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Kirchen gedenken in Berlin der Toten in der Corona-Pandemie

Bätzing: Fehlende Nähe verwundet die Seele

  • Die christlichen Kirchen haben am Sonntag in Berlin mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche der Toten in der Corona-Pandemie gedacht.
  • „Krankheit, Sterben und Tod lassen sich in diesem langen Jahr nicht wegdrücken, sie schneiden tief ein in das Leben vieler Menschen“, sagte Bischof Georg Bätzing.
  • Der ökumenische Gottesdienst geht einem staatlichen nationalen Gedenkakt im Konzerthaus Berlin voraus, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen hatte.
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Die christlichen Kirchen haben am Sonntag in Berlin mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche der Toten in der Corona-Pandemie gedacht. „Krankheit, Sterben und Tod lassen sich in diesem langen Jahr nicht wegdrücken, sie schneiden tief ein in das Leben vieler Menschen“, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, in seiner Predigt. „Tod und Sterben sind uns näher gerückt als zuvor.“ Auch ihr Bild habe sich verändert.

Es fehle so viel, sagte Bätzing weiter: Besuche im Krankenhaus, letzte Aussprachen, Trost in der Angst, die vertraute Hand, das Verweilen mit den Verstorbenen, letzte Worte, die Liebe, Schmerz, Trauer und Verzeihen ausdrücken. „Sterben an einer ansteckenden Krankheit lässt das alles nicht zu - nicht einmal ein Begräbnis, an dem viele teilnehmen, diesen Menschen würdigen und den Angehörigen beistehen.“ Verpasste Augenblicke seien verpasste Chancen. „Sie sind einmalig, da gibt es kein zweites Mal“, sagte der Bischof. „Was hier alles fehlt, was einem an Nähe und Zuneigung geraubt wird durch die Pandemie, das verwundet die Seele.“

Bedford-Strohm: In Trauergemeinschaft liegt Kraft

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte in seiner Predigt, in Zeiten der Trauer sei es umso wichtiger, nicht alleine zu sein. Die Krisenerfahrung der Pandemie lege sich wie ein Trauma auf die Seele und schreie nach Heilung. „Für die Verarbeitung werden wir viel Zeit brauchen, erst recht unsere Kinder, unsere Heranwachsenden, für die diese Krise die Ausdehnung einer gefühlten Ewigkeit hat.“ In der Gemeinschaft der Trauernden liege eine Kraft als Nähe, Trost und Hoffnung.

Bätzing und Bedford-Strohm gingen in ihren Predigten auf die biblische Geschichte vom Weg der trauernden Jünger Jesu nach Emmaus ein. Diese mache Mut. Anhand der Geschichte sollte der Gottesdienst Gelegenheit zur Besinnung und zum Abschiednehmen geben und in der Hoffnung bestärken.

Miron: Virus macht vor Niemandem halt

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, sagte, das Coronavirus mache weder vor Konfessionen noch vor Religionen noch vor Nationen halt. „Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir heute mit diesem Gottesdienst gemeinsam trauern, aber auch ein Zeichen des Trostes setzen - über Grenzen hinweg, die auch das Virus nicht kennt.“

Der ökumenische Gottesdienst auf Einladung von Bätzing, Bedford-Strohm und Miron ging einem staatlichen nationalen Gedenkakt im Konzerthaus Berlin voraus, zu dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eingeladen hatte. Neben ausgewählten Hinterbliebenen nahm die gesamte Staatsspitze teil. Auch Vertreter jüdischen und muslimischen Glaubens wirkten an dem Gottesdienst mit. Die Teilnehmerzahl war coronabedingt stark eingeschränkt. An zahlreichen Orten in Deutschland erinnerten Kommunen und Kirchen mit weiteren Gedenkakten und Gottesdiensten an die Toten in der Pandemie.

79.914 Tote durch Corona

Am Nachmittag gibt es eine zentrale Gedenkfeier im Berliner Konzerthaus, bei der Bundespräsident Steinmeier sprechen wird. Auf seine Initiative geht der Gedenkakt zurück. Steinmeier will damit die Schicksale der Verstorbenen und ihrer Angehörigen in den Mittelpunkt rücken, die oftmals keine Möglichkeit hatten, sich von den Sterbenden zu verabschieden. Seit Beginn der Pandemie sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts 79.914 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

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