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Sozialdienst katholischer Frauen hilft mit „Duschmobil“ in Berlin

Badezimmer auf Rädern für wohnungslose Frauen

Wohnungslose Menschen haben es nicht nur in der kalten Jahreszeit schwer. Mit einem „Duschmobil“ hilft der Sozialdienst katholischer Frauen in Berlin auch im Sommer Frauen, die auf der Straße leben.

Auf den ersten Blick erscheint der Kleinbus wie ein besonders auffälliger Werbeträger. Doch die großflächige Darstellung einer Waldlandschaft mit Fluss und knallbuntem Papagei macht keine Reklame für Mineralwasser oder Urlaubsreisen: Es ist Berlins erstes und bislang einziges „Duschmobil“ für wohnungslose Frauen.

Seit vergangenem September ist das Badezimmer auf Rädern in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen Berlin (Skf) unterwegs. Von Montag bis Freitag steuern zwei Sozialarbeiterinnen verschiedene Standorte im Zentrum der Hauptstadt an. Das Gefährt mit der Ausstrahlung einer Wellness-Oase macht dort Station, wo sich obdachlose Frauen meist aufhalten. Bis zu eineinhalb Stunden kann in der geräumigen, lindgrünen Nasszelle mit Toilette und Glasdach duschen und sich pflegen, wer das Angebot nutzt. Auch Hygiene-Artikel und Kosmetika stehen unentgeltlich zur Verfügung.

„Frauen auf der Straße sind besonders verletzlich“

„Anfangs wurde das Duschmobil skeptisch beäugt“, räumt die Berliner SkF-Geschäftsführerin Rita Brandt ein. Wer als Frau auf der Straße leben muss, fühlt sich meist besonders verletzlich und verhält sich entsprechend vorsichtig, erlebt immer wieder die Sozialarbeiterin Ella Winkelmann, die mit dem „Duschmobil“ auf Tour geht. 

Manchmal bleibt es zunächst bei einem Kaffee, bevor eine Besucherin beim nächsten Treffen das ganze Angebot annimmt, erzählt auch ihre Kollegin, die Sozialassistentin Sheila Schumacher.

Ein Unternehmer kaufte den Bus

Es ist nicht nur die Möglichkeit zu gründlicher Körperpflege ohne Zeitdruck und zu einem Snack. Wer will, kann sich auch über weitere Hilfsangebote informieren. So unterhält der SkF eine Reihe weiterer Einrichtungen für wohnungslose Frauen wie die Tageseinrichtung „Evas Haltestelle“ und eine Notübernachtungsstätte und beteiligt sich am Modellprojekt „Housing First“, das obdachlosen Menschen mit möglichst wenig Vorbedingungen Wohnungen vermittelt.

Auf die Unterstützung anderer angewiesen ist auch der SkF selbst für sein Projekt. So kommt das „Duschmobil“ vom Unternehmer Matthias Müller, der sonst Berufsbekleidung herstellt und vertreibt. Auf eigene Kosten kaufte er den Kleinbus und baute ihn um. „Ähnliche Fahrzeuge habe ich in Paris gesehen“, erläutert Müller, „aber unseres ist noch spezieller auf die Bedürfnisse der Frauen abgestimmt“.

Ein wachsendes Problem

Auch auf staatliche Unterstützung kann der katholische Verband bauen. So gab der Stadtbezirk Mitte eine Anschubfinanzierung in Höhe von 40.000 Euro; mittlerweile fördert die Senatsverwaltung für Soziales das „Duschmobil“ jährlich mit 125.000 Euro. Deren Ressortchefin Elke Breitenbach (Linke) lobt das Projekt nachdrücklich, wenn sie zur Hilfe für obdachlose Menschen auch in der heißen Jahreszeit aufruft. 

Und Breitenbach rechnet mit wachsender Nachfrage: „Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise wird das Problem der Obdachlosigkeit noch zunehmen“, befürchtet die Sozialsenatorin.

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