BIBEL AM SONNTAG (20. SONNTAG/A)

Pater Daniel Hörnemann: Die Liebe kennt keine Farbe

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Die Nähe Gottes gilt nicht geschlossenen Gesellschaften. Sie zielt auf alle, erklärt Pater Daniel Hörnemann und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Die Suche nach weiblichen Identifikationsfiguren und Glaubensvorbildern in der Heiligen Schrift ist durchaus nicht vergeblich. Dass und wie Jesus mit Frauen kommuniziert, zeigt sich im Markus-Evangelium am Beispiel der Syrophönizierin, die ihn um die Heilung ihrer Tochter von einem Dämon bittet. Auch wenn Jesus sie zunächst nicht einmal einer Antwort würdigt und als Heidin mit Hunden gleichsetzt, diese Frau lässt sich davon nicht mundtot machen. Den Jüngern Jesu fällt sie bereits lästig, sie befürchten, sie würde ihnen hinterherschreien und großes Aufsehen erregen. Für Jesus ist eine Lehr- und Lernstunde gekommen. Welche Lektion sollte er lernen?

Irritierendes Jesusbild

Das Evangelium mutet uns ein irritierendes Jesusbild zu: Der Heiland will nicht heilen. Zunächst hält er sich an die gängigen Spielregeln, als Jude eine Nichtjüdin nicht zu beachten und nicht auf ihr drängendes Anliegen einzugehen. Dabei hatte sie ihn von Anfang an richtig angeredet als „Herr, du Sohn Davids“ und ihn damit als Messias anerkannt. Ein starker Disput entsteht.

In der Folge wird deutlich, dass Jesus lernfähig und lernwillig ist und seine inhaltliche Position ändert. Durch diese Frau lernt er, dass Gottes Heil umfassender ist als eine bloße Sendung in Richtung Israel. Gottes Heil ist nicht exklusiv für Israel gedacht, sondern universal intendiert. Jegliche Abwertung von Menschen aus anderen Völkern ist somit aufgehoben. Das war bereits die Position des Tritojesaja nach der Rückkehr Israels aus dem babylonischen Exil: Das Heil Gottes ist für alle Menschen da, in seinem Tempel ist Platz für alle, auch für die Fremden, die sich dem Herrn anschließen. Sein Haus „wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden“ (Jes 55,7). Da gibt es keine Exklusivität. Dieselbe Botschaft schreibt Paulus als „Apostel der Heiden“ der Gemeinde in Rom: Gott will sich aller erbarmen (Röm 11,32).

Altes Problem

Die Lesungen vom 20. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.

Das Evangelium macht deutlich, dass das Ausländerproblem uralt ist. Für die Israeliten waren alle Nicht-Juden minderwertige Menschen, vor denen sie nicht den geringsten Respekt haben durften, denn nur sie waren das auserwählte Volk Gottes.

Ein solcher Glaube ist heute noch in Israel lebendig. Die völlige Respektlosigkeit sehr vieler Israelis gegenüber den Palästinensern führt täglich zu schrecklichen Ausschreitungen, bei denen sogar Kinder erschossen und Häuser wie ganze Dörfer in Brand gesteckt werden. Aber all das scheint erlaubt, denn diese anderen sind ja nur minderwertige Nicht-Juden. Das Unrecht wird nicht verfolgt und geahndet. Von gegenseitiger Akzeptanz ist man noch sehr weit entfernt.

Mutig und schlagfertig

Die Ausländerin im Evangelium bleibt in all ihrer Not und Sorge um ihre Tochter beharrlich, hartnäckig, selbstbewusst, mutig und schlagfertig. Jesus erfährt den Hinweis, dass er nicht nur für die Juden da ist und seinem Wirken im göttlichen Auftrag keine politischen, sozialen oder religiösen Grenzen gesetzt sein dürfen.

Vorbildlich an dieser Frau sind ihr Mut und ihre Risikobereitschaft. Sie lässt sich nicht abweisen und setzt sich durch. Von ihr geht der erste Schritt aus, sie ist bereit, sich helfen zu lassen. Dazu setzt sie in Jesus all ihr Vertrauen, trotz seiner anfänglichen Abweisung, und ihre Hoffnung auf göttliche Hilfe. Es braucht Mut, das eigene Schicksal in die Hand zu nehmen, allen Hürden, Vorbehalten und traditionellen Konventionen zum Trotz.

Die Liebe kennt keine Farbe

Deutlich wird: Die Nähe Gottes ist nicht reserviert für bestimmte geschlossene Gesellschaften, sondern auf alle Menschen ausgerichtet. Hass und Fremdenfeindlichkeit, mit denen rechte Bauernfänger auch in unserem Land politisch agieren, die alle von ihnen für andersartig aufgrund ihrer Rasse, Herkunft oder Religion deklarierten Menschen ausgrenzen wollen, dürfen keinen Platz haben.

„La charité ne connaît pas de couleur” ist mir aus einer belgischen Predigt in Erinnerung, „die Liebe kennt keine Farbe“, erst recht keine Einteilung in Schwarz und Weiß. Paulus formuliert es im Galaterbrief (3,28) so: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus.“ Frauen gehörten selbstverständlich zur Gesellschaft Jesu. Er sammelte nicht nur Männer um sich. Die Kirche lebt von Männern wie von Frauen aus aller Welt. Das wird für Sein oder Nichtsein der Kirche der Zukunft von größter Wichtigkeit sein.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 20. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A finden Sie hier.

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