Landjugend in Ostbevern bindet Erntekrone

Bauern: „Noch einen Dürresommer überstehen wir nicht“

Einbußen von bis zu 60 Prozent beim Mais und beim Getreide bis zu 50 Prozent, dazu auf den Weiden statt der üblichen vier Schnitte nur zwei: Die Dürre in diesem Sommer hat auch bei den Landwirten im Kreis Warendorf Spuren hinterlassen.

Besonders betroffen sind Höfe mit Milchvieh und Bullenmast. Aus Futtermangel geschlachtet werden mussten Tiere in der Region nicht. Viele Bauern haben aber bereits Mais zugekauft. „Insgesamt sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen“, beurteilt Paul Verenkotte, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Ostbevern, die Lage. „Aber einen zweiten Dürresommer in Folge überstehen wir nicht“, betonte der Bauer am Rande des traditionellen Erntekrone-Bindens in Ostbevern.

Vorbereitung für Erntekrone begann im Sommer

In diesem Jahr traf man sich dazu auf dem Hof von Martin Klinge in der Bauerschaft Brock. Hergestellt wurde die Erntekrone wieder von der Landjugend in Zusammenarbeit mit den Landfrauen und Vertretern des Landwirtschaftlichen Ortsverbands.

Vorbereitungen dafür begannen bereits im Sommer: Die Frauen sammelten Ähren von Roggen, Weizen, Gerste und Triticale auf den Feldern ein und hängten sie kopfüber zum Trocknen auf – noch bevor sie ganz reif waren.

Und so geht's

„Wenn man das zu spät macht, fallen die Körner ab“, erklärt die Vorsitzende der Ostbeverner Landfrauen, Elisabeth Annegarn. Zum Binden müssen die Ähren gekürzt und zu handlichen Bündeln zusammengefasst werden. Auch das ist traditionell Frauensache.

Danach befestigen die Männer zuerst zurecht geschnittenes Stroh und dann die Getreidebündel an einem speziellen Metallgestell. Zur Zierde binden sie Eichenlaub mit ein. Maiskolben runden das Bild ab.

Wie weit reicht das Futter?

„Die Kolben mussten wir in diesem Jahr mühsam zusammensuchen“, sagt Verenkotte. Wegen der Trockenheit habe man den Mais schon sehr früh ernten müssen, um die Nährwerte für das Vieh zu erhalten, erläutert der Landwirt.

Ostern 2019 wird es nach Meinung des Bauern ernst: „Wie weit reicht das Futter?“ Das ist für ihn die zentrale Frage. Die staatliche Förderung von einer Milliarde Euro höre sich nach viel an, so Verenkotte. „Umgerechnet sind das 5000 Euro pro Hof“, hat der Bauer mit seinen Kollegen ausgerechnet.

„Aber wir sind nicht für das Gießkannenprinzip“, sagt Verenkotte. Wo geholfen werden müsse, solle geholfen werden, ist er überzeugt. Wichtiger sei, jetzt über andere Maßnahmen zu diskutieren, etwa wie Bauern mehr Rücklagen bilden könnten.

Erntedank-Gottesdienst an wechselnden Orten

In der Zwischenzeit ist die Ostbeverner Erntekrone fertig. Das Schmuckstück wird die Herz-Jesu-Kirche im Ortsteil Brock zieren, wo in diesem Jahr der Erntedank-Gottesdienst der St.-Ambrosius-Gemeinde gefeiert wird.

Herz Jesu Brock und St. Ambrosius Ostbevern wurden vor zehn Jahren fusioniert. „Wir wechseln uns beim Aufstellen der Erntekrone mit der Pfarrkirche in Ostbevern ab“, sagt Annegarn.