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Jesus fordert zum Verzicht auf. Warum das befreien kann, erläutert Pastoralreferentin Jessica Tomkin in ihrer Auslegung der Lesungen dieses Sonntags.
Manchmal gibt es Sätze, die sich nicht sofort einordnen lassen. Sie klingen hart, sperrig, nicht gerade einladend, aber sie bleiben hängen. Einer dieser Sätze steht am Ende des Sonntags-Evangeliums: „Wer nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet, der kann nicht mein Jünger sein.“ Kein leichter Satz. Kein Wort, das sich gut auf eine Postkarte schreiben lässt. Und doch steht er da: Unmissverständlich und herausfordernd.
Jesus spricht diese Worte nicht irgendwo im geschützten Raum. Er ist unterwegs, begleitet von vielen Menschen. Vielleicht wollen sie einfach nur zuhören. Vielleicht hoffen sie auf Trost oder ein Wunder. Vielleicht sind sie einfach neugierig. Und Jesus? Der dreht sich um, bleibt stehen und sagt Sätze, die so klingen, als wolle er die Menschen abschrecken: Wer mir folgen will, soll alles zurücklassen – Besitz, Familie, ja sogar das eigene Leben. Das klingt radikal. Und das ist es auch.
Volles Risiko
Die Lesungen vom 23. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.
Aber wenn wir bedenken, wann das Lukas-Evangelium aufgeschrieben wurde, ungefähr im Jahr 90 n. Chr., wird etwas klarer, worum es geht. Christenverfolgung war Realität. Wer sich damals zu Jesus bekannte, konnte nicht davon ausgehen, dass das Leben einfach so weiterläuft. Wer sich für diesen Weg entschied, tat es mit vollem Risiko. Und mit dem Bewusstsein: Ich kann nicht beides haben, ein gesichertes Leben und die Nachfolge Jesu. Es musste eine Entscheidung fallen.
Dazu kam die Hoffnung, dass Jesus bald wiederkehrt. Es blieb keine Zeit, sich um alles gleichzeitig zu kümmern. Der Glaube war kein Hobby. Wer an das Reich Gottes glaubte und seine Botschaft verbreiten wollte, musste Prioritäten setzen.
Wozu Kirche?
Heute ist das anders. Wir im Bistum Münster leben in einer freiheitlich geprägten Gesellschaft, die auf den Fundamenten europäischer Aufklärung, humanistischer Werte und christlicher Tradition gewachsen ist. Der Glaube kostet uns selten etwas, außer vielleicht Zeit oder Aufmerksamkeit. Genau darin liegt eine andere Herausforderung. Viele fragen sich: Wozu Kirche überhaupt noch? Die Gottesdienste werden leerer.
Sakramente sind kein selbstverständlicher Teil des Lebens mehr. In eine Kirche in meinem Pastoralen Raum ist inzwischen ein Fitnessstudio eingezogen, mit Slogans wie: Church Sports. Fitness- und Gesundheitszentrum in göttlicher Atmosphäre. Machst du noch Sport oder trainierst du in der Kirche? Die Werbestrategie mag charmant sein, aber Jesus würde wahrscheinlich anders formulieren: Entscheide dich.