Abschlussbericht der staatlichen Untersuchungskommission

Australien: Zehntausende Missbrauchsopfer – auch in der Kirche

Zehntausende Kinder und Jugendliche sind in Australien Opfer von sexuellem Missbrauch in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen geworden. Das geht aus dem Abschlussbericht der staatlichen Missbrauchskommission hervor. Zu den 189 Handlungsempfehlungen des mehrere zehntausend Seiten umfassenden Berichts gehören eine Abschaffung des Beichtgeheimnisses und des Pflichtzölibats für katholische Priester. Premierminister Malcolm Turnbull kündigte am Freitag an, im Januar ein Gremium zur Umsetzung der Empfehlungen einzusetzen.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Erzbischof Denis Hart von Melbourne, erneuerte seine „bedingungslose“ Bitte um Entschuldigung für das Leid der Betroffenen, denen Gerechtigkeit widerfahren müsse. Die „herrschende Kultur von Geheimnistuerei und Selbstschutz“ habe vielen Opfern und deren Familien „unnötiges Leid“ zugefügt.

Beichtgeheimnis und Zölibat abschaffen

Zur Kirchenprovinz Melbourne gehört das Bistum Ballarat, ein Brennpunkt des australischen Missbrauchsskandals. An der dortigen Vertuschung von Missbrauchsfällen soll als junger Priester auch Kurienkardinal George Pell beteiligt gewesen sein. Er steht derzeit in Melbourne wegen des Vorwurfs vor Gericht, als Priester in Ballarat zwei junge Männer sexuell belästigt zu haben.

Die Kommission empfiehlt den Kirchen unter anderem, die Eignung von Priesteramtskandidaten für den Umgang mit Kindern zu überprüfen – etwa durch psychologische Tests und eine psychosexuelle Einschätzung von externen Experten. Weiter solle jede Person, gegen die ein begründeter Missbrauchsvorwurf erhoben wurde oder die deswegen verurteilt ist, für immer aus der Seelsorge entfernt werden.

Bischof Vincent Long Van Nguyen, der als junger Mann in Australien selbst Opfer von Missbrauch in der Kirche geworden war, sagte als Reaktion auf den Bericht: „Unsere Verfehlungen der Vergangenheit können nicht ungeschehen gemacht werden. Aber wir stehen felsenfest zu unserer Pflicht, dass auch für die Zukunft unsere gegenwärtigen Verfahren zum Kinderschutz eine Sicherheit vor lüsternen Verhaltensweisen bieten.“