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Früher war alles besser. Diesen Spruch kennt jeder. Doch birgt er damals wie heute Gefahren, weiß Weihbischof em. Geerlings und legt die Lesungen aus.
Von schwerem Ärger, von „Murren“ ist die Rede in der 1. Lesung der Liturgie vom Fest Kreuzerhöhung. Da ist die Geduld auf dem Nullpunkt, in der Wüste: „Warum habt ihr uns aus Ägypten herausgeführt?“ – „Wüste“ hat wohl einen tiefen Sinn: hier lernen sich Gott und Volk zunächst kennen, wo es still ist, wo man miteinander allein ist: Wüstenzeit – real oder im übertragenen Sinn. In dieser Wüstenzeit spielt unsere Lesung.
Das Volk will auf einmal von Gott (und Mose) nichts mehr wissen. Die Wüste mit all ihren Schwierigkeiten haben sie satt, das ganze Gerede von Freiheit. Hätten wir nicht besser in Ägypten bleiben können? Da hatten wir wenigstens genug zu essen. So wird die Vergangenheit verherrlicht. Dahin zurück! Früher war alles besser. Nein, mit diesem Gott nicht mehr! Mitten in der Wüste ein Aufstand.
Früher war alles besser?
Die Lesungen vom Fest Kreuzerhöhung im Jahreskreis / Lesejahr C zum Hören finden Sie hier.
Die Strafe Gottes kommt mit dem Gift von Schlangen. Sie stehen zeichenhaft für Ägypten. Eine Kobra ziert die Krone des Pharao: Komm ihm nicht zu nahe! Es scheint, dass diese sehr archaisch anmutende Schlangengeschichte mitten in der Wüste an Ägypten erinnern soll, wie es wirklich war: die Hölle auf Erden. Hier haben wir einen Weckruf gegen die Verherrlichung der Vergangenheit.
Viele Menschen hier und heute erleben die Gegenwart als Wüstenzeit, als Durststrecke und Dürre. Ihre Klage: Früher war alles besser – als seien wir heute im Nirgendwo. Wir erleben demonstrierende Gruppe mit Fahnen, Symbolen und Sprechchören, die von schrecklicher Vergangenheit leben. „Wer die Vergangenheit glorifiziert, wird von ihren Schatten gestochen.“ In unserer Lesung aus dem Buch Numeri setzt die Sehnsucht der Rückkehr nach Ägypten das Schlangengift frei.
Dann aber geschieht Erstaunliches. Das Volk, zumindest solche, die aus ihrer Kurzsichtigkeit und ihrer „Geisteskürze“ (Martin Buber) herausfinden, bereut seine Sünde und fordert Mose zum Gebet auf, dass Gott „von den Schlangen befreit“, von den Schlangen Ägyptens! Die Giftgeschichte wird eine Heilungsgeschichte. Gott selbst gibt das Gegengift zu den Schlangen. Wer als Gebissener die auf einer Stange „erhöhte“ metallene Schlange anblickt, der wird geheilt.