BIBEL AM SONNTAG (25. SONNTAG / C)

Julia Riedl: Die Buchführung unseres Lebens

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Worauf kommt es im Leben an? Auf finanzielle Reichtümer wohl nicht, erklärt Julia Riedl und legt die Lesungen dieses Sonntags aus.

Eine Finanzbeamtin, die Gelder veruntreut, oder ein Politiker, der seinen Einfluss für einen anschließenden Posten nutzt, das sind kaum Figuren und Handlungsweisen, die wir als gutes Beispiel in einem Gleichnis erwarten. Das Evangelium dieses Sonntags ist wohl eines der schwierigsten, weil der dort gelobte unehrliche Mann nicht so recht zu unseren sonstigen Vorstellungen von (Un-)Gerechtigkeit passen will. Das hat er schon zur damaligen Zeit nicht und genau das nutzt Jesus auf spannende Art.

Die Hauptperson in seinem Gleichnis ist Verwalter. Er arbeitet für einen reichen Herrn und soll dabei unzuverlässig mit dessen Vermögen umgegangen sein. Daher steht ihm die Entlassung bevor. Beunruhigt über seine Zukunft überlegt er, wie er Menschen wohlgesonnen stimmen kann, damit sie ihn aufnehmen. So erlässt er den Schuldnern seines Arbeitgebers heimlich einen Teil ihrer Schulden. Absolut berechnend, unehrlich und betrügerisch. Als Reaktion wird er daraufhin gelobt! Irritation ist ein wirksames stilistisches Mittel.

Wir alle sind Verwalter

Die Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.

Um Jesu Botschaft nicht misszuverstehen, muss man allerdings hinter diese schauen. Denn Jesus will mithilfe dieses vertrauten, negativ konnotierten Beispiels einen bestimmten Punkt veranschaulichen, ohne die Sache selbst gutzuheißen. Ihm geht es um „das Himmelreich“. Dieses Thema durchzieht das gesamte Gleichnis: in Begriffen wie „Rechenschaft“, in Bildern wie dem der „ewigen Wohnung“. In direkter Parallele werden die Handlungen des Verwalters, die ihm eine Aufnahme in die Häuser nach dem Ende seines Arbeitsverhältnisses ermöglichen sollen, der Aufforderung zu vorsorgenden Handlungen für die Aufnahme in die ewige Wohnung nach dem Ende unseres weltlichen Lebens gegenübergestellt. Das Gleichnis ist eine Warnung, die schon im Appell deutlich wird: „Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung!“

Wenn man das Gleichnis durch diese Brille noch einmal liest, ergibt sich folgendes Bild: Wir alle sind Verwalter. Als solche arbeiten wir für Gott, unseren Herrn. Er vertraut uns dabei Güter an, mit denen wir zuverlässig umgehen sollen. Wir sollen unsere jetzigen Möglichkeiten so nutzen, dass wir uns damit unseren Platz im Himmelreich verdienen.

Dabei kommt es natürlich nicht darauf an, möglichst viel Mammon – also Geld – zu erwirtschaften um des Geldes willen. Dann wären wir Sklaven dieses Geldes. Das Zentrum muss Gott bleiben. Ihm dienen wir – indem wir den Mammon richtig einsetzen. Andernfalls würde man nicht nur die ungerechte Verteilung des Geldes fortsetzen und diejenigen, denen es fehlt, ihrer Möglichkeiten berauben.

Was ist „Mammon“?

Der Begriff „Mammon“ kommt vom griechischen „mamonas“ bzw. dem aramäischen Stamm „aman“. Dieser wiederum bedeutet so viel wie „trauen, vertrauen“. Man vertraut auf Geld und Besitz für ein gelingendes Leben. Die Reichtümer in diesem Leben aber sind vergänglich und ihnen nachzujagen verhindert oft, sich um das kommende Leben zu kümmern. Dann ist der Mammon, selbst wenn man viel davon besitzt, dennoch ungerecht zu einem selbst, weil er den Blick für das Wesentliche trübt. Die Zusammenstellung der Lesungstexte unterstreicht die Vorstellung von einem rechtschaffenen Lebensstil: Der Prophet Amos verkündet Gottes Missfallen gegenüber geldgierigen Machenschaften, die nur dem eigenen Vorteil dienen und auf Kosten der Armen und Gebeugten des Landes betrieben werden.

Die Kombination mit dem Brief des Paulus an Timotheus wirkt dagegen eher komplementär. Paulus' dringliche Aufforderung zum Gebet verdeutlicht die Stärke der „Kinder des Lichtes“ gegenüber den „Kindern dieser Welt“. Sie betrachten das Leben in Beziehung zu Gott und können das Gebet als weiteres Mittel – neben dem Mammon – nutzen, um es positiv zu beeinflussen.

In der Exegese jedenfalls wird davon ausgegangen, dass der reiche Arbeitgeber des Verwalters sein Vermögen dadurch erreichte, dass er hohe Zinsen für seine Handelstätigkeit von den Produzenten genommen hat. Diese Zinsen erlässt nun der Verwalter den Schuldnern, indem er die Anzahl der Ölfässer und Weizensäcke in den Büchern anpasst. So gesehen stellt er eine gewisse Gerechtigkeit wieder her, indem er das ungerechte Verhalten seines Arbeitsgebers korrigiert. Bleibt die Frage an uns, in welchem Verhältnis wir zum Mammon stehen und ob unserer Buchführung einem prüfenden Blick standhalten wird.

Sämtliche Texte der Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C finden Sie hier.

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