Paul Krüerke aus Münster hat Datenbank erstellt

Auszeit und Stille im Kloster finden – Internetseite hilft

Wer eine Auszeit im Kloster braucht, findet oft nach wenigen Minuten das Passende – und kann die Suche einstellen. Paul Krüerke aus Münster ist da anders. Er hat recherchiert, bis er mehr als 300 Klöster zusammengetragen hatte.

Zugegeben – er hat nicht für sich selbst gesucht, sondern eine Internetseite erstellt: www.stillefinden.org. Sie ist nach seinen Angaben die einzige in Deutschland, die neben katholischen – sie machen den Großteil aus – auch evangelisch und ökumenisch geprägte Klöster auflistet.

Filter nach Zielgruppen

Die Internetseite ist für Nutzer kostenlos. „Schließlich bieten auch die allermeisten Klöster ihr Angebot aus geistlicher Motivation heraus und nicht gewinnorientiert an“, sagt Krüerke. Filter erleichtern das Suchen von Häusern in einer Region oder mit bestimmten Angeboten wie Exerzitien, Fasten und Meditation. Auch lässt sich nach Zielgruppen (Frauen, Männer, junge Menschen) unterscheiden.

Anderthalb Jahre hat der heute 32-Jährige für die Seite recherchiert und programmiert. Anfangs beinahe in Vollzeit: Ende 2016 war Krüerke nach Münster gezogen; parallel zu seiner Arbeitsplatz-Suche entstand ein Großteil der heutigen Datenbank. Seit einem Jahr ist diese im Internet erreichbar, inzwischen pflegt der Betreiber die Seite in der Freizeit.

Warum der Aufwand?

„300 Arbeitsstunden hat es vermutlich gebraucht, bis das Ganze online ging“, schätzt Krüerke. Genau Buch geführt darüber hat er nicht.

Warum der Aufwand? „Ich habe persönlich festgestellt, dass Stille und Kontemplation gut für mich sind. Und ich bin überzeugt, dass Stille auch anderen Menschen gut tun kann.“

„Stille ist Zeit für mich“

Krüerke ist es gelungen, im eigenen  Alltag Phasen der Stille zu schaffen. Was anfangs nicht einfach war und Übung brauchte. Schließlich hört ein Kopf nicht auf Kommando auf zu denken, nur weil der dazu gehörige Mensch sich irgendwohin zurückzieht und Stille finden möchte.

„Mir hilft die Regelmäßigkeit“, sagt Krüerke. Er nutzt unter anderem eine Handy-App mit Uhrenfunktion. Inzwischen gelinge es ihm schneller, zur Ruhe zu kommen: „Weil ich weiß: In der voreingestellten Zeit passiert wirklich nichts. Es ist Zeit für mich, ich kann mich fallen lassen.“ Ob das allerdings so bleiben kann? Der 32-Jährige wird in diesem Herbst zum ersten Mal Vater. Ein Lächeln huscht bei dem Gedanken über sein Gesicht.

„Bisher nur wenige zentrale Internetseiten“

Stille bereichert – die Seite stillefinden.org soll Menschen helfen, dieselbe Erfahrung zu machen. „Bei fast allen, denen ich von meinem Projekt erzählt habe, habe ich diesen Bedarf wahrgenommen“, berichtet Krüerke. Aber auch Berührungsängste. „Viele kennen sich in der Klosterwelt nicht so aus. Außerdem habe ich nur relativ wenige zentrale Internetseiten gefunden, wo man nach Klöstern für eine Auszeit suchen kann.“

Rasch habe der Entschluss festgestanden: Selbst ans Werk! Eine mehrwöchige Recherche förderte gut 300 Häuser zutage. „Ich habe bei den großen Portalen angefangen, bei den Ordensgemeinschaften selbst, bin dann über Links zu den Internetseiten der einzelnen Klöster gelangt.“

Häuser verschiedener Konfessionen

Krüerke ist Protestant. „Da ich einige evangelische und freikirchliche Häuser kannte, konnte ich auch in diesem Umfeld suchen.“ Neben klassischen Klöstern sind auch Exerzitien- und Gästehäuser gelistet. „Mein Kriterium war: Gibt es dort ausdrücklich das Angebot, eine Auszeit zu nehmen? Vielleicht sogar mit spiritueller Begleitung? Oder wenigstens ein Seminar zum Thema?“

Ob seine Auswahl vollständig ist, weiß Paul Krüerke nicht. Aber: „Bei der Recherche bin ich irgendwann immer wieder auf Seiten gestoßen, die ich schon ausgewertet hatte.“

Rund 300 Klöster verzeichnet

Es galt also, das Angebot von rund 300 Klöstern zu sichten, in Kategorien einzuteilen, Texte zu verfassen. Allein. Viel Arbeit. „Das war mir bewusst.“ Trotzdem hat er durchgehalten: „Ich habe Freude an Recherche, an der Projektarbeit. Und ich mache gern Marketing für die gute Sache.“

Beruflich hat er schon Öffentlich­keitsarbeit im Bereich Klassische Musik gemacht, dann für ein christliches Jugendwerk, später für einen Verbund evangelischer  Kirchengemeinden. In einen solchen Berufsbereich zurückzukehren, kann sich Krüerke – derzeit in einer Werbeagentur tätig – gut vorstellen: „Solange sich das nicht ergibt, habe ich ja meine Klosterseite als Hobby.“

„Lohnender Zugang zur Spiritualität“

Eine weiteres Motiv, stillefinden.org zu erstellen, war die Sympathie für Klöster. „Ich wollte ihr Angebot bekannter machen.“ Zwar würden viele Klöster es im Netz nennen. „Aber Werbung entspricht nicht ihrer Haltung“, sagt der 32-Jährige. Er meint das wertschätzend: „Das Profil von Klöstern ist eher von Demut geprägt, von Geborgenheit, sie verfolgen einen friedlichen Ansatz, der Sehnsüchte auslösen kann.“ Auch die radikale Lebensform wecke Interesse.

„Viele Angebote der Kirchen erreichen keine geistlich Suchenden mehr“, sagt Krüerke. „Wer hört, dass etwas mit Kirche zu tun hat, bei dem läuft im Kopf oft ein Film mit Vorurteilen ab. Das ist nach meiner Erfahrung bei Klöstern anders. Sie sind – neben den Angeboten kirchlicher Institutionen – ein weiterer, lohnender Zugangsweg zur Spiritualität.“

Bis zu 400 Besucher am Tag

Krüerke versteht die Seite stillefinden.org als journalistisches Angebot. Deshalb hat er – nachdem er die Internetseiten der Klöster gelesen hatte – die Texte zu den einzelnen Häusern selbst verfasst und nicht kopiert. Die allermeisten Bilder für sein Projekt fand er über die gemeinfreie Lizenz „Creative Commons“ im Lexikon Wikipedia.

„So anzufangen, war nötig“, sagt er. „Wenn ich auf Rückmeldungen und Bilder aller gelisteten Klöster gewartet hätte, wäre die Seite mit Sicherheit noch nicht online.“ Parallel hat er aber die Klöster kontaktiert und gefragt, ob sie seine Seite mit eigenen Bildern und Inhalten unterstützen wollen.

Warmherzige Reaktionen

Ein gutes Jahr ist der Auftritt inzwischen im Netz, 300 bis 400 Besucher kommen pro Tag. Menschen, die bei Suchmaschinen Worte wie „Stille“, „Auszeit“ und „Kloster“ eingeben. „Ab und zu bekomme ich warmherzige E-Mails. Oder die Leute schreiben mir, weil sie eine Nachfrage haben, etwa ein bestimmtes Kloster suchen und nicht finden können.“

Paul Krüerke mag sein Projekt nicht nur, er freut sich auch über den Erfolg: „Klar habe ich zwischendurch gedacht: Das funktioniert technisch nicht. Oder: Die Seite interessiert keinen. Aber heute bin ich total glücklich, dass meine Idee, dass meine Arbeit so aufgegangen ist.“