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221.390 Menschen in Deutschland verließen 2020 die katholische Kirche

Bätzing sieht in Kirchenaustritten "tiefgreifende Erschütterung"

  • Bundesweit haben im vergangenen Jahr 221.390 Personen ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Das sind 18,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
  • Als eine "tiefgreifende Erschütterung" wertete der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, diese Zahlen.
  • Insgesamt waren im vergangenen Jahr 22,2 Millionen Menschen in Deutschland katholisch.
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Genau 22.193.347 Menschen waren 2020 in der Bundesrepublik Deutschland katholisch. Die Katholikinnen und Katholiken machten demnach 26,7 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Das geht aus der jährlichen Kirchenstatistik hervor, wie die Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz heute meldet.

Insgesamt sinkt die Zahl der Christen in der Bundesrepublik weiter. Im vergangenen Jahr gehörten rund 54 Prozent der Bevölkerung einer christlichen Kirche an. Damit ging der Anteil von Christen im Vergleich zu 2019 um einen Prozentpunkt zurück, wie aus einer ebenfalls heute vorgelegten Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hervorgeht. Ihr gehören den Angaben zufolge 20,2 Millionen Mitglieder an.

18,8 Prozent weniger Austritte als 2019

Bundesweit haben im vergangenen Jahr 221.390 Personen ihren Austritt aus der katholischen Kirche erklärt. Das sind 18,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor, als 272.771 Personen ihrer Kirche den Rücken gekehrt haben. Als eine "tiefgreifende Erschütterung" wertete der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, diese Zahlen. "Viele haben das Vertrauen verloren und möchten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen", heißt es in einer Erklärung.

"Wir nehmen das sehr ernst und müssen uns dieser Situation offen und ehrlich stellen und Antworten auf die Fragen geben, die an uns gerichtet werden", betonte Bätzing. Dazu gehöre die gründliche Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs, aber auch die Frage nach Macht und Gewaltenteilung in der Kirche. "Ich wünsche mir sehr, dass der Synodale Weg seinen Beitrag dazu leisten kann, neues Vertrauen aufzubauen."

Weniger Trauungen, mehr Beerdigungen

Corona habe vieles im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben verändert. Zugleich betonte Bätzing, dass die Kirche auch in der Pandemie gerade an den Wegmarken im persönlichen Leben für viele Menschen präsent gewesen sei. Der Gottesdienstbesuch ging 2020 entsprechend stark zurück: Nur 5,9 Prozent der Katholikinnen und Katholiken nahmen an den liturgischen Feiern teil. 2019 waren es noch 9,1 Prozent. Zeitweise waren wegen der Coronakrise öffentliche Gottesdienste gar nicht möglich oder nur mit beschränkten Teilnehmerzahlen. 

Dasselbe gilt für den Empfang der Sakramente: 11.018 Paare spendeten sich das Sakrament der Ehe (2019: 38.537), 104.610 Menschen wurden getauft (2019: 159.043), 139.752 Personen empfingen die Erstkommunion (2019: 166.481). Die Zahl der Bestattungen ist mit 236.546 Verstorbenen leicht gestiegen (2019: 233.937). 1.578 Menschen sind in die katholische Kirche eingetreten (2019: 2.330), 4.358 Personen sind wieder aufgenommen worden.

Seelsorge in Zahlen

Leicht verringert hat sich die Zahl der Priester in Deutschland: 2020 waren es 12.565, 2019 waren es 418 mehr. Nur die Hälfte, nämlich 6.303 Geistliche sind in der Pfarrseelsorge tätig. In den weiteren pastoralen Diensten weist die Statistik für 2020 insgesamt 3.245 Ständige Diakone (2019: 3.335), 3.244 Pastoralassistenten/-referenten (weiblich: 1.539, männlich: 1.705) und 4.426 Gemeindeassistenten/-referenten (weiblich: 3.479, männlich: 947) aus. 

Die meisten Gottesdienstbesucher gibt es demnach im Bistum Görlitz. Dort kamen durchschnittlich 12,6 Prozent der Katholikinnen und Katholiken zur Sonntagsmesse. Zugleich bleibt es mit 29.790 Gläubigen die Diözese mit den wenigsten Mitgliedern in Deutschland.

Austritte in Köln und Münster

In Deutschlands größtem und am stärksten in der Kritik stehenden Bistum, dem Erzbistum Köln, traten im vergangenen Jahr 17.281 Menschen aus der katholischen Kirche aus - das sind 7.017 weniger als 2019. Insgesamt gehörten 1.868.567 Katholikinnen und Katholiken zum Erzbistum Köln. Ihm folgt auf Platz zwei das Bistum Münster mit 1,79 Millionen Katholikinnen und Katholiken. Dort traten im vergangenen Jahr 12.698 Menschen aus der katholischen Kirche aus, 3956 weniger als 2019.

Für 2021 werden nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Vertuschungsvorwürfen bei der Aufklärung von Missbrauch etwa im Erzbis­tum Köln weitaus höhere Kirchenaustrittszahlen als in den Jahren zuvor erwartet. Münsters Bischof Felix Genn warnte in einer Stellungnahme davor, die leicht zurückgegangenen Austrittszahlen 2020 schönzureden. „Die Amtsgerichte waren zeitweise geschlossen, und viele Menschen hatten sicher andere Sorgen. Dieses Jahr holt uns die Wirklichkeit mit, soweit wir das im Moment wissen, deutlich höheren Austrittszahlen wieder ein.“

UPDATE: Statistische Zahlen zu Gottesdienstbesuch, Sakramentenempfang, pastoralem Personal, Austrittszahlen in Köln und Münster (14.07.2021, 13:00/mn)

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