit den Illusionen, die wir über uns haben und die wir uns über andere machen. Wir brauchen Barmherzigkeit uns selbst gegenüber, damit wir nicht hart werden, und immer den Vertrauensvorschuss Gott gegenüber, um angesichts dessen, was uns auf dem Tablett des Lebens serviert wird, vergewissern können, von Gottes Liebe umarmt zu sein. Jesus traut uns zu, dass wir dieses Vertrauen lernen können.