Anzeige
Gottes Wort trifft immer seltener auf offene Ohren. Warum Weihnachten ein Neuanfang sein kann, erklärt Pater Daniel Hörnemann OSB.
Außen stehen die Ruinen des alten belgischen Trappistenklosters, das die französische Armee 1793 niedergebrannt hat, neben der 1926 neu errichteten Klosterkirche von Orval in der Provinz Luxemburg. Wer sich nach drinnen in die riesigen unterirdischen Kavernen aus dem 18. Jahrhundert unter der neuen Kirche begibt, wird am Ende des Durchgangs überrascht von der besonderen Atmosphäre des „Oratoire du Verbe“, dem „Oratorium des Wortes“.
Hier herrscht das ganze Jahr über Weihnachten. In Zusammenarbeit des Architekten Jean-Marie Duthilleul, der Bildhauerin Geneviève Bayle, des Lichtdesigners Patrick Rimoux und der Möbeldesigner Bruno und Nicole Martin entstand 2022 ein Raum der Stille, in dem der Besucher mitgenommen wird in eine Bewegung, die zu herrlichem Licht führt.
Wie das Tor ins ewige Licht
Die Lesungen von Weihnachten - Am Tag / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Symbolische Orte in diesem dunklen Kellerraum sind ein Lesepult, ein Brunnen, die leere Krippe, eine als Schatten erscheinende Frau, die Passionskreuze und das Licht der Auferstehung. Anfang und Ende der Bewegung: Die mit einem weißen Tuch bedeckte Krippe erstrahlt genauso wie das Tor ins ewige Licht.
Die Elemente des Oratoriums sind ein bildgewordener Nachhall aus dem Johannes-Evangelium des Ersten Weihnachtstags und helfen, den Prolog zu meditieren, vom Eintritt Jesu in diese Welt, seine Lebens- und Leidenszeit bis zu seiner Auferstehung in die Ewigkeit Gottes hinein. Die ganze Tragik seines Weges fasst Johannes in den Satz zusammen, „die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Es liegt in der Freiheit eines jeden Menschen, das „Wort“ anzunehmen oder abzulehnen.
Nicht alle wollen Gottes Wort hören
Weihnachten ist das Fest der Annahme des Lichtes auf dem dunklen Hintergrund der Möglichkeit der Verweigerung. Längst nicht bei allen Menschen stößt das Gotteswort auf Wohlgefallen. Die Schritte des Freudenboten (Jes 52,7) von Frieden und Befreiung sind nicht allen willkommen. Nicht alle wollen die Botschaft hören, dass Gott sich tatsächlich um uns Menschen kümmert. Denn allzu viel in dieser Welt scheint dagegen zu sprechen. Immer wieder wurde vor allem in bedrängten Zeiten Gottes Wort durch die Propheten „vielfältig und auf vielerlei Weise“ (Hebr 1,1) zu den Menschen gebracht, die sich jedoch nur zum Teil darauf einlassen wollten und konnten.
Gott hat aber nicht aufgegeben, sondern am Ende sein menschgewordenes Wort sprechen lassen, das fortan unauslöschlich in dieser Welt steht und mit göttlicher Geduld auf Gehör wartet. Postler und Paketdienstleister können von „Annahmeverweigerung“ manches Lied singen. Empfänger wollen eine Sendung nicht entgegennehmen. Der Zusteller nimmt sie daher ins Depot zurück. Nach ein bis zwei Tagen wird die Sendung zum Absender zurückgeschickt, mit oder ohne Begründung.