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Versuchungen sind in unserem Alltag allgegenwärtig, nicht nur in der Fastenzeit. Wer ihnen widerstehen kann, kann sich auf Freiheit freuen.
Jesus in der Wüste! Derselbe Geist, der ihn gerade noch in der Taufe ergriffen hat, führt ihn jetzt in die Wüste. An keinem Ort der Welt ist Jesus und sind wir von allen guten Geistern verlassen. Gott führt nicht in Versuchung, sondern durch sie hindurch! „Du bist mein geliebter Sohn“, hieß es noch bei der Taufe; diese Zusage wird jetzt herausgefordert: „Wenn du Gottes Sohn bist“. Von Anfang an führt Jesu Weg in eine Welt, in der buchstäblich der Teufel los ist. Jesus bewährt sich, indem er seiner Sendung treu bleibt.
Das eigentlich Bemerkenswerte ist, dass sich Jesus und der Teufel Bibelzitate um die Ohren hauen. Auch der Teufel kennt die Bibel und steigt sogar auf den Tempel, was für eine Provokation! Jesus lässt sich vom Wort Gottes leiten und zitiert jedes Mal aus dem Buch Deuteronomium. Damit ist Jesus der neue Mose.
Auch Jesus erlebt seine Krisen
Für uns heute bekommt der Text eine andere Bedeutung. Wir denken an die Versuchungen, denen wir ausgesetzt sind. Die Süßigkeiten in der Fastenzeit, die Kirschen in Nachbars Garten, die erste Liebe – durch solche kindlichen Assoziationen wird das Wort Versuchung zu einer großen Münze mit kleinem Wert. Dabei geht es bei den Versuchungen um eine viel größere Frage: Fremdbestimmung oder Selbstbestimmung? Letzten Endes geht es um die von Gott geschenkte Freiheit.
Jede Versuchung führt in eine Krise. Demnach erlebt Jesus wie jeder Mensch seine Krisen, und manchmal sind es tiefste Lebenskrisen, bei denen es ums Ganze geht. Krise bedeutet Urteil und Entscheidung. Krisen haben den Sinn, uns vor Entscheidungen zu stellen, denen wir nicht ausweichen können und in denen wir ganz gefordert sind. Ich kann mich nicht nur entscheiden, ich muss mich entscheiden, wenn ich wachsen und reifen will.
Er stellt sich ihnen
Die Lesungen vom 1. Fastensonntag / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.
Jesus lässt die Krise nicht einfach über sich kommen, er nimmt sie ernst und stellt sich ihr. Vielleicht ist der Teufel nur eine Personifizierung dieser Krise, die Dreizahl der Versuchungen deutet überdies darauf hin, dass die Geschichte symbolhaften Charakter hat.
Was will dieser dreifache Krisenmacher? Er will, dass Jesus sich in der Welt sicher fühlt. Dass er sich nicht auf Gott verlässt, nicht auf die von ihm geschenkte Freiheit, sondern auf eigene Sicherheit. Dafür steht: Brot im Überfluss, Herrschaft über andere, Anerkennung und Beifall. Das entspricht den drei Grundstrebungen des Menschen, die sich positiv wie negativ auswirken können: das Streben nach Nahrung und Genuss, das in Gier, Habsucht und Konsumverliebtheit umschlagen kann; das Streben nach Herrschaft und Macht, das zur Diktatur verkommen kann; schließlich das Streben nach Anerkennung und Prestige, das zu Narzissmus und Eitelkeit führen kann.
Die christliche Trias