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Jeder Mensch ist wertvoll. Was die Tischgemeinschaft Jesu mit dem Zöllner für uns bedeutet, erklärt Max Weiß in seiner Auslegung.
„Lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Brandopfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ In diesem Wort Jesu zeigt sich eine Wahrheit, die bis heute anstößig bleibt. Gott ist kein moralischer Buchhalter, kein himmlischer Verwalter menschlicher Verdienste, sondern ein Gott der Barmherzigkeit. Ein Gott, der nicht taxiert, sondern einer, der uns aufrichtet und ansieht, mit Augen der Liebe.
Die Szene beginnt unscheinbar. Jesus sieht Matthäus, den Zöllner. Einen Kollaborateur, einen, der sich mit der Besatzungsmacht gemein macht, verachtet von den Frommen. Er gehört zu jenen, über die das Urteil längst gefällt ist. Doch Jesus sieht nicht eine Geschichte von Schuld, sondern den Menschen selbst. Immer wieder zeigt uns das Evangelium diese Kraft des göttlichen Blickes. Wo wir den Sünder ausmachen, da sieht Jesus den Berufenen. So reicht ein einziger Satz: „Folge mir nach!“ Keine Vorbedingungen, kein Aber. Die Gnade Gottes funktioniert nicht wie ein Belohnungssystem, nein, sie ist der Anfang aller Verwandlung. Gott wartet nicht auf unser Handeln, er kommt uns immer zuvor.
Was Tischgemeinschaft bedeutet
Sämtliche Texte der Lesungen vom 10. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A finden Sie hier.
So sitzt Jesus wenig später mit Zöllnern und Sündern am Tisch. Das Mahl wird zum Gleichnis Gottes. Im biblischen Denken bedeutet Tischgemeinschaft immer mehr als bloße Geselligkeit: Sie bedeutet Anerkennung, Frieden, Zugehörigkeit. Jesus schenkt Gemeinschaft noch dort, wo die Welt sie längst entzogen hat. Die Pharisäer reagieren empört und ihre Empörung ist keineswegs unverständlich, denn Religion lebt oft von Grenzziehungen. Sie ordnet die Welt in rein und unrein, gerecht und sündig, drinnen und draußen. Doch Jesus verschiebt diese Maßstäbe. Nicht die Abgrenzung offenbart Gott, sondern die Barmherzigkeit.
Jesus paraphrasiert hier den Propheten Hosea: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis, statt Brandopfer.“ Hosea geht es nicht um die Erfüllung kultischer Pflichten, es geht ihm um die Erkenntnis Gottes, durch das Herz. Die Kritik richtet sich nicht gegen das Kultische an sich, wohl aber gegen eine Frömmigkeit, aus der keine Barmherzigkeit erwächst.