Warum sich ein Indien-Hilfswerk überflüssig machen will

Basis-Gesundheits-Dienst für Jabalpur: Hilfe aus Münster

„Hoffentlich gibt es uns in 40 Jahren nicht mehr“, sagt Mechthild Black-Veldtrup, Vorstandsmitglied des Vereins Basis-Gesundheits-Dienst Partnerdiözese Jabalpur/Indien (BGD). „Denn das würde bedeuten, dass die große Armut und Bedürftigkeit der weitgehend rechtlosen Menschen in dieser Diözese in Zentralindien besiegt ist und keiner mehr der Hilfsprojekte bedarf.“

Was Anfang der Sechzigerjahre als private Initiative in Münster begann und rund zehn Jahre später von der Pfarrei St. Margareta – heute ein Kirchort von St. Mauritz – gefördert wurde, ist seit 1985 ein unabhängiges Hilfswerk. Es hat inzwischen mehr als 200 Projekte realisiert.

56 Vereinsmitglieder – 500 Spender

Dieser Hilfe-Umfang ist nur möglich, weil sich in Münster so viele für die Unterstützung der Einrichtungen im indischen Bistum Jabalpur einsetzen. Der Verein mit derzeit 56 Mitgliedern erreicht an die 500 Spender, die die Projekte in Jabalpur erst möglich machen. Dass die Arbeit des BGD effektiv und sinnvoll ist, spiegelt auch das Spendensiegel des Deutschen Sozialinstituts für soziale Fragen, das der Verein seit 1992 Jahr für Jahr erhält.

Der BGD engagiert sich in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales. Es gibt Schul- und Bildungsprojekte, zum Beispiel in der Ausbildung von Krankenschwestern. 20 Krankenstationen werden vom BGD betrieben. In 40 Boarding genannten Wohnheimen leben Schüler und Auszubildende, da die Wege von ihren Heimatdörfern aus oft sehr weit sind.

Projekte sollen sich selbst tragen

„Wir arbeiten an der Grasnarbe“, beschreibt Hildegard Rickert, Mitglied des fünfköpfigen Vorstands, die Bedeutung der Projekte.  Im Bistum Jabalpur, in dem nur 0,3 Prozent der Bevölkerung Christen sind, ist der BGD bekannt. Ein Team vor Ort, das Bischof Gerald Almeida leitet, sorgt dafür, dass die Spendengelder gezielt und in Absprache mit dem Münsteraner Verein eingesetzt werden. Sie sollen zum Aufbau der Projekte dienen, die sich dann aber selbst tragen müssen.

Dabei spielt es keine Rolle, welche Religion die Menschen haben, denen die Projekte zugute kommen. Mitglieder des BGD reisen privat regelmäßig nach Jabalpur, um den Fortgang der Unterstützung zu begutachten. Es sei wichtig, die Situation vor Ort zu erleben und mit den Menschen trotz der Sprachbarriere in Kontakt zu kommen.

Junge Vereinsmitglieder rücken nach

Vorstandsmitglied Anna Kohlmann war schon dreimal in Jabalpur. Die Mittdreißigerin ist mit Herzblut dabei. Sie gehört zu einer Gruppe junger Erwachsener, die im Verein mitarbeiten und garantieren, dass das Hilfswerk BGD weiterbesteht.

„Ich bin ungefähr so alt wie der BGD“, wundert sich Kohlmann über die Konstanz des Engagements für Jabalpur. Dies sei langfristig nur möglich, wenn auch Jüngere nachrückten und es ein gutes Miteinander gebe. Kohlmann erinnert sich gern an ihre erste Reise 2012 nach Jabalpur: „Das war eine Generationenreise. Es war schön, mit deutlich Jüngeren zu fliegen, aber auch mit deutlich Älteren.“

Respekt und Wertschätzung

Auch Mechthild Black-Veldtrup (58) kam als junge Frau in den Verein: „Schon als ich anfing, hat mich die Kontinuität begeistert.“ Wie es möglich sei, dass sich so viele junge Leute im Verein engagieren? „Das ist erblich“, scherzt Anna Kohlmann. Und meint: „Wer die Herzlichkeit, Dankbarkeit und Gastfreundschaft in Jabalpur einmal persönlich erlebt hat, lässt sich für die Sache begeis­tern.“  

Gegenseitiger Respekt und persönliche Wertschätzung seien in Jabalpur und Münster erlebbar und hätten für das Engagement auch von Jugendlichen gesorgt, erklärt Kohlmann. Dies sicherte die Zukunft des Hilfswerks. Denn nur, wenn die Hilfe für Jabalpur unvermindert fortgesetzt wird, könne sie in 40 Jahren überflüssig werden, hofft Mechthild Black-Veldtrup.

Zunächst aber freuen sich die Vereinsmitglieder über baldigen Besuch: Vor 40 Jahren kam der frühere Bischof von Jabalpur erstmals in die Pfarrei St. Margareta. Im Herbst erwarten die BGD-Mitglieder den jetzigen Bischof Gerald Almeida.