Interview: Katholische Jugend kritisiert Entscheidung

BDKJ: Katholikentags-Einladung an AfD zu wenig begründet

Weil Religionspolitiker aller Bundestagsfraktionen beim Katholikentag im Mai in Münster diskutieren sollen, ist auch die AfD eingeladen worden. Das als Grund genügt nicht, findet Lisi Maier, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), im Interview mit „Kirche+Leben“.

Frau Maier, der BDKJ kritisiert die Entscheidung der Katholikentagsleitung, auch einen Vertreter der AfD auf ein Podium zu bitten. Es heißt, eingeladen seien die religionspolitischen Sprecher aller Fraktionen im Bundestag, also auch der AfD. Warum halten Sie das für falsch?

Aus drei Gründen. Erstens argumentiert die Katholikentagsleitung, sie lade Personen ein, keine Parteien. Dann aber sollte man nicht gerade Volker Münz einladen. Er hat die „Erfurter Resolution“ unterschrieben und zählt damit zum rechten Flügel der Partei. Zweitens finden wir, dass sich die AfD seit dem Katholikentag 2016, zu dem sie bewusst nicht eingeladen war, deutlich radikalisiert hat, was sich gerade auch in öffentlichen Äußerungen niederschlägt. Wenn man die AfD jetzt einlädt, sollte es – neben der formalen Gleichbehandlung aller Fraktionen – mindestens einen weiteren Grund dafür geben.

Und drittens?

Wir finden, bei Katholikentagen sollte es um die konstruktive Suche nach Lösungsvorschlägen für gesellschaftliche und kirchliche Fragen gehen und nicht darum, wie in Talkshows Konfrontationen aufzubauen. Außerdem stehen wir am Anfang einer Legislaturperiode des Bundestags. Es würde die politischen Kräfteverhältnisse nicht verrücken, wenn ein Katholikentag die AfD nicht einlädt. Das von vielen Seiten angesprochene Neutralitätsgebot müsste man vielleicht nochmal anders bewerten, wenn man mitten in einem Wahlkampf wäre.

Wenn man keinen AfD-Vertreter eingeladen hätte, hätte man der Partei doch die Möglichkeit gegeben, das auszuschlachten.

Die Opferrolle nimmt die AfD ohnehin ein. Das ist Teil ihrer Strategie. Entweder sieht sich die AfD im Vorfeld als Opfer, weil sie zu einer Veranstaltung nicht eingeladen wird. Oder sie nutzt bei vielen Veranstaltungen die Bühne, um sich als ausgegrenzt zu verkaufen. Es geht um etwas Anderes: Als eine andere rechte Partei wie die NPD früher in Landtagen vertreten war, hat es für Viele klare inhaltliche Gründe gegeben, sie nicht zu Veranstaltungen einzuladen – obwohl sie im Parlament saß. Diese Gründe gibt es nach unserer Ansicht auch für die AfD.

Welche?

Lisi Maier ist Bundesvorsitzende des BDKJ. | Foto: Christian Schnaubelt (BDKJ)
Lisi Maier ist Bundesvorsitzende des BDKJ. | Foto: Christian Schnaubelt (BDKJ)

Wir finden, dass viele Vorschläge und Argumentationslinien der AfD sich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen. Anträge und Haltungen, die die AfD in den vergangenen Wochen mit Bezug auf Religionsfreiheit und den Islam in den Bundestag eingebracht hat, spiegeln das sehr deutlich wider. Hinzu kommt, dass die AfD gesellschaftliche Maßstäbe verschoben hat. Es gelten heute Redeweisen und menschenverachtende Ansichten als normal, die früher aus gutem Grund undenkbar waren.

Nun wird Volker Münz voraussichtlich beim Katholikentag diskutieren. Wie kann eine Diskussion mit einem AfD-Vertreter gelingen?

Indem andere Diskussionsteilnehmer sachlich, aber bestimmt dagegenhalten. Die AfD argumentiert oft populistisch. Da ist es wichtig, mit Fakten und grundgesetzlichen Grenzen zu kontern. Natürlich ist auch eine gut vorbereitete und sichere Moderation wichtig. Außerdem sollten die anderen Diskutierenden nicht in den Sprachduktus der AfD abgleiten oder sie rezipieren.

Auch nach dem Katholikentag bleiben Rechtspopulisten eine Herausforderung für die Kirche und ihre Verbände. Wie kann ein Verhältnis der Kirche zur AfD auf Dauer aussehen?

Ich denke, da sind wir alle noch auf der Suche. Wir müssen uns mit rechtspopulistischen Positionen auseinander setzen und ihnen Paroli bieten. Als BDKJ haben wir für uns festgelegt, zu eigenen Veranstaltungen keine AfD-Vertreterinnen und Vertreter einzuladen, weil deren Positionen unserem christlichen Selbstverständnis widersprechen. Wir haben uns aber auch sehr bewusst dazu entschlossen, die Konfrontation mit der AfD in gut moderierten Formaten einzugehen.

Es gibt Vorschläge, unter anderem von ZdK-Präsident Thomas Sternberg, die Bischofskonferenz oder das ZdK sollten formelle Beschlüsse zur Abgrenzung von der AfD fassen. Wie finden Sie das?

Teilweise gibt es solche Beschlüsse schon. Einige unserer Jugendverbände haben sie gefasst. Und auch das BDKJ-Papier zu Vorurteilen in der Flüchtlingsdebatte vom April 2016, „Wir widersprechen, weil wir glauben“, kann man als eine Art Abgrenzung lesen. Es geht aber nicht darum, Wähler oder Partei-Sympathisanten auszugrenzen. Ich halte es vor allem für notwendig, Verbänden, Gruppen und den einzelnen Christinnen und Christen Handlungsempfehlungen zu geben, wie sie rechtspopulistischen Ansichten begegnen können.

Wird das AfD-Thema in der Kirche gerade zu hoch gehängt?

Leider nicht, fürchte ich. Wir müssen uns als Kirche mit solchen Strömungen auch innerhalb unserer Reihen auseinander setzen. Dabei geht es um eine Vielzahl von rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen, die Anknüpfungspunkte im christlichen Milieu suchen. Wenn wir das unter den Teppich kehren, gärt es weiter.