Stücke aus der Provence, Neapel und dem Kloster St. Bernardin

Ausstellung im Stiftsmuseum Xanten zeigt besondere Krippen

„Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ heißen die ersten Zeilen eines bekannten deutschen Weihnachtsliedes. In diesem Jahr ist auch im Xantener Stiftsmuseum eine Ausstellung der schönsten Krippen aus der niederrheinischen Region zu sehen. Für Elisabeth Maas, stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums, ergab sich in diesem Jahr eine außergewöhnlich glückliche Situation.

Die neue Leiterin des nieder­rheinischen Museums für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer, Veronika Hebben, hatte entschieden, keine Krippenausstellung, sondern eine Ausstellung über die Heiligen Drei Könige zu organisieren. Damit war der Weg für Elisabeth Maas frei, die acht schönsten Krippen beim Kevelaerer Museum auszuleihen und in Xanten zu zeigen. „Eine solche Zusammenarbeit ist für beide Seiten fruchtbar“, erläuterte Hebben das Verfahren.

Prägnante Gesichter

Kein Museum könne heute alle Themen behandeln, und jedes Haus habe einen eigenen Blickwinkel auf die Werke. Die seit dem 17. Jahrhundert als Krippen bezeichneten Figurensammlungen zeigen biblische Episoden, hauptsächlich die Geburt Christi.

Maas ist von den Krippen fasziniert. Sie hat besonders die künstlerische Qualität der ausgestellten Krippen herausgearbeitet. „Oft kann man schon an der Kleidung sehen, aus welcher Zeit und aus welcher Region eine Krippe kommt“, sagt sie und zeigt auf eine Gruppe von Santon-Krippen in der Sonderausstellung.

Anmutige, junge Frau

Die Santon-Krippen der Provence zeigen vor allem neben der Heiligen Familie einfache Menschen aus den südfranzösischen Dörfern. „Die Gesichter der Santons sind besonders kunstvoll gearbeitet“, fährt Maas fort. „Maria ist als anmutige, schöne junge Frau mit einem makellosen Gesicht dargestellt. Josef ist ein ergrauter, gutmütiger älterer Mann. Und die Hirten haben besonders ausgeprägte Gesichtszüge: große geöffnete Münder, breite Nasen, Lachfalten um die Augen und Runzeln auf der Stirn lassen sie naturalistisch wirken“, sagt Maas.

Ein weiteres schönes Beispiel zeigt sich dem Betrachter in der „Lise-Berger-Krippe“. Um den Ruhepol mit dem schlafenden Christus und Maria, die sich rührend um Jesus kümmert, scharen sich männliche Figuren: Auf der rechten Seite Josef, der wohlwollend zuschaut und sich auf seinem Stab stützt. Auf der linken Seite stehen drei Hirten, die das Ereignis lebhaft erörtern. Diese Krippe wurde 1979 in der Provence von der Santon-Herstellerin Lise Berger geschaffen. Bei ihren Geschöpfen sind nur die Gliedmaße und die Köpfe aus Ton. Die übrigen Körperteile sind beweglich. Sie alle tragen Kleidung aus Stoffen, die unterschiedlich grob sind. Josef trägt eher orientalische Kleidung, die Hirten sind provenzalisch gewandet.

In einer Palast-Ruine

Die Santon-Krippe zeigt Menschen aus südfranzösischen Dörfern.Die Santon-Krippe zeigt Menschen aus südfranzösischen Dörfern. | Foto: Jürgen Kappel

Die größte Krippe der Ausstellung stand ursprünglich im Kloster St. Bernardin bei Hamb. In dem Mädchenkloster, 1852 von den Franziskanerinnen gegründet, lebten später Menschen mit Behinderungen. Die großformatigen Figuren, die an Weihnachten in der Kapelle aufgebaut wurden, waren für alle gut sichtbar. Die Szene war klassisch: Maria und Josef knieten neben dem Kind in der Krippe.

Die acht ausgestellten Krippen aus unterschiedlichen Epochen, gefertigt in Italien, Frankreich oder Deutschland, sind eine Leihgabe des Niederrheinischen Museums für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer. Die meisten Ausstellungsstücke stehen in Vitrinen. Für alle Szenen hat die Künstlerin Maren Felicitas Rombold aus Kleve einen stimmungsvollen Hintergrund gestaltet.

Glanzstück aus Neapel

Die prachtvolle neapolitanische Krippe in einer Palastruine aus dem 18. Jahrhundert gehört bis heute zu den wertvollsten Stücken der Ausstellung. „Das ist eines der Glanzlichter unserer Ausstellung. Sie wird in Neapel gefertigt. Die Figuren sind genauso gekleidet, wie man es damals getragen hat“, sagt Maas. „Maria und Josef schauen das Jesuskind liebevoll an. Ein Figurenpaar flankiert das Geschehen. Sie stehen für die einfachen Menschen.“

Die Ausstellung ist bis zum 3. Februar zu sehen. Das Stiftsmuseum ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Unter der Telefonnummer 02801/9877820 erteilt das Stiftsmuseum weitere Informationen zur Krippenausstellung.