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Was uns die Geschichte vom guten Hirten sagen kann, erklärt Christian Brüning OSB und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.
Als ich vor 40 Jahren meine Heimatprimiz feierte, überraschte es mich, dass der Pfarrer zum feierlichen Einzug in die Kirche einen langen Stab hervorzauberte. Auf meine Frage erfuhr ich, dass es sich um einen Hirten- oder besser Schäferstab handelte. Er glich einem Bischofsstab, war aber ganz schlicht gehalten, aus Holz und hatte statt einer Krümme am oberen Ende eine kleine silberne Schaufel.
Im praktischen Alltag dient dieses Werkzeug dem Hirten als Gehhilfe im unwegsamen Gelände und zum Abstützen während der langen Zeiten des Stehens bei der Herde. Auch kann der Schäfer mit der Schaufel Erdklumpen aufnehmen und gezielt vor oder neben ein Schaf werfen, das sich von der Herde entfernen will. Der Aufprall erschreckt das Tier und treibt es zurück zur Herde. Überdies kann der Hirte mit der Schaufel die Klauen der Tiere von Steinchen reinigen.
Wie Schafe auf den Hirten hören
Die Lesungen vom 4. Sonntag der Osterzeit / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
An diesem 4. Ostersonntag feiern wir den „Gute Hirten“-Sonntag. Im Tages- und Schlussgebet begegnet das Motiv des Hirten. Man mag aus der ersten Lesung den Satz entnehmen: „Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt“; dann aus der zweiten den letzten Satz „Ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen“: Diese Sätze lassen sich gut als Versatzstücke zusammenfügen.
Den Höhepunkt bildet dann das Evangelium, das eindrücklich von der Fürsorglichkeit des guten Hirten spricht. „Die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.“ In mehreren Details wird das enge und vertraute Verhältnis zwischen dem Hirten und den Schafen beschrieben.
Schafe hören auf die Stimme des Hirten
Im Urtext heißt es übrigens ausdrücklich, dass es seine eigenen Schafe sind. Dem geschilderten Geschehen liegt eine damals verbreitete Praxis zugrunde. Mehrere Herden wurden nachts in einen Pferch zusammengeführt, damit sie ein Türhüter hüten konnte. Morgens wurden sie getrennt, indem jeder Hirte sie mit seiner Stimme oder seinem Pfiff rief. Die Tiere kannten ihn und folgten ihm.
Waren sie am Weidegrund angekommen, ließ der Hirte die Tiere in Ruhe weiden. Nur wenn ihnen irgendwie Gefahr drohte, ließ er wieder seinen Pfiff beziehungsweise seine Stimme erschallen oder bediente sich seiner Schaufel, um die Tiere zu dirigieren. Die Tiere mussten nicht ständig kommandiert, „gegängelt“ werden. Die meiste Zeit ließ der Hirte seine Schafe freilaufen.