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Vor 25 Jahren wurde Schwester Euthymia seliggesprochen. In ihrem Geist legt ihre Mitschwester Elisabethis Lenfers die Lesungen dieses Sonntags aus.
In dem Buch „Urworte des Evangeliums“ schreiben viele Personen von ihrer Suche, wie die Botschaft Jesu heute lebendig, ehrlich und überzeugend vermittelt werden kann. Auch Schwester Euthymia wird benannt, war sie doch wichtige Jahre ihres Lebens mit der Pflege von Kriegsgefangenen in der Krankenbaracke in Dinslaken tätig. Ihr Wirken überzeugt bis heute.
Die Geschichte vom Weinbergbesitzer und den gierigen Winzern ist der Auftakt des Sonntags-Evangeliums. Ich will diese Jesus-Erzählung bewusst hören und stelle mich mit anderen aufmerksam Suchenden in Jesu Nähe – wie damals viele Menschen und die Religionsführer. Haben Letztere wohl verstanden, dass Jesus seine eigene und auch ihre Geschichte vorwegnahm?
Ist der Weinberg Golgotha?
Als nachösterliche Menschen können wir sie heute so deuten: Jesus ist der Sohn des Weinberg-Besitzers. Die Winzer sind die Religionsführer. Jesus bringt deren vorhandene Denkmuster, Vorschriften und Gesetze ins Wanken. Sie verstehen sich als die Herren und Lenker des Glaubens, sie haben immer wieder neue Gesetze und Vorschriften erlassen, nicht selten zu ihrem eigenen Vorteil. Jesus stirbt durch ihre Machenschaften einen schmählichen Tod am Kreuz. Doch am dritten Tag steht er auf von den Toten.
Heute erzählt der Auferstandene uns seine Geschichte vom Weinberg. Kann der Weinberg wohl Golgotha heißen? Ist dann nicht das Kreuz der Weinstock? Fließt aus dem durchstochenen Herzen des Gekreuzigten der reife, gekelterte Wein, über den Jesu Worte gesprochen werden: „Nehmet und trinket alle daraus. Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes!“ (vgl. 1 Kor 11,24).
Gekreuzigter als Eckstein
Die Lesungen vom 27. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A zum Hören finden Sie hier.
Der Weinberg-Erzählung fügt Matthäus ein weiteres, bedeutungsstarkes Wort Jesu an: das Gleichnis vom Eckstein, den die Bauleute verworfen haben. Der Eckstein ist nicht aus Gold und Silber. Der Eckstein ist der Gekreuzigte und Auferstandene. Seine Krone ist aus Dornen, seine Erfahrungen sind Kreuz und Leid, Spott und Hohn. Seine Qualität ist Barmherzigkeit, Demut, ewige Liebe.
Und wir, die Getauften, die Kirche? Das Buch Genesis erzählt uns: „Gott formt den Menschen aus dem Lehm der Erde und bläst in unsere Nase seinen Atem. So wird der Mensch zu einem lebendigen Wesen“ (Gen 1,27). Wir sind die lebendigen, geistvollen Erd-Steine für den Christus-Bau; die Kirche tragend, gestaltend, einmalig, ein jeder Stein unverzichtbar. Wir bilden gemeinsam einen von Christus gestalteten Raum in der Welt, in dem gefeiert, gebetet, gelebt und geliebt, geweint und geteilt, gedankt und getanzt, in aller Vielfalt und Einfachheit. Der Kelch des Heils und der Eckstein, Ur-Worte Jesu, führen und halten uns zusammen.