Eröffnung am Samstag im Museum Relígio

Ausstellung »Gott³« in Telgte über Beziehungen der Religionen

Im Magazin des Museums Relígio zeigt Anja Schöne ein Rundschild aus dem 17. Jahrhundert.
Wertvolles Ausstellungsstück: Im Magazin des Museums Relígio zeigt Anja Schöne ein Rundschild aus dem 17. Jahrhundert. Es stammt aus einer so genannten »Türkenbeute«, Beutekunst aus den Kriegen des Osmanischen Reiches gegen das christlich geprägte Europa. Foto: Michael Bönte

Martin Luther gab den Impuls für diese Ausstellung – mit seinen nicht unumstrittenen Schriften zum Judentum und zum Islam. »In weiten Teilen übernahm er den mittelalterlichen Antijudaismus«, erklärt die Leiterin des Museums Relígio in Telgte, Anja Schöne. Sein Verhältnis zu den Türken, die er mit dem Islam verband, war differenzierter. Luther forderte die Beschäftigung mit dem Koran, wetterte aber gegen den religiös motivierten Expansionskrieg der Türken im 16. Jahrhundert.

»Die Auseinandersetzungen zwischen den drei abrahamitischen Religionen hat auch eine lutherische Dimension«, beschreibt Schöne die Idee der Ausstellung »Gott³ – Juden, Christen und Muslime in ihrer Begegnung von Martin Luther bis heute«, die am 22. April eröffnet wird. Die Exponate nehmen die Besucher im Jahr des Reformationsgedenkens mit zum Anfang der Diskussionen: Auszüge aus Briefen und Schriften Luthers verdeutlichen seinen Standpunkt.

Teilen - streiten - tolerieren

Wichtig war es den Ausstellungsmachern, nicht in der Reformationszeit stehen zu bleiben. Das ist erkennbar, wenn drei Frauen aus den drei Religionen in einem Video ihre Antworten auf zentrale Fragen des religiösen Miteinanders geben. Die Rolle der Friedensbewegung oder Reformansätze sind dabei Themen. Den Beziehungen zwischen den Religionen, problematischen wie gelingenden, spürt die Ausstellung unter verschiedenen Überschriften nach: »Teilen« befasst sich mit den gemeinsamen Grundlagen, »Streiten« mit den Uneinigkeiten, »Stereotypisieren« greift Vorurteile auf, »Tolerieren« gegenseitigen Respekt.

»Vorurteile etwa werden in einer Kasperlepuppe deutlich, deren krumme Nase lange Zeit den Juden zugeschrieben wurde«, erklärt Schöne. »Die Gewalt gegenüber dem Fremden zeigt sich in einer zerbrochenen Marmortafel mit den Zehn Geboten aus einer Synagoge in Bocholt.« Sie wurde von den Nationalsozialisten zerstört und zeigt auf einem Splitter in hebräischer Sprache das fünfte Gebot »Du sollst nicht töten«.

Vom Burkini bis zu koscheren Lebensmitteln

Weitere Informationen im Internet: www.museum-telgte.de

Es sind nicht allein die vielen historisch bedeutsamen Ausstellungsstücke, die zur Auseinandersetzung mit den Religionen und ihren Sichtweisen einladen. Manchmal reichen einfache Gebrauchsgegenstände, die vor allem die heutigen Diskussionen in den Mittelpunkt rücken. Vom Burkini über politische Dokumente zum Thema Meinungsfreiheit bis hin zu koscheren Lebensmitteln, welche die wirtschaftliche Bedeutung für die Nahrungsmittelindustrie abbilden.

Anschaulich widmet sich die Präsentation dem theologischen Hintergrund, wenn die drei heiligen Schriften der Religionen präsentiert werden. »Wir stellen dabei die Fragen, wie wörtlich die Texte zu nehmen sind, wie sie interpretiert werden können oder ob das Verständnis eine Sache des Zeitgeistes ist«, sagt Schöne. »Nicht ohne in allen drei Büchern nach Antworten auf aktuelle Fragen zu suchen.« Dabei geht es um die Rolle der Frau, den Umgang mit Sexualität oder das Umweltbewusstsein.

Konzipiert wurde die Ausstellung in erster Linie für jugendliche Besucher. Lehrern und Schulklassen steht ein Paket mit Unterrichtsmaterialien für die Vorbereitung wie auch für den Besuch des Museums zur Verfügung – auch als Download auf der Homepage.
Schirmherrin der Ausstellung ist Annete Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Das Bistum Münster gehört zu den Förderern der Ausstellung.