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Der zweite Sohn sagt Ja, ohne es zu meinen. Der erste Sohn sagt Nein und hinterfragt sich. Was ist die christliche Haltung?
„Ist doch klar, dass diese Politiker nichts hinkriegen“, „Typisch, von einem Bischof kann man nichts anderes erwarten“, „Ich hab’s gewusst, dass die Beziehung scheitert – bei so einer Schwiegertochter!“ Einschätzungen, was von einer Person oder Sache zu halten ist, gehen mir schnell von der Hand. Ich bilde mir ein Urteil – und das steht. Gegenläufige Argumente erreichen mich dann kaum noch.
Auch für die Hohepriester war klar, in welche Schublade Jesus gehört. Er hielt sich nicht ans Gesetz und maßte sich eine Sonderrolle an. In der Blase der damaligen religiösen Elite war Jesus unten durch. Was er tat und sagte, bestätigte ihr Feindbild. Ihr Narrativ ließ keine andere Deutung zu: Jesus muss bekämpft werden – bevor es zu spät ist.
Viele Feindbilder
Die Lesungen vom 26. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Feindbilder gibt es derzeit in- und außerhalb der Kirche jede Menge. Wer das Renteneintrittsalter erhöhen will, ist unsozial. Wer findet, die Energiewende laufe überhastet, muss sich warm anziehen. Katholische Christen, die Verheiratete und Frauen zur Priesterweihe zulassen möchten, sind schismatisch.
Das Evangelium ist eine Einladung, innere Trutzburgen zu hinterfragen. Vorbild ist der Sohn, der die Weinbergsarbeit zunächst ablehnt, sich aber eines Besseren besinnt.
Dieser Sohn ist nicht nur ein Mann der Tat, sondern steht für Bereitschaft zur Umkehr. Matthäus vergleicht ihn mit Zöllnern und Dirnen – das sind in diesem Bild Menschen, die um ihre Grenzen wissen. Sie sind nicht blockiert durch die Überzeugung, alles richtig zu machen. Diese Menschen hören auf den Ruf des Täufers und sind bereit, sich zu ändern.