BIBEL AM SONNTAG (WEIHETAG LATERANBASILIKA)

Pater Daniel Hörnemann: Warum brauchen wir Kirchen?

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Viele Kirchen stehen heute zur Disposition. Und dennoch bleiben sie als Orte wichtig, sagt Pater Daniel Hörnemann OSB in der Schriftauslegung.

Sollten Sie mal wieder nach Rom fahren, könnten Sie dort die vier Hauptkirchen besuchen. Darunter die Lateranbasilika, sie ist neben St. Peter im Vatikan, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore eine der vier Patriarchalkirchen. Die dem Erlöser und seit dem 12. Jahrhundert auch Johannes dem Täufer geweihte Basilika San Giovanni in Laterano ist die älteste Papstkirche und führt den Titel „Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises“, daher wird sie am Lateransweihefest dieses Sonntags besonders in den Blick genommen.

Sie wurde von Kaiser Konstantin errichtet auf dem Besitz der Familie der Laterani und im Jahr 324 von Papst Silvester I. eingeweiht. Die durch Brand, Erdbeben und Plünderungen heimgesuchte Kirche wurde im Lauf der Jahrhunderte wiederholt restauriert. Sie war der erste Monumentalbau der Christenheit in Form einer fünfschiffigen Säulenbasilika. Heute ist sie für die Päpste die Kirche, in der sie ihre Funktion als Bischof von Rom ausüben.

„Ihr seid Gottes Bau“

Steinerne Gebäude, so geschichtsträchtig und künstlerisch ausgeschmückt sie auch sein mögen, sind nicht das Wesentliche der Kirche. Es ist die immer von zerstörerischen Kräften bedrohte Gemeinschaft der Gläubigen: „Ihr seid Gottes Bau“ (1 Kor 3,9) sagt Paulus der Gemeinde von Korinth zu. Das Fundament dazu hat niemand anders als Jesus Christus gelegt.

Anscheinend musste der Erinnerung der Korinther auf die Sprünge geholfen werden: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ Jeder und jede sollen darauf achten, wie sie diesen Tempel weiterbauen.

Kirchen werden zerstört und neu aufgebaut

Die Lesungen zum Weihetag der Lateranbasilika / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Nach den Gebeten des Tages will Gott sich „aus lebendigen und erlesenen Steinen ein ewiges Haus“ erbauen, letztlich sind die Gläubigen „das Haus, in dem deine Herrlichkeit wohnt“. Darauf gibt es allerdings keine Garantie, so erlebte schon Israel den Auszug Gottes aus Jerusalem und aus dem Tempel, fort von den Seinen. Der Prophet Ezechiel schaut später in einer Vision die Rückkehr Gottes, der in den neuerbauten Tempel einkehrt. Gottes neue Gegenwart bringt den Menschen, die sich in seinem Haus treffen, heilbringende Wirkung, was Ezechiel mit den Segensbildern von der Tempelquelle und dem wasserreichen Paradies schildert.

Der Erste Jerusalemer oder Salomonische Tempel wurde bei der Eroberung Jerusalems durch die Neubabylonier 587/586 v. Chr. zerstört. Der Zweite Tempel fiel römischen Truppen 70 nach Christus zum Opfer durch römische Truppen, die ihn plünderten und in Brand setzten. Er wurde nie wieder aufgebaut. Wie viele Kirchen wurden errichtet, durch Kriege zerstört und neu aufgebaut?

Welche Kirchen werden noch gebraucht?

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man in Deutschland erstaunlich rasch die zerbombten Heiligtümer wieder auf. Zudem entstanden viele neue Kirchen. Heute jedoch überlegt jede Diözese, welche Kirche noch wie genutzt werden kann, welche Investitionen sich noch lohnen oder welche Gebäude entbehrlich sind. Was würde denn fehlen, wenn diese oder jene Kirche in Stadt oder Dorf abgerissen oder in ein Shopping-Center, ein Altenheim, ein Kolumbarium, eine Herberge oder eine Fahrradgarage umgebaut würde? Städteplaner machen darauf aufmerksam, dass markante Orientierungspunkte fehlen würden, Architekten gehen in Wettbewerbe zur Umgestaltung von Sakralbauten.

Rom hat so viele Kirchen, würde da eine Lateranbasilika fehlen? Im 14. Jahrhundert wurde San Giovanni durch zwei Feuersbrünste schwer beschädigt und beide Male erneuert wieder aufgebaut. Im 17. Jahrhundert war sie wegen Vernachlässigung baufällig geworden, musste stabilisiert werden und erhielt eine barocke Ausgestaltung. Sie ist bedeutsam als älteste Basilika des Westens und älteste öffentliche Kirche in Rom.

Menschen brauchen Orte der Sammlung

Markante Gebäude wie sie setzen mitten in die Wohnorte den Akzent des Besonderen, des Wesentlichen und des Heiligen. Menschen brauchen Räume der Konzentration, Orte der Sammlung, weil sie Rat in ratloser Zeit, weil sie Halt in haltloser Zeit suchen. Die Türme der Kirchen sind steinerne Fingerzeige, über das bloße Hier und Jetzt hinauszudenken, mit größeren Dimensionen zu rechnen.

Heilige Orte bieten Raum dafür. Benedikt sagt ganz im Sinne Jesu, der in heiligem Zorn den Tempel von allem reinigte, was nicht dorthin gehörte, den Mönchen in seiner Regel: „Das Oratorium sei, was sein Name besagt, Haus des Gebetes. Nichts anderes werde dort getan oder aufbewahrt.“

Sämtliche Texte der Lesungen zum Weihetag der Lateranbasilika / Lesejahr C finden Sie hier.

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